Mit Hiobsbotschaften über einen rasanten Gewinnverfall wird die Berichtssaison über das abgelaufene Jahr starten. Weil die weltweite Wirtschaftskrise nahezu alle Branchen in Europa und den USA erfasst, sind die Erträge im freien Fall. Mit dem stärksten Einbruch müssen deutsche Großkonzerne rechnen.
1. ca. 80% aller Derivate sind Kontrakte auf kurzfristige Zinsen, i.d.R. Future und Optionen auf 3m Libor/ON-Fixings Fed-Funds, EONIA, etc.
2. etwas mehr als 10% entfallen auf Aktien(index-)derivate
3. etwas weniger als 10% entfallen auf Kreditderivate
4. etwas mehr als 1% entfallen auf Währungsderivate
5. ca. 0,5% entfallen auf Rohstoffe aller Art
www.bis.org/publ/qtrpdf/r_qt0809b_de.pdf
1,2,4 und 5 sind uinproblematisch, da zum großen Teil standardisierte über Derivate-Börsen gehandelte Kontrakte; jeder weiß, wie die funktionieren.
Problematisch sind vor allem die nicht-standardisierten sog. OTC-Derivate. Gerade im Kreditderivatebereich geht das meißte nur OTC. Auf Roubinis Monitor hat einer seiner economists mal das Netting-Verhältnis auf dem Bierdeckel mit 1:50 ausgerechnet. Also nur ein fünfzigstel das Gesamtvolumen ist Netto-Exposure, der Rest kürzt sich mehr oder weniger raus.
Das Problem bei den OTC-Derivaten ist nun, daß jeder Kontrakt ein bißchen anders aussieht. Das sind Kontrakte mit z.T. mehreren 100 Seiten langen Vertragstexten, die irgend ein Typ aus irgendeiner Rechtsabteilung mal konstruiert hat; danach haben alle anderen da mehr oder weniger abgeschrieben, ein bißchen was abgeändert, ein bißchen was hinzugefügt, war eh egal, kommt eh nie zur Geltung. Jetzt sitzen also alle auf diesen Verträgen und müssen sie lesen (dauert Tage, wenn nicht sogar Wochen) und stellen fest, daß Netting doch nicht so einfach ist. Das war auch der Grund, wieso man Bear-Stearns gerettet hat und Lehman nicht (Bear war eine der Haupt-Netting-Stellen im CDS-Bereich).

