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Kommentare von mir in grün - A.L.
FTD-Das Kapital
Ein quälend langer Weg
Insbesondere im US-Wohnungsbau werden die Stabilisierungstendenzen immer deutlicher. Doch ist damit längst noch keine durchgreifende Erholung der Wirtschaft in Sicht.
(Links im Orig.)
Wenn nur diese verdammten harten Daten nicht wären. Dann würde man die Mär von einem unmittelbar bevorstehenden Lageraufbau und entsprechenden Produktionssteigerungen fast glauben. Nur lagen beispielsweise die Auftragseingänge bei den US-Herstellern von Gebrauchsgütern im April immer noch um 7,3 Prozent unter dem Umsatz. Auch beim Verhältnis der Vorräte zum Umsatz hat sich nichts getan, was die Lagerzyklus-Fantastereien untermauern würde.
Immerhin zeichnet sich im US-Wohnungsbau die lang ersehnte Stabilisierung (? sehe ich nicht, s.u. - A.L.) nach dem Kollaps zusehends ab. Allerdings ist eine Stabilisierung noch längst keine durchgreifende Erholung. In den USA wurden im ersten Quartal 130,4 Millionen Wohneinheiten gezählt, wovon laut Handelsministerium 19,1 Millionen leer standen. Bei einer derzeitigen Bevölkerung von 306 Millionen und 116 Millionen Haushalten (2007) lässt das erahnen, wie niedrig der Bedarf an neuen Wohnungseinheiten über die nächsten Jahre sein wird - wiewohl die Bevölkerung um knapp ein Prozent jährlich wächst, die Zahl der Personen pro Haushalt noch etwas abnehmen könnte und sicher auch die eine oder andere Bretterbude verrotten wird.
[Überschlagsrechung: 130,4 Mio. vorhandene Wohneinheiten minus 19,1 Mio. Leerstände = 111,3 bewohnte Wohneinheiten. 116 Mio. Haushalte gibt es. Selbst wenn jeder Haushalt ein Eigenheim wollte (bzw. sich leisten könnte), wären dafür nur 5 Mio Wohneinheiten nötig (Doppelbesitzer mal außer Acht gelassen). Dann würden die Leerstände von jetzt 19,1 auf 14,1 Mio. sinken. Es bleibt also bei Überkapazitäten, die auf den Preis drücken - und damit weitere Zwangsversteigerungen auslösen - A.L.]
Dabei leben 82,4 Prozent der Haushalte, die über ein überdurchschnittliches Familieneinkommen verfügen, in den eigenen vier Wänden. (Die Quote lässt sich beim aktuellen Hauspreis-Niveau - immer noch ca. 30 bis 40 % über dem langjährigen Mittel - , sinkenden Realeinkommen sowie der hohen und wachsenden AL-Rate mMn kaum steigern. Die Zeltstädte zeigen, dass die Quote eher sinkt - A.L.) Da sollte man meinen, dass die allermeisten derjenigen, die es wollen und es sich leisten können, ausreichend mit Wohneigentum versorgt sind. Da sie sich übernommen haben, mit fallenden Hauspreisen konfrontiert sind oder ihre Stellen einbüßen, geraten jedoch auch die vermeintlich erstklassigen Hypothekenschuldner zunehmend in Zahlungsschwierigkeiten.
...
Sogar die unterdurchschnittlich Verdienenden leben meist im trauten Eigenheim (51 Prozent). Und laut Fed waren Ende 2008 ganze 57 Prozent des gesamten Wohnungsvermögens der Verbraucher beliehen - wobei die Hauspreise seither im freien Fall geblieben sind (= anhaltender "Margin-Druck" - A.L.).
Insofern kann es nicht wundern, wenn inzwischen gut neun Prozent aller US-Hypotheken im Verzug sind und die Zwangsverwertungen unaufhörlich zunehmen. Auch wenn Häuser nicht mehr maßlos überbewertet sind und die Fed die Hypothekenzinsen mit aller Macht drückt (klappt leider nicht recht - A.L.), dürften die US-Verbraucher da noch eine gute Weile unter fallenden Nettovermögen leiden. Während das für eine weiter zunehmende Sparquote spricht, deuten die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten auf immer noch empfindliche Beschäftigungsverluste hin. (Dass die Erstanträge seit 14 Wochen über 600.000 liegen -ist ein Langzeit-Negativ-Rekord. Damit dürfte 10 % AL-Rate innerhalb der nächsten drei Monate erreicht werden - A.L.) Von ersten Stabilisierungstendenzen bis zu einer durchgreifenden Erholung der US-Wirtschaft dürfte es noch ein langer Weg sein.
Aus der FTD vom 29.05.2009
die "Das Kapital" in # 43780 anspricht, werden in # 43781 auf den Punkt gebracht:
"The absolute dollar value of inventories has fallen, but sales have decreased as much or more, which means that inventories are still too high for the current level of sales. Until this correction is complete, freight will be tough for motor carriers."
In Bubblevision wird der rapide Lagerabbau damit begründet, dass die Nachfrage der Konsumenten plötzlich wieder stark gestiegen sei. Spin: "Die Leute haben die Lager leergekauft, nun muss die US-Industrie reichlich produzieren, um die entleerten Lager angesichts dieser überraschenden Massennachfrage wieder aufzufüllen."
Tatsache: US-Firmen reduzieren die Lagerhaltung, um in der Rezession Kosten zu senken. Mit vollen Lagern, die sich (zu) langsam abbauen, wird unnötig knappes Kapital gebunden. Trotz der Reduzierungen der Lagerbestände sind die Kapazitäten immer noch zu hoch, da der Lagerumschlag (Umsatz, Nachfrage) noch stärker eingebrochen ist, als es den bisherigen Reduzierungen entspricht.
Ich frag mich: Wenn Bubblevision solche grob verlogenen Darstellungen "nötig hat" - wie schlimm muss es dann um USA wirklich bestellt sein? "Wagt" USA es nicht, die Wahrheit auf den Tisch zu legen? (weil das Land der weltgrößte Schuldner ist und Kapitalströme aus dem Ausland dringend benötigt?) Hier zu Lande wird der Einbruch um 58 % im Maschinenbau (gestern) nicht beschönigt. O.k., wir sind eine Exportnation, aber wenn unsere Exporte derart stark einbrechen, muss auch auf der Abnehmerseite was faul sein. Die Weltwirtschaft ist ja insgesamt ein Nullsummenspiel. Wenn Exportnationen darben, kann es einer Importnation wie USA nicht gleichzeitig so blendend gehen, das Konsumentenmassen die Lager leerkaufen. Zumal nicht, wenn die AL-Rate auf den zweistelligen Bereich zusteuert, die Reallöhne sinken und die Zwangsversteigerungen überborden.
Die Diskussionen um Deflation und Hyperinflation, um einen V oder Lförmigen Verlauf der Wirtschaftsentwicklung mit allen Folgen für den Aktienmarkt, die Anleihen- und Rohstoffmärkte, lassen sich nur schwer führen.
Jeder kennt die wenn, dann Folgerungen, welche in der Theorie stimmen.
Wir befinden uns jedoch in einem großen Experiment. Ein Experiment, welches das Ziel hat eine Wiederholung der großen Depression zu verhindern.
Die Notenbanken nutzen hierzu das Mittel der Liquiditätsflutung der Märkte durch alle -auch noch so unkonventionellen- Maßnahmen.
Liquidität bringt keine Inflation so lange die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sinkt. Gerade sind aber die Spekulanten dabei die Umlaufgeschwindigkeit wieder zu erhöhen. Die Risikoaversion schwindet. Aber statt Realwirtschaftlich zu investieren werden lediglich neue Schwachstellen gesucht um einige Assetklassen zu inflationieren (hier scheint Öl zur beliebtesten Spielwiese geworden zu sein).
Gleichzeitig versuchen die Regierungen eine Marktbereinigung mittels Unternehmensstützungen zu verhindern. Dieser Marktinterventionismus erhöht die Verschuldung und führt zur Entwertung bestehender gesunder Kapazitäten.
Alles in Allem ein großes Experiment mit ungewissem Ausgang. Wir können nur versuchen anhand der zur Verfügung stehenden Faktoren die Lage immer wieder aktuell zu analysieren. In diesem Zusammenhang fühle ich mich mit meiner recht konservativen Austellung (Ackerland) wohl.
Sorge bereitet mir die flexibilität der Regierungen in der Auslage der Gesetze wenn es opportun erscheint. So auch bei der Vorbereitung der GM Insolvenz.
Ich wünsche euch einen erfolgreichen und sonnigen Tag.
Permanent
Sie dienen höchstwahrscheinlich dazu, um "Wohlwollen" bei den anstehenden Staatsanleihen-Auktionen über zwei Billionen Dollar zu erzeugen. Die Lügen dürften daher weitergehen, bis USA die Monster-Beträge eingesackt hat. Anschließend wird mit dieser "Beute" ein neues "Wirtschaftswunder auf Pump" (Blase 3.0) fabriziert - wie üblich ohne organisches Wachstum.
Die Strategie ist ähnlich wie bei den Kapitalerhöhungen der US-Banken. Erst kommt ein fragwürdiger (und auf Wunsch der Banken abgeschwächter "Stress-Test", der "alles klar" signalisiert). Dann kommt GS und stuft den gesamten US-Bankensektor hoch. Am selben Tag meldet ADP einen "überraschenden" Anstieg bei den US-Beschäftigten, der einen massiven Short-Squeeze auslöst (den "interessierte Kräfte" mit Program-Trading via Futures noch befeuern). All diese führte dazu, dass sich die Kurse vieler US-Banken seit dem März-Tief verdreifachten. Zwei Tage später zeigen die Beschäftigtenzahlen des BLS, dass der Job-Anstieg nur daher rührte, dass 60.000 Volkszähler für eine Einmalaktion Kurzzeit-Jobs erhalten hatten. Doch da sind die KEs von Bank of America und Co. schon längst im Kasten.
Schon ein starkes Stück, wenn man bedenkt, dass der US-Bankensektor de facto ohne Eigenkapital arbeitet - oder, wie Fannie und Freddie, sogar mit negativem Eigenkapital. Die FMs zeigen, wie es um das US-Bankenwesen wirklich bestellt ist. Wegen der riesigen Summen (5 Billionen an Hypothekenkrediten) lassen sich die FM-Zahlen nicht schönrechnen. Die Chinesen steigen derweil aus den Fannie- und Freddie-Bonds, die sie massenhaft halten, klammheimlich aus...
Bank of America hat gestern übrigens trotz der KEs angekündigt, Hybridkapital (200 Millionen preferred shares) in common shares umwandeln zu wollen. Die Kursverwässerung läuft weiter. Die Zeichner der KE sind die Dummen:
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