Mal ein paar Überlegungen von mir zur "Offensichtlichkeit" von Chartformationen als "Falle" für Chartisten:
Wenn ich z.B. lese, dass Godmode eine Trendumkehr für unwahrscheinlich hält, weil das Rounding Top "zu offensichtlich", also zu deutlich ausgeprägt ist, so dass es jeder sieht - dann muss man sich die Frage stellen, wie die Mehrzahl der Marktteilnehmer eine solche sich abzeichnende Formation sehen wird. Da sie ja angeblich jeder sieht, dürfte sich jedenfalls die Mehrzahl Gedanken darüber machen. Hier wird man zwei Gruppen unterscheiden müssen:
1. Die, die mehr oder weniger an Charttechnik "glauben": Die werden das Rounding Top als Umkehrformation traden, also (wenn sie bisher long waren) verkaufen. Dann tritt das ein, was das Rounding Top vorhersagt, nämlich fallende Kurse.
2. Die, die an eine Manipulation von Chartfiguren "glauben": Diese Marktteilnehmer halten das sich abzeichnende Rounding Top für "gefakt" und einen Trick, Bären in den Markt zu locken, um diese dann mit ihrer Marktübermacht zu übervorteilen (z.B. in einen Shortsqueeze zu zwingen). Das setzt aber voraus, dass es eine Art Verschwörung mächtiger Marktteilnehmer gibt, die in homogener, konzertierter Aktion durch gezielte Käufe/Verkäufe Chartfiguren "zeichnen", um neue Marktteilnehmer in den Markt zu locken. Dass es eine solche Art von "Kurssteuerungsclub der Großen" gibt, die derart die Überhand hat, wage ich doch zu bezweifeln. Im Übrigen könnte man, wenn das wahr wäre, die Charttechnik komplett vergessen, da dann die Manipulation von Chartfiguren wahrscheinlicher wäre als ihre tatsächliche Ausbildung aufgrund von Marktgewohnheiten, -gesetzmäßigkeiten und -psychologie.
Also, meine Überlegung: Was ist wahrscheinlicher: Dass die "Chartgläubigen" oder die "Manipulationsgläubigen" überwiegen, wenn sie ein Rounding Top sehen? Ich persönlich glaube grundsätzlich an das erste - zwar wird im Moment sicherlich von großer Seite steuernd in den Markt eingegriffen, aber diejenigen, die an eine komplette, uneingeschränkte Marktsteuerung durch eine Art konzertiert agierenden Big-Boys-Club glauben (oder auch durch ein PPT), unterschätzen meines Erachtens die Größe und Masse des Marktes und dessen Inhomogenität. Auf Dauer wird sich das durchsetzen, was die meisten glauben, und das dürfte eher das sein was Charts/Indikatoren/Nachrichtenlage hergeben und weniger der Glaube an eine umfassende, dauerhafte Marktmanipulation.
Was man selbst glaubt und zu welcher Überzeugung auch immer man selbst kommt, das sollte man auch traden. Mir jedenfalls ging es oft schon so, dass ich vor allem dann Verluste gemacht habe, wenn ich nicht meiner persönlichen Überzeugung gefolgt bin.
Das nur ein paar persönliche Gedanken von mir am morgen, ohne Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit...
Allen Good Trades!
Zwei Dinge sind unendlich - Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher. (Albert Einstein)