Die "Goldenen Jahre" seit 1982 basieren jedoch auf terrassierten Leitzinssenkungen bis fast gegen Null. Diese führten u.a. zur dot.com Blase, zur Real Estate Blase und insbesondere zur aktuellen "Consumer Bubble", die im ETF XLY zum Ausdruck kommt ."Das ist m. E. zutreffend, gilt aber mMn nicht für die Dot.com-Blase.
Richtig ist, dass die US-Leitzinsen seit 1980 (im langfristigen Durchschnitt betrachtet) kontinuierlich gesunken sind und dass dies - gewollt - mit der Bildung von Assetblasen einherging.
Die Dot.com/Tech-Blase der späten 1990er basierte jedoch auf der bislang letzten Phase von organischem Wachstum in USA (Computer/Internet-Boom), während dies für die Folgenblasen ab 2003 (Housing-, Rohstoff-, Aktienblase) und deren Echoblasen ab 2009 nicht mehr gilt.
Die realen (inflationsbereinigten) Leitzinsen spiegeln die Entwicklung seit 2003 wider. Sie sind in etwa so groß wie das reale Wirtschaftswachstum. (Aktuell sind die Realzinsen negativ, und das US-Wirtschaftswachstum ist - verschuldungsbereinigt - ebenfalls negativ).
Ende der 1970er Jahre bis Anfang der 1980er galoppierte in USA die Inflation (bis knapp 20 %). Diese Zeit markiert auch das letzte Langzeit-Hoch beim Gold, in das Anleger damals aus (teils berechtigter) Geldentwertungsangst flohen.
Die zur Inflationsbekämpfung durchgedrückte Hochzinspolitik (starke Leitzinserhöhungen) von Paul Volcker, dem damaligen Fed-Chef, brachte die Inflation jedoch unter Kontrolle. In den Folgejahren sanken die nominalen Leitzinsen stark. Wie ist um die realen Leitzinsen stand (und steht), ist strittig, da die Inflation und das BIP-Wachstum in USA seit 1980 immer hedonistischer berechnet wurden.
Ende der 1980er Jahre lagen die nominalen US-Leitzinsen bei ca. 5 bis 6 Prozent. Anfang der 1990er folgte eine Periode "übertrieben" tiefer Zinsen (wie heute). Grund: In der Savings&Loans Krise Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre...
en.wikipedia.org/wiki/Savings_and_loan_crisis
...waren Hunderte kleiner und mittlerer Banken pleite gegangen. Anfang der 1990er traf es auch größere Banken wie die "Bank of New England". Auch damals erfolgte die Bankenrettung durch Senkung der Leitzinsen unter den Wert, der beim damalige Wirtschaftswachstum angezeigt gewesen wäre. So gab es um 1994 herum nur noch ca. 3 % Zinsen auf CDs/Festgeld (statt vorher 6 %). Diese auch damals negativen Realzinsen dienten - wie heute - zur Rettung der Banken, die sich auf diese Weise über die Zinskurve sanieren konnten (kurzfristig billig refinanzieren, langfristig hohe Zinsen - z. B. durch Kauf 10-jähriger US-Staatsanleihen - einstreichen).
Ab Mitte der 1990er Jahre bis 2000 zogen mit dem organischen Wirtschaftswachstum durch den Computer/Tech/Internet-Boom auch die Zinsen wieder deutlich an. Die US-Leitzinsen lagen um 2000 bei 6 %, und Greenspan hatte sie sogar noch weiter bis 6,5 % erhöht (EUR/USD sank damals bis 0,83), um die erneut aufkommende Inflation zu bekämpfen, die damals (anders als heute) noch auf organischem Wachstum beruhte. In der Boom-Periode bis 2000, die mit Tiefpreisen beim Öl (um 10 Dollar) einherging, konnte Clinton sogar das US-Defizit deutlich abbauen. Am Peak der Kurve in # 770 um 1999/2000 erwirtschafte Washington sogar Überschüsse im Federal Budget.
Greenspan hatte die Bremsen aber - wie immer - zu spät und nicht nachhaltig genug angezogen, so dass dem Boom der späten 1990er ab 2001 eine schwere Bust-Phase folgte, in der auch die hochgezockten US-Börsenkurse steil fielen (Nasdaq um -80 %). In dem Kontext hatte Greenspan (um 2001) erstmals von Deflationstendenzen in der US-Wirtschaft gesprochen. Auch damals grassierte bereits latente Angst vor "japanischen Verhältnissen".
Die US-Wirtschaft und die Börsen gingen 2002 deutlich in die Knie. Erst jetzt begann Greenspan offen mit der bis heute praktizierten Inflationierungs-Politik: Er senkte die US-Leitzinsen bis auf 1 % (Anlass waren auch die 2001-Terrorattacken), wo sie von 2002 bis 2004 verharrten. Diese Tiefzinsen förderten die US-Hausblase inkl. massiven Beleihungen, die Greenspan sogar aktiv förderte. Die ausufernde Verschuldung durch Hausbeleihungen ("Haus als Geldautomat") sorgte dafür, dass der US-Konsum trotz struktureller Probleme infolge der zunehmenden Globalisierung über die Runden gerettet werden konnte. Diese Blase hatte Greenspan vorsätzlich "angezettelt" (was er bis heute leugnet).
Das Problem war, dass der Tech-Boom der späten 1990er eine extreme Börsen-Euphorie auslöste, mit der die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung nicht Schritt hielt. Um die Folgen nach Platzen der Dot.com-Blase (die noch "organische" Ursprünge hatte) zu verstecken, bediente sich Greenspan nun immer frecher des Konzepts der Inflationierung, das sein Nachfolge Bernanke ab 2009 dreist mit QE auf die Spitze getrieben hat.
Die Börsenkurse gingen 2002 zwar stark zurück, doch die Wirtschaftsfolgen der Tech-Phase blieben: Die Industrie konnte in vielen Bereichen durch Computereinführung und Internet erfolgreich rationalisieren, die Arbeitsproduktivität stieg rapide. Folglich wurden für die Güter- und Dienstleistungproduktion immer weniger Menschen benötigt. Die Verlagerung der US-Arbeitsplätze in Niedriglohnländer wie Mexiko und China leisteten ein Übriges. Der US-Arbeitsmarkt wäre bereits damals deutlich eingebrochen, wenn Greenspan nicht die Pumpe angesetzt hätte. Dadurch stieg die US-AL-Quote nicht weiter, sie hielt sich bei 5 %. Dennoch machten ab 2003 erstmals Sprüche von einer "jobless recovery" die Runde. Denn man merkte bereits 2003, dass die "Qualität" der Wirtschaftserholung schlechter war als in früheren Erholungsphasen seit dem 2. Weltkrieg.
Das Pseudowachstum auf Pump - ab 2003 durch ausufernde private Verschuldung - konnte das organische Wachstum der späten 1990er Jahre nicht ersetzen. Das Platzen der Housing- und Hauskredit-Blase in 2007/2008 kam nahezu zwangsläufig, da Überschuldungs-Experimente nie nachhaltig sein können. 2007 wurde dieser Thread eröffnet, der den wachsenden struktuellen Problemen "auf den Zahn" fühlte.
Das Gleiche gilt für die aktuelle, die Echoblasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten speisende ausufernde staatliche Verschuldung, die in Europa bereits zu ersten größeren Staatspleiten geführt hat. Auch USA steht mit einem Bein "im Abgrund". Der Kollaps von Bernankes nunmehr staatlichen Bläh-Experimenten ist daher keine Frage des "Ob", sondern nur des "Wann". Daher hat der USA-Bärenthread mMn immer noch volle Berechtigung, der Pseudo-Hausse seit 2009 (und ketzerischen Worten von Belehrungsspinnern) zum Trotz.
Die aktuelle Phase des laufenden (und vermutlich finalen) Boom-/Bust-Zyklus erfordet massive staatliche Neuverschuldung samt Tiefzinsen, weil diese sonst gar nicht mehr finanzierbar wäre. In dem Kontext wurde auch QE wichtig, weil es die ausufernde US-Staatsverschuldung teils in der Notenbank-Bilanz versteckt und es dem Staat indirekt ermöglicht, sich nahezu kostenlos neu zu verschulden (Fed führt Zinsgewinne aus aufgekauften Anleihen an Geithner ab).
Spätestens seit 2000 kann man daher mit Fug und Recht behaupten, dass die US-Politik ständig sinkender Leitzinsen (mit einem Rückabwicklungsversuch von 2005 bis 2007, der das Zinsniveau noch einmal von 1 % auf 5,25 % hob) das Grundkonzept dafür bildete, die Folgen der forcierten Rückabwicklungen vorheriger Boom-Zyklen abzumildern. Das Pumpwachstum - von 2003 bis 2007 "privat", seit 2009 "staatlich" - blieb jedoch qualitativ hinter echtem Wachstum zurück. Man sah es ab 2003 und sieht es seit 2009 an der jeweiligen "jobless recovery" (Erholung ohne neue Arbeitsplätze).
Dabei profitierten die US-Firmen von den jeweils in den Rezessionsphasen vorgenommenen Massenentlassungen (das US-Arbeitsrecht lässt das zu), die zu Kostensenkungen führten und Strukturen verschlankten, sowie von den kontinulierlich weiter laufenden Erhöhungen der Arbeitsproduktivität. Deren Positivfolgen wurden freilich vorwiegend "privat" vereinnahmt, während die Reallöhne sanken. Auch dies ist - wie die Banken-Bailouts - eine Form des Bailouts auf Kosten der Gesamtgesellschaft, die mit Massenarbeitslosigkeit den Preis dafür bezahlt.
In den Erholungsphasen stellten die US-Firmen jeweils nur wenig Leute neu ein (seit 2009 sogar extrem wenig), weil durch die deutliche Steigerung der Arbeitsproduktivität infolge des Computer/Internet-Schubs (der technologisch bzw. arbeitsökonomisch auch nach dem Platzen der Dot.com-Börenblase weiter wirkte) die vorhandenen Mitarbeiter viel effektiver eingesetzt werden konnten. In der Folge stiegen die Firmengewinne teils deutlich, während die Reallöhne stagnierten bis fielen.
QE brachte seit 2009 einen doppelten Pseudo-Schub:
- Zum einen behielt das Heer der Massenarbeitslosen - je nach Schätzung 8,5 bis 11 Mio. Amis verloren in der Weltfinanzkrise ihren Job, seitdem wurden nur 2 Mio. neu eingestellt - infolge der staatlichen Transferzahlungen (die durch QE quer-finanziert wurden) ihre Kaufkraft, so dass trotz Massen-AL die Einzelhandelsumsätze in USA hoch gehalten werden konnten (Chart in # 774). Die Kehrseite der Medaille ist jedoch die daraus resultierende massive Zunahme der Staatsverschuldung inkl. Schattenverschuldung der Fed, die für die aktuelle Staatsschuldenkrise in USA (Endlosdiskussion um Erhöhung der Schuldenobergrenze) mit verantwortlich ist.
- Zum anderen hielt QE trotz Rekordverschuldung das US-Zinsniveau niedrig, was die Neuverschuldung überhaupt erst finanzierbar macht. Hinzu kommt die mit QE einhergehende (teils faktische, größtenteils psychologische) Dollar-Entwertung. Sie bringt den US-Exportfirmen nominale Pseudogewinne (real fast Null), die die US-Börsenkurse künstlich aufblasen - was abermals "Erholung" suggerieren soll. Außerdem schiebt QE den Dollar-Carrytrade bzw. "Risk Trades" an und hält das Momentum beim Aufblasen aller Assetklassen (inkl. Rohstoff-Echoblase) "am Laufen". Zockerbanken verdienen daran auf vielen Ebenen - u. a. durch Absicherungsgeschäfte und im Eigenhandel.
Das Ganze wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in einem Riesenknall enden.