Das FAZ-Interview mit Malik ist von Ende Januar 2009, entstand also am Tief des 2008/2009-Kollaps.
Malik kommt am Ende des Interviews zu falschen Einschätzungen (die sich übrigens mit meinen falschen aus der Zeit decken):
Die beste Anlage ist seit Jahren Bargeld. Das Rezept lautete: Ertrag vergessen, dafür Substanz erhalten. Nicht Return on Investment, sondern Return of Investment war und ist, wie man nun täglich sieht, das Erfolgsprinzip, und wird es für längere Zeit bleiben. Das Ende dieser Anlagepolitik kommt erst mit einer eventuellen Währungsreform, die wahrscheinlich wird, wenn man in den alten Pfaden weitergewurstelt. Bargeld wird in der anhaltenden Deflation von allein täglich mehr wert, weil mit wenigen Ausnahmen alle Preise sinken, insbesondere Sachwerte, wie Aktien, Immobilien, Rohstoffe und Edelmetalle. Dies zu verstehen, fällt vielen extrem schwer, weil ihnen das nötige Wissen fehlt und weil sie eben im Neuen nur das Alte zu sehen vermögen. Es ist eine kopernikanische Wende fällig.Maliks Idee einer von Wissen statt von Kapital gesteuerten Welt (siehe FAZ-Interview) bleibt ein netter Traum, solange in USA Goldman, Bernanke und Co. das Sagen haben. Die halten einfach an ihren obsoleten und inadäquaten Flutungs- und Neuverschuldungs-Ideen fest und setzen hemmungslos auf Inflationierung. QE ist der Gipfel dieser Politik.
Bernankes Voodoo-Konzept - so primitiv es anmuten mag - ging am Ende tatsächlich auf (zumindest hinsichtlich der Asset-Preise): Wir erzeugen künstlich mit der Notenpresse Inflation, um Deflation zu bekämpfen.
Wall Street und die Fed werden auf diesem "altbewährten" Pfad weiterfahren, bis sie den Karren bei vollem Tempo an die Wand setzen und "plätten". Nichts fällt ihnen schwerer und liegt ihnen ferner, als Fehler einzugestehen und von den alten maroden Prinzipien abzurücken.
Weil mit immer mehr Schulden die "Fall-Höhe" entsprechend steigt, wird der nächste Crash noch weit übler ausfallen als der von 2008/2009. Sein Destruktionspotential entspricht der potenziellen Energie, die durch das Auftürmen neuer Schulden auf die alten entsteht. Diese aufgestaute potenzielle Energie wird sich am Tag X abwärts in kinetischer Energie/Deformationsarbeit umwandeln.
Zu deutsch: 20xx wird nicht nur die Zeche aus 2008 fällig, sondern zusätzlich die auf das, was seitdem "nachgepumpt" wurde.
Hinterher werden die Crash-Verursacher erneut - wider besseres Wissen - behaupten, dass man dies "unmöglich" vorher hätte wissen können. So wie "man" ja angeblich auch die Housing-Krise "unmöglich" vorhersehen konnte...
Die Ignoranz, Gier und "Dickfelligkeit" der Boom/Bust-Kurstreiber ist größer als jedwede Vernunft. Über Utopien einer Wissensgesellschaft lachen sich die Goldmänner nur kaputt.
FAZIT: Die Bläh-Strategien Wall-Streets sind - anders als Malik und ich es Anfang 2009 erwartet hatten - bislang weitgehend aufgegangen. Zumindest haben sie eine neue Aktien- und Rohstoffblase erzeugt, die die damaligen Deflationserwartungen Lügen straft. In der Realwirtschaft haben die Blähspiele allerdings wenig bewirkt. Die Arbeitslosigkeit blieb rekordhoch, die Firmengewinne resultieren zu einem großen Teil aus Dollar-Entwertung (sind also Scheingewinne), und der ganze Aufschwung seit 2009 basiert im Wesentlichen auf Staats/Transfer-Gepäppel, das nun - da die US-Schulden/BIP-Quote an 100 % stößt - kaum wie bislang weiter durchgezogen werden kann. Daher ist das ganze "Geblähe" nicht nachhaltig. Es ist daher recht wahrscheinlich, dass sich die damaligen Deflationserwartungen "am Ende" doch noch bewahrheiten werden.
Die Kunst des Bären-Daseins besteht darin, sich bis dahin noch nicht "totgeshortet" zu haben. Dies könnte in der Tat drohen, wenn sich ein Chartbild entwickelt wie in # 215.