Mir ist klar, dass ich wieder mal gegen die im Thread inzwischen etablierte Konsensmeinung anschreibe, dass "der Dollar wertlos wird".
Dennoch möchte ich Deine Sätze...
"DollarIndex long? Woher? Der Dollarindex fällt. Es ist nicht der Carry-Trade. Es ist das ständig wachsende Volumen in Dollar."...kurz wie folgt kommentieren: 2007 war das Soma-Account der Fed um ca. 850 Mrd. Dollar überzogen. Inzwischen liegt die Überziehung wegen QE und QE2 bei 2.600 Mrd. (2,6 Bio.). D.h. die Amis haben in den letzten vier Jahren die Differenz, also 1,75 Bio. (= 2,6 - 0,85 Bio.), hinzugedruckt.
Vergleiche das mal mit der Marktkapitalisierung des US-Bond-Marktes (schätzungsweise weit über 30 Bio. inkl. Unternehmensanleihen) und des US-Aktienmarktes (schätzungsweise weit über 10 Bio.).
Zusammen macht das eine MK von über 40 Bio. Hinzu kommen noch die um ein Vielfaches höheren Werte der US-Infrastruktur samt Produktionsanlagen usw. Selbst wenn man nur die Geld-Assets nimmt (Aktien und Bonds), stehen 40 Bio. an Substanz ein neu gedrucktes Volumen von 1,75 Bio. gegenüber.
Vernachlässigen wir die anderen Assets der Infrastruktur und gehen wir davon aus, dass der Dollar (entsprechend der Kaufkraftparität) bei etwa 1,25 fair bewertet wäre.
Wie hoch ist dann der Dollar-Verwässerungseffekt der zusätzlich gedruckten 1,75 Bio.?
Um dies zu berechnen, reicht ein einfacher Dreisatz:
Der Abwertungseffekt liegt bei 41,75 Bio / 40 Bio = 4,4 %.
Rechnen wir diese 4,4 % Abwertung auf den vorherigen fairen Wert von 1,25 rauf, so kämen wir auf 1,3050.
Mit anderen Worten: Das gesamte Fed-Geldgedrucke seit 2007 schlägt real mit nur 5,5 Cents Abwertungsaufschlag in EUR/USD zu Buche. Man kann daher davon ausgehen, dass EUR/USD zurzeit mit 1,4650 die Abwertung überproportional eingepreist hat, das Paar ist rund 16 Cents zu teuer.
Gegenüber anderen Währungen wie Franken und Yen, die nicht durch die Eurokrise geschwächt sind, ist die Übertreibung noch stärker. Hier wird im Dollar-Carrytrade, dem "Abwertungs-Pokerbluff" der Fed folgend, weit über Gebühr Panik inszeniert. Die Lage ist ähnlich wie 2008, als Yen-Carrytrader EUR/JPY auf idiotische 170 hochgetrieben hatten. Heute steht EUR/JYP bei 120. Der damalige Höchstkurs von 170 hatte mit Fundamentals ("Yen wird wertlos") nichts zu tun, es war reines Momentum-Gezocke. Ähnlich wie jetzt im Dollar.
Man könnte gegen meine Argumentation einwenden, dass der Markt bereits künftige QE-Maßnahmen der Fed im Vorfeld einpreist hat (so wie der Bondmarkt bereits jetzt den Schuldenschnitt der Griechen vorweggenommen hat). Der jetzige Kurs von 1,4650 in EUR/USD wäre - bezüglich des Verwässerungseffektes - dann angemessen, wenn die Fed noch rund drei Mal mehr druckt als seit 2007, ihr Soma-Account also bis rund 8 Bio. überzieht.
Dass die Fed das durchziehen kann (und will), bleibt pure und mMn unrealistische Spekulation. Schon jetzt fliegen Bernanke die explodierenden Rohstoff- und Lebensmittelpreise samt Rückwirkungen auf den US-Konsum um die Ohren. Die (Rohstoff-)Inflation beginnt bereits zu "galoppieren". Die US-BIP-Prognose wurde von 3,5 % Anfang des Jahres auf nur noch 1,5 % gesenkt - nicht zuletzt infolge von Sekundäreffekten der Rohstoff-Teuerung, die den Konsum und die Margen drückt.
Das Drucken von weiteren 5,4 Bio. würde zudem, wenn die Druckerpresse nicht in den Turbo-Modus versetzt würde (was Ausländer verprellte und wozu wegen nominalen BIP-Wachstums in USA noch kein Anlass besteht), sehr lange Zeit beanspruchen, nämlich bei bruchlos fortgesetzten QE-Maßnahmen weitere 6 Jahre (die zusätzlichen 1,75 Bio. benötigten 2 Jahre).
Der Zinsmarkt rechnet hingegen bereits ab 2012 mit Leitzinserhöhungen der Fed. Es ist kaum denkbar, dass die Fed die Leitzinsen erhöht (= falkisch) und trotzdem noch in vollem Umfang QE am langen Ende (= dovish) betreibt. Dazu bedürfte es argumentativer Verrenkungen, die selbst einem Greenspeak-ertüchtigten Bernanke nicht über die gespaltene Zunge gehen. Hinzu kommt, dass USA die Inflations-dämmenden Maßnahmen in der Eurozone und in China nicht endlos ignorieren kann. Amerika ist nicht mehr die Supermacht, die ein Anziehen der Zinszügel weltweit einfach übergehen kann, ohne komplett ihren Kredit zu verspielen.