Meiner persönlichen Auffassung und Erfahrung nach gibt es sehr verschiedene Gläubiger-Schuldner-Mentalitäten - sowohl im privaten Bereich als auch im geschäftlichen Bereich - übergreifend auch im Staaten- und Länderbereich weltweit.
Im günstigsten Falle ist es im Gläubiger/Schuldner Verhältnis wohl so, dass jemand, der gerade viel Geld auf dem Konto hat, einen großen Teil dieses Geldes in absehbarer Zeit selbst nicht dringend brauchen wird und bereit ist, einem anderen, der gerade in eine Notlage geraten ist, einen Teil seines "überschüssigen Geldes" zu ausgesprochen günstigen und fairen Konditionen auszuleihen, weil er dem Schuldner "helfen" möchte, wieder auf die Füße zu kommen, und ihn nicht zu seinen eigenen Gunsten an seinen Schulden "ersticken" lassen möchte.
(Übrigens dürfte kein Gläubiger einem Schuldner einfach so "zinsfrei" Geld leihen, da das Finanzamt nach heutigem Recht sodann eine "Schenkung" unterstellt und dem Gläubiger dafür, dass er sein überschüssiges Geld nicht für
1,25 % bei irgendeiner Bank angelegt hat um diese Zinsen dann zu versteuern - im Gegenzug ca. 6 % p.a. in Rechnung stellt)...Man "darf" also gar nicht so nett sein, auch mal einem Freund, Nachbarn etc. für Nullzinsen auszuhelfen, weil man dann selbst richtig draufzahlen muss. Zumindest nicht offiziell. Eklig und perfide ist das).
Im besten Falle ist der Schuldner sehr dankbar für die Hilfe des Gläubigers, erkennt die günstigen Konditionen wohlwollend an und ist außerordentlich bestrebt, seine Schulden "gern" zurück zu zahlen.
Das wäre aber wohl die absolute Ausnahme.
Die meisten Konstellationen verlaufen irgendwie anders.
Es gibt sowohl die bösen wohlhabenden Gläubiger, die oftmals eben unerträglich hohe Zinsen für das zur Verfügung gestellte Kapital verlangen, in dem vollen Wissen, damit den Schuldner - womöglich mitsamt seiner ganzen Familie - komplett zu ruinieren, an den Abgrund zu treiben, wenn´s sein muss, verhungern zu lassen...
als aber ebenso auch durchaus die bösen Schuldner, die von Anfang an wissen, dass sie ihre Schulden niemals bezahlen können - egal ob es sich um Bankkredite, Kaufhauskredite, Kartenkredite, Mieten, Freundschaftskredite handelt - diese Schuldner aber trotzdem noch weiterhin und immer wieder an verschiedenen Stellen Schulden machen - im vollen Bewusstsein, dass alle Kreditgeber am Ende leer ausgehen werden.
Diese Schuldner denken sich einfach: Der oder die haben doch eh genug. Steht mir doch nur zu. Warum soll ich was zurück bezahlen, was ich nicht habe?
Schlimmer sind noch die Schuldner, die eigentlich das Geld haben, ihre Schulden zurück zu bezahlen, aber es einfach nicht wollen, weil sie eben auch der Meinung sind, wer in der Lage ist, Geld zu verleihen, hat es wohl nicht so nötig, dieses auch zurückhaben zu wollen.
Nun ja, da gilt es, einiges zu differenzieren - zwischen denen, die möchten und können und es auch tun, und denjenigen, die möchten aber nicht können, und denen die nie konnten und dementsprechend auch nicht möchten und natürlich denjenigen, die können, aber nicht möchten.
Wie dem auch sei - es gibt sehr differenzierte Gläubiger-Schuldner-Mentalitäten und Haltungen auf beiden Seiten.
Eine gewisse Dreistigkeit ist - außer im ganz oben beschriebenen besten Falle - meistens auf beiden Seiten zu bemängeln.
Die eine Seite (Gläubiger) verlangt oft unseriöse Wucherzinsen, die andere Seite (Schuldner) akzeptiert diese kalt lächelnd in dem Bewusstsein, dass dem Gläubiger am Ende nichts anderes übrig bleiben wird, als teilweise oder gar komplett Schulden zu erlassen, oder zumindest Zinsen zu senken, wollte er nicht selbst mit untergehen.
Natürlich gibt es aber auch jene ehrlichen und grundsätzlich aufrichtigen Schuldner, denen nichts anderes übrig bleibt, als die unseriösen Wucherzinsen in Kauf zu nehmen - aus welchen Gründen auch immer - aber, die sich fast totstrampeln, nur um ihre ZINSEN und Schulden zurück zu zahlen. Ja, diese Schuldner gibt es auch.
Am Ende heißt es aber oft nach einem möglichen Schuldenerlass: "Seid doch froh, dass wir Euch überhaupt noch was zurück zahlen" - oder auch: "Erlasst uns gefälligst alle unsere Schulden. Denn, wenn Ihr das nicht tut, bricht hier alles zusammen..."
Tja, und diese frechen Spielchen spielen nicht nur manche Private, manche Unternehmen, manche innerdeutschen Länder und Kommunen, Griechenland etc., sondern genauso gut auch die USA auf einer noch etwas anderen Ebene.
Wer es dann ganz schlau und abgezockt anstellt, fälscht sämtliche Bilanzen, Statistiken, Wirtschaftserwartungen blablabla - egal ob Bank, Unternehmen, Staat, Land und nimmt dann so dermaßen viele Schulden auf, die er entsprechend in die Bilanzen diverser anderer wichtiger Bilanzen ;-) "verteilt", so dass er am Ende als "systemrelevant" gilt und dringend vom "Volke" - am besten noch "von anderen Völkern"! "gebailoutet" werden MUSS, damit nicht das ganze System zusammenbricht...
Bin mir nicht mehr ganz sicher, meine aber, es war IschariotMD, der diverse Links mit diversen Überschriften heute eingestellt hat, z.B. auch "Deutsche Bank "fordert" Hilfe für Griechenland"
Ich las nur diese Überschrift und dachte sofort: Okay, da hängt die Deutsche Bank aber dick drin und will sich mal wieder "ohne selbst Hilfen beantragen zu müssen" vom Staate oder von der EU "raus kaufen" lassen.
Meinen diesbezüglichen Gedankengang hat mir Malko auch blitzartig bestätigt. Er reagierte sofort mit dem m.M. nach richtigen Kommentar dazu.
Und auch AL hat wieder einen sehr treffenden kurzen Kommentar zu "Deutschland rettet Griechenland" geliefert:
"WER RETTET DEUTSCHLAND"???
Keine Frage - im Gegensatz zu vielen anderen Ländern und Staaten weltweit - geht es uns hier noch vergleichsweise ausgesprochen gut. Wenn ich mir jedoch auch unsere Infrastruktur, unsere Schulen, Unis so ansehe...oje...
In Köln kenne ich auf den Straßen, auf denen ich meistens unterwegs bin (Nord-Süd-Fahrt, Rhein-Ufer-Straße, Tunis-Straße, Aachener Straße, Militärring usw. mittlerweile "fast jedes knöcheltiefe Schlagloch" - und diese Löcher sind leider ausgesprochen häufig - und kann diesen meistens daher durch Spurwechsel ausweichen - ansonsten wären schon baldigst meine Achsen Schrott...
Nur ein kleines Dummi-Beispiel für so Vieles, was auch bei "uns in Deutschland" im Argen liegt und "nicht finanziert" werden kann.
Andererseits finanzieren "WIR" wie blöde Banken, Länder wie auch Griechenland (nur um unsere Banken und Versicherungen nicht zu gefährden ;-), marode Unternehmen, die wahrscheinlich längst zum Scheitern verurteilt sind, sollten nicht Wunder oder plötzliche innovative Geistesblitze entstehen, wie z.B. auch bei Opel etc. - WIR subventionieren u.a. neben den üblich Verdächtigen neuerdings aber auch die "Hotelbranche" - würg -
Wenn ich liebend gerne was subventionieren würde, dann wäre das z.B. Baby- und Kindernahrung (null MwSt) Kinderbetreuungsstätten, damit die Mütter zumindest die Möglichkeit wieder haben, arbeiten gehen zu "dürfen" - und das völlig ohne Eigen-Interesse, da ich selbst keine Kinder habe. Ich finde es aber trotzdem immens wichtig
Was wieder total abstrus ist. Von dem Geld, was wir selbst nicht haben, nur aufgrund unseres noch guten Rufes und dementsprechenden AAA-Rating verschulden wir uns und vor allem unsere Nachkommen auf Jahrzehnte hinaus - ABER NICHT ZUM WOHLE UNSERES LANDES - im Sinne von Kindestagesstätten, Entlastung allein erziehender Mütter, Bildung, Infrastruktur, Forschung etc. - NEIN - WIR VERSCHULDEN uns immens NUR für die SCHULDEN ANDERER! Und das finde ich beängstigend - zumindest aber sehr bedenklich.
Und das Erstaunlichste daran ist, dass die Schuldner gar nichts anderes erwartet haben. Sonst hätten sie ihre Schulden nicht so bis zum Exzess in die Höhen getrieben. Sie haben das ganz cool und frech einkalkuliert - und - so wie es scheint, haben erst einmal wieder die "Schuldner" GEWONNEN - ich erinnere an mein Posting "Sinn und Unsinn des Sparens"...
Und das meine ich mit Gläubiger-Schuldner-Mentalitäten - es gibt solche und solche...leider immer mehr solche als solche ;-)
Eure Kosto