Gemessen an der Gesamtverschuldung der USA sind die 600 Mrd. Dollar, für die die Fed bis Sommer 2011 US-Staatsanleihen aufkaufen will, fast vernachlässigbar. Inklusive Pensionsansprüche usw. liegt die Schulden/BIP-Quote der Amis bei 365 %. Das BIP liegt bei ca. 14,5 Bio. - so dass die Gesamtschulden 14,5 x 2,65 = 38,42 Bio. oder 38.420 Mrd. Dollar betragen. Die 600 Mrd. aus QE2 sind lediglich 1,5 % der Gesamtschulden. Der Dollar sollte, falls die Käufe der Fed NICHT rückabgewickelt werden sollten (theoretisch ist irgendwann ein Exit geplant), infolge von QE2 um lediglich 1,5 % geschwächt bzw. verwässert werden.
Dennoch sehen wir "Wirkungen", die um ein Vielfaches stärker ausfallen. Der Dollar macht Sprünge um bis über 20 %, Rohstoffe wie Kupfer haben seit dem Sommer um über 50 % zugelegt, andere haben sich sogar mehr als verdoppelt. Dies ist völlig "unproportional" - gemessen am realen Verwässerungseffekt durch QE2.
Hinter diesen starken, "unproportionalen" Anstiegen stecken Zockerbanken wie GS, JPM und MS, die ohnehin im Rohstoffmarkt stark aktiv sind (GS und JPM haben zahlreichen Metall-Lagerhäuser in England aufgekauft). Je höher die Ausschläge, desto mehr verdienen die Zockerbanken, weil sie dann immer mehr Firmen Absicherungsgeschäfte "aufnötigen" können. Die QE2-Spielchen Bernankes nutzen sie lediglich als Vorwand dafür.
Die inflationäre Wirkung ist daher nur teilweise eine Folge der Leitwährungs-Eigenschaft des US-Dollars. Wesentlich stärker scheint mir der Einfluss, den die Zockerbanken auf die Märkte ausüben.
Wer behauptet, die Fed mache die aktuelle Politik und QE2 sei die "Ursache" für die Aktien- und Währungsanstiege, macht sich die Sache mMn etwas einfach. Die Fed liefert nur die "mentale Vorlage", aus der GS und Co. das Totschlagargument "Der Dollar wird wertlos" stricken. Gleichzeitig kaufen sie Rohstoffe hoch. Die hochgepushten Charts sind dann die normative Kraft des Faktischen, die aller Welt die "Richtigkeit" von Goldmans Entwertungsthesen bestätigen. Tausende von Börsenbriefschreibern veröffentlichen die Charts mit "Seht her"-Getrommel und behaupten, man sehe doch, "dass starke Inflation aus der Fed-Politik resultiert".
Angeblich "will der Markt" die Anstiege. GS sei nur ein kleiner Schutzengel-Dienstleister, der die Firmen vor den Abgründen des Marktes schützt. GS nimmt dazu die Industriefirmen fürsorglich an die Hand nimmt und "hilft" ihnen, sich gegen all diese starken Ausschläge -. nach oben wie nach unten - abzusichern. Das Kranke daran ist, dass es ohne GS Ausschläge in solcher Stärke überhaupt nicht gäbe - und mithin auch keine Notwendigkeit der Absicherung. GS "versichert" die Firmen im Grunde dagegen, dass es GS gibt.
Die Zockerbanken ähneln Parasiten, die Wegelagergebühr verlangen. Sie sind nicht besser als ein Haufen Rüuber, die mitten im Dschungel einen Weg versperren und jedem, der keine Schutzgebühr an sie bezahlen will, mit der Dollar-Keule eins über die Rübe ziehen. In der Summe ist ihre Marktmacht sehr stark. Sie potenzieren damit die per se wirkungslosen Spielchen der Fed. Dabei verstehen sie es sehr geschickt, Bernankes "hohle Sprüche" in marktwirksame Bewegungen und damit in eigene Profite umzumünzen.
Hätte Japan ähnlich einflussreiche Zockerbanken gehabt, wäre womöglich etwas anderes herausgekommen als Deflation. Aber Japan hat bis heute keine auch nur ansatzweise mit USA vergleichbare "Finanzindustrie".