Die Anleger lassen sich ins Bockshorn jagen. Mit Blick auf die Zahlen von Apple und IBM gestern Abend
wird begründet, warum es heute am Markt erst einmal Abschläge geben muss. Das ist natürlich Unsinn.
Denn wer einen genaueren Blick auf die Zahlen wirft, sieht, dass hier nichts Enttäuschendes zu finden ist.
Einer der wenigen Märkte, der es richtig sieht, ist der
deutsche. Denn der DAX kann, nachdem er gestern die
Marke von 6.500 Punkten überwunden hatte, seine
Gewinne auch heute ausbauen. Dem werden sich die
anderen Märkte nicht entziehen können, denn der
deutsche Markt ist in Europa zum Trendsetter geworden.
Wie sah es nun bei den beiden US-Firmen aus? Apple
konnte für sein 4. Fiskalquartal einen Gewinn von 4,64
Dollar je Aktie abliefern. Wie schon angesprochen, lag dies
deutlich über den Erwartungen. Der Umsatz wurde beinahe
verdoppelt und lag mit 20,3 Mrd. Dollar ebenfalls über den
Erwartungen.
Dass es danach zu Kursverlusten kam, lag an der als verhalten eingestuften Prognose. Apple sieht
derzeit einen Gewinn je Aktie von 4,80 Dollar im laufenden Quartal, während die Analystenprognosen schon
bei 5,03 Dollar je Aktie liegen. Doch Apple gibt traditionell eher sehr konservative Prognosen ab. Also keine
Aufregung, sondern investiert bleiben.
Was auch für IBM gilt. Hier sorgte ein Rückgang bei den neuen Aufträgen für Kursturbulenzen. Aber auch
hier gilt: Eher Zufall, weil man einen neuen Milliardenauftrag nicht mehr rechtzeitig in die Bilanz bekam.
Unter Dach und Fach ist er inzwischen. Mit Umsatz und Gewinn über den Erwartungen ist jeder
Kursrückschlag bei IBM eine willkommene Gelegenheit zum Nachkauf.
Trendwende am Bondmarkt. Deutlich waren gestern und auch heute früh die Abflüsse zu spüren, die
bereits am Freitag eingesetzt hatten. Wir verzeichnen Gewinnmitnahmen, die sich nahezu über alle
Risikoklassen am Bondmarkt ziehen und die Vermutung liegt nahe, dass die grossen Fonds seit dem
starken Kaufsignal des deutschen Aktienmarktes in der vergangenen Woche nun erhöhte Redemptions
bekommen, also Verkäufe von Fondsanteilen.
Der Wechsel ist nur logisch. Die europäischen Aktienmärkte haben in den vergangenen sechs Monaten
eine Korrektur erlebt, die manche Marktteilnehmer auch beschönigend Seitwärtsbewegung nennen,
während der Bondmarkt boomte. Diese „Seitwärtsbewegung“ wurde nun beendet, was den Aktien im 4.
Quartal eine attraktive Herbst- / Winter-Rally verspricht. Die Rally wird aber zum Teil auf dem Rücken des
Bondmarktes ausgetragen, der nun weniger Kapitalzuflüsse als in den letzten Quartalen sehen wird.
Einzelne Fonds müssen sogar mit Nettoabflüssen rechnen.
Da die Fonds jedoch in der Regel komplett engagiert sind, um die bisherige Rally am Bondmarkt voll
auszukosten, fehlt ihnen nun die nötige Liquidität, um alle Redemptions zu bedienen. Positionen
müssen also verkleinert oder ganz verkauft werden. Die Folge ist, dass die Bonds mit den grössten
Kursgewinnen in den letzten Monaten und den grössten Risiken nun unter Gewinnmitnahmen zu leiden
beginnen. Das sind in erster Linie die Junk Bonds, aber auch die Hybrid-Anleihen.
Ein gutes Beispiel für die relative Schwäche des Bondmarktes war die gestrige Emission der neuen
Sixt AG Anleihen. Die Bonds (ISIN
DE000A1E8V89 / Valor 11904422) sind ohne Rating platziert worden
und tragen einen Coupon von 4,125% p. a. bei einer Laufzeit von sechs Jahren. Ein mageres Angebot, das
sich aber aufgrund der hohen Nachfrage nach deutschen Unternehmensanleihen vergleichsweise gut
verkaufen liess. Die ersten Kurse im nachbörslichen Handel, die unter dem Reoffer Preis von 99,719%
liegen, legen jedoch nahe, dass viele Zeichner den erhofften Kurssprung nach der Emission nicht sehen und
nun schnell die Bonds wieder abstossen.
Quelle:
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