USD: US-Treasury-Auktionen im Fokus
von Miriam Kraus
Liebe Leser,
wieder, heißt es, seien Zufriedenheit und Optimismus gestiegen. Ganz konkret: die US-Konsumentenzufriedenheit sei so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr gestiegen. Erdölpreise und Aktienmärkte legten also selbstverständlich weiter zu!
Auf der anderen Seite bauen die US-Amerikaner immer weniger Häuser, steigt die Arbeitslosigkeit immer weiter an, warnen Experten wie Marc Faber weiterhin vor einer kommenden Hyperinflation.
Was man von all dem halten soll?! Tja, weiterhin zwiespältig das Ganze!
Ebenso zwiespältig erscheinen mir die Ergebnisse der gestrigen US-Treasury-Auktion.
Ausland fragt 2-jährige US-Staatsanleihen nach
US-Staatsanleihen mit 2-jähriger Laufzeit, welche gestern versteigert wurden, haben offenbar eine ganze Reihe ausländischer Käufer angezogen.
Rund 54,4% indirect bidders wurden verzeichnet.
Was bedeutet das?
Hier ein Erklärungsversuch:
Die größten Gläubiger der USA sind China und Japan. China verfügt mit wohl fast 2 Billionen US-Dollar über die größten Devisenreserven der Welt. Obwohl die genaue Zusammensetzung dieser Reserven geheim ist, hat China bislang - Schätzungen zufolge - rund 70% dieser Reserven in US-Vermögenswerte investiert.
Daten des US-Finanzministeriums zufolge hält China rund 25% der gesamten in ausländischer Hand befindlichen US-Schulden.
Nun wissen wir mittlerweile alle, dass China um seine US-Assets besorgt, der Stabilität des US-Dollars nicht mehr allzu viel Vertrauen entgegen bringt. Chinesische Offizielle hatten sich in den letzten Monaten immer wieder besorgt gezeigt, dass der USD seinen Status als Welt-Leitwährung nicht halten, die aktuelle US-Politik sogar zu einem Zusammenbruch der Währung und schließlich zu einer weltweiten Inflation führen könne.
So ist es nicht verwunderlich, dass Peking in der jüngsten Vergangenheit deutliche Schritte unternommen hat um die Rolle des Yuan zu unterstützen.
In diesem Szenario könnte man meinen, dass Chinas USD-Asset-Käufe rapide abnehmen sollten. Doch weit gefehlt: Vorsicht ist stattdessen angebracht! Die staatliche Devisenverwaltung versucht aktuell eher die Sorgen des Marktes in Bezug auf den Status der US-Währung herunterzuspielen. Nach Angaben von Regierungsvertretern kauft China auch weiterhin US-Wertpapiere im großen Stil.
Warum hilft China den USA ihr Haushaltsdefizit zu finanzieren?
Was so uneigennützig aussieht, ist es in Wirklichkeit nicht! Denn auch China kann sich einen Crash von USD oder US-Staatsanleihen nicht erlauben. Dafür steckt China offenbar schon viel zu tief drin. Sollten wirklich 70% der chinesischen Devisenreserven in USD-Assets stecken würde ein Crash gerade für China massive Verluste bedeuten. Also scheint Peking im Moment nichts anderes übrig zu bleiben als weiter zu kaufen.
Doch, Halt!
Kommen wir noch einmal auf die gestrige US-Treasury-Auktion zurück. Was da massiv von ausländischen Bietern (also vor allem wohl auch von Seiten Chinas) gekauft wurde sind Staatsanleihen mit 2-jähriger Laufzeit.
Es könnte auch noch eine andere Erklärung für das Vorgehen geben, als ein China, welches hilflos in der USD-Asset-Falle festsitzt:
Vielleicht versuchen die ausländischen Bieter (also alles voran China) nur langsam und ausgeglichen und ohne einen Crash zu provozieren aus der Sache herauszukommen. Vielleicht ist die hohe Nachfrage nach 2-jährigen Anleihen nur ein Zeichen dafür, dass die Ausländer es nur auf eine Verkürzung der Duration abgesehen haben.
Dies ist nur eine Überlegung...aber, wer weiß?!
In diesem Zusammenhang ist es ganz besonders wichtig die heutige Auktion 5-jähriger Anleihen und die morgige Auktion von Anleihen mit einer Laufzeit von 7 Jahren zu beobachten.
Sollten die anstehenden Auktionen auf eine schwächere Nachfrage treffen, dann ist die eben getroffene Überlegung, eine solche wert gewesen. Und der Druck auf die US-Währung dürfte sich weiter verschärfen.
Sollte die Nachfrage nach US-Treasuries mit Laufzeiten von 5 und 7 Jahren aber ähnlich hoch sein wie die nach 2-jährigen Anleihen, dann liegt der Fall klar: China sitzt tatsächlich in der USD-Asset-Falle. Und der Druck auf den USD, wie wir ihn jüngst beobachten durften, könnte zunächst einmal wieder nachlassen.
Somit ist es verständlich, dass EUR/USD vorerst verhalten reagiert und offenbar zunächst die anstehenden Auktionen abwartet. Nach einem Einbruch gestern bis auf 1,3860 konnte sich EUR/USD zunächst wieder in Richtung der 1,4000 erholen, schaffte overnight allerdings keine neuen Highs. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,3941. Technisch gesehen ergibt sich eine Unterstützung bei 1,3864. Ein Bruch des Widerstands bei 1,3992 könnte weiteres Potenzial in Richtung der 1,4169 bereithalten. Bei einer Fortsetzung des Trends sogar bis in Richtung der 1,5163. Erst ein nachhaltiger Bruch der 1,3864 nach unten, könnte einen stärkeren Rückgang in Richtung der 1,3652 möglich machen.
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Quelle: CFX-Broker