Hypothekenfinanzierer in der Mega-Krise: Pleitegerüchte haben die Kurse der beiden Marktgiganten Fannie Mae und Freddie Mac abstürzen lassen. Jetzt bereitet sich die US-Regierung darauf vor, die beiden angeschlagenen Unternehmen zu retten - durch ein Notgesetz oder sogar eine Übernahme.
New York - Alarmstimmung in der US-Regierung: Eine Sprecherin des Weißen Hauses hat mitgeteilt, dass ein Rettungsgesetz für die beiden Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac vorbereitet wird. Ziel sei, den Märkten Vertrauen einzuflößen angesichts von Spekulationen über eine drohende Pleite beider Unternehmen. Regierungsvertreter denken laut "New York Times" sogar über einen Plan nach, wie der Staat eins oder beide Institute übernehmen könnte, wenn sich ihre Situation verschlimmert. Es handle sich dabei aber um reine Vorsorge-Überlegungen, betonten die Beamten. Die Finanzierer seien aktuell nicht in einer Krisensituation.
Hauptquartier von Fannie Mae in Washington: Zwischenzeitlich verlor der Aktienkrus um über 30 Prozent
Zuvor waren die Aktienkurse von Freddie Mac Chart zeigen und Fannie Mae abgestürzt, nachdem der ehemalige Fed-Gouverneur William Poole die beiden Konzerne in einem Bloomberg-Interview als faktisch insolvent bezeichnet hatte. Freddie Mac wies die Gerüchte zurück. Auch die Aufsichtsbehörde für Hypothekenfinanzierer Ofheo teilte mit, die beiden Verleiher verfügten über ausreichend Kapital, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Nach den beruhigenden Worten aus dem Weißen Haus und den Beteuerungen der Aufsichtsbehörde reduzierten sich die Verluste auf rund 22 beziehungsweise 14 Prozent.
Dies kann allerdings über die tiefen Probleme der beiden Kreditfinanzierer nicht hinwegtäuschen. Anfang der Woche hatte eine Studie der Investmentbank Lehman Brothers die Kurse schon einmal zum Abstürzen gebracht: Ihren Schätzungen zufolge brauchen beide Firmen Finanzspritzen von insgesamt 75 Milliarden Dollar.
Seit im vergangenem Sommer die Kreditkrise ausbrach, haben Fannie Mae und Freddie Mac gemeinsam bereits elf Milliarden Dollar Verluste hinnehmen müssen. Investoren gehen schon länger davon aus, dass die US-Regierung einen Zusammenbruch der beiden Institute nicht zulassen wird - denn dann würde ein Kollaps des US-Immobilienmarktes drohen. Die beiden Unternehmen halten oder garantieren mehr als 75 Prozent aller Kredite auf Einfamilienhäuser in den USA.
Fannie Mae und Freddie Mac befinden sich zwar in Privatbesitz, aber wegen enger Verzahnung mit der Politik erwarten die Finanzmärkte stillschweigend, dass der Staat letztlich für die Schulden der beiden weitgehend geradestehen wird. Wie dabei die Aktionäre wegkommen würden, ist offen.
Bernanke plädiert für umfassende Banksektor-Reform
Der Kurssturz bei den beiden Hypothekenfinanzierern war nicht das einzige Anzeichen an der Wall Street, dass die Finanzkrise mit voller Wucht zurückkehrt. Die viertgrößte Bank Wachovia Chart zeigen schockte die Anleger mit der Nachricht, dass sie einen Quartalsverlust infolge der Finanzkrise von rund 2,8 Milliarden Dollar erwartet. Der Kurs brach darauf hin um 8,1 Prozent ein (mehr...). Außerdem gab es Gerüchte über neue Probleme bei Lehman Brothers Chart zeigen - die Papiere der Investmentbenk verloren daraufhin rund 12 Prozent an Wert.
Auch in der Regierung und der US-Notenbank Fed ist man sich bewusst, dass die Kreditkrise noch lange nicht vorbei ist. Fed-Chef Ben Bernanke und Finanzminister Henry Paulson warben am Donnerstag vor Abgeordneten des US-Kongresses für eine umfassende und langfristig ausgerichtete Reform der Banken- und Finanzaufsicht, damit sich die jüngste Kreditkrise nicht wiederholt. Zudem müsse die restliche Volkswirtschaft künftig besser vor Fehlentwicklungen in der Finanzwelt geschützt werden.
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Die Beinahepleite und anschließende Notrettung der Investmentbank Bear Stearns Chart zeigen habe gezeigt, wie überholt das jetzige System der Finanzaufsicht in den USA sei, warnte Paulson. "Wir müssen schneller damit vorankommen, unseren Regulierungsrahmen zu erneuern und sowohl die Aufsicht als auch die Disziplin am Markt zu verbessern", sagte der Minister vor dem Hausfinanzierungsausschuss im Kongress. Bernanke nannte vor allem Investmentbanken und andere Wertpapierhändler, die langfristig gesehen strenger reguliert werden müssten. Beide Spitzenpolitiker räumten allerdings ein, dass angesichts der US-Präsidentenwahl im November wohl erst im nächsten Jahr mit einer umfassenden Reform zu rechnen sei.
Die Wall Street scheint sich an die turbulenten Zeiten der Finanzkrise aber scheinbar gewöhnt zu haben. Trotz der Krise der Hypothekenfinanzierer schloss die NYSE im Plus. Der Dow Jones Chart zeigen stieg um 0,73 Prozent auf 11.229,02 Punkte. Der S&P 500 gewann 0,70 Prozent auf 1253,39 Punkte. Der Nasdaq Composite Chart zeigen legte um 1,03 Prozent zu auf 2257,85 Punkte. Einer der Hauptgründe: Der größte US-Konzern Dow Chemical Chart zeigen will den Konkurrenten Rohm & Haas übernehmen - für 19 Milliarden Dollar.
Ich bab`s ja gewußt! Warum hab ich nur nicht danach gehandelt?