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Der USA Bären-Thread


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Anti Lemming:

Malko - Geld kann auch "versanden"

5
08.04.10 11:16
Wo ist denn das Geld hingegangen, das 2002 aus argentinischen Staatsanleihen flüchtete? Wer rechtzeitig - d.h. vor der Staatspleite in 2002 - reagierte (wie Wawidu übrigens), kam heil raus und konnte sich sogar über die seinerzeit ansehnlichen Zinsen (13 % auf DM-Bonds) freuen.

Wer im Gottvertrauen (Diego Maradona, unten) drin blieb, wurde quasi enteignet. Da floss überhaupt kein Geld. Es ist einfach nur "weg". Bereits im Vorfeld wurde es von den Argentiniern verprasst. Das ist ja Sinn und Zweck der Schuldenaufnahme, auch bei den Amis. Madoff hat die 50 Mrd. auch verhurt.

Vor einer Woche bot Argentinien einen faulen Kompromiss. Alt-Anleihehalter sollen nun 35 % erhalten - und dies nach 8 Jahren zinsfreier Wartezeit.

http://www.ariva.de/...A_Baeren_Thread_t283343?page=2390#jumppos59751

Hintergrund scheint zu sein, dass die Gauchos nun erneut vom grassierenden (Junk-)Bondwahn profitieren wollen. Hyperliquidität schafft "Bedürftigkeit". Am Ende gibt's für die Gläubiger dann den nächsten Staatsbankrott.

Dass so etwas in USA passieren kann, ist für "gesittete Anleger" wie Dich, lieber Malko, natürlich "unvorstellbar". Man sollte sich allerdings vor allzu viel Amerika-Gläubigkeit hüten. Die Subprime-Krise und das damalige Gottvertrauen in USA hat die deutschen Banken bislang rund ein Billion Euro Verluste gekostet. Auch Madoff ist kein Einzelfall.

Und was ist denn aus den zig Millionen geworden, die die Deutschen im Ersten Weltkrieg in "Kriegsanleihen" gesteckt hatten? Als klar war, dass der deutsche Staat diese wegen des verlorenen Krieges und der hohen Reparationszahlungen nicht  zurückzahlen konnte, wurde Geld gedruckt ohne Ende, bis 1923 kostete ein Brot 20 Billionen Mark kostete. Dabei gab es von 1914 - 1918 noch etliche junge Männer, die sich aus Scham umbrachten, wenn sie bei ihrer freiwilligen Meldung zum Wehrdienst als untauglich abgelehnt wurden. Der Staat hingegen kannte gegenüber den Anleihekäufern KEINERLEI Scham. Das ist die Crux bürgerlicher Illusionen.

FAZIT: Wohin das Geld denn "wandern" soll, ist eine müßige Frage. Vielleicht können sich die Chinesen 2030 von ihren gesammelten US-Staatsanleihen zwei Brötchen bei McDonalds kaufen...



Der einstige Fußball-Gott Diego Maradona - vollgefressen auf Kosten deutscher Staatsanleihenkäufer, die nun auf Hartz IV sind...
Der USA Bären-Thread 311937
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Anti Lemming:

Und die Griechen

 
08.04.10 11:27
sind die europäischen "Argentinier"
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Kicky:

Griechische Anleihen fallen den 7.Tag

7
08.04.10 12:20
April 8 (Bloomberg) -- Greek two-year notes slid for a seventh day and the 10-year yield premium to German bunds jumped to the most since the euro’s debut after Finance Minister George Papaconstantinou said there will be no need for additional measures to shore up the nation’s finances.

The decline drove the yield on the two-year note up 83 basis points, bringing the increase since the streak began to 332 basis points. The 10-year yield climbed 32 basis points, or 440 basis points more than bunds, the benchmark for borrowing in Europe, based on Bloomberg generic prices. Credit-default swaps on Greek debt rose to a record and stocks tumbled.

Investors are dumping the country’s securities as concern mounts that a European Union and International Monetary Fund rescue plan put together last month for Greece, the region’s most indebted nation, may unravel. It will take some time for spreads to narrow and there will be no need for extra measures as long as the EU’s stability pact is implemented “correctly,” Papaconstantinou told Greece’s ANT1 television, according to an e-mailed transcript of his comments.

“Greece continues to look like a slow-motion train crash,”....
The extra yield, or spread, between Greek 10-year securities and bunds widened to 440 basis points as of 10:12 a.m. in London, the third day it has reached the most since the euro’s 1999 introduction,...The yield on the 10-year Greek bond rose 30 basis points to 7.54 percent. The 6.25 percent security due June 2020 fell 1.98, or 19.8 euros per 1,000-euro ($1,330) face amount to 90.98. The two-year note yield climbed 70 basis points to 7.66 percent, extending a three-day advance to 238 basis points.

Papaconstantinou said yesterday the nation’s 2009 deficit will be at least 12.9 percent of gross domestic product, up from the previous estimate of 12.7 percent, fueling concern the nation may default on its debt. The EU’s limit is 3 percent....
Credit-default swaps on Greek sovereign debt rose 32 basis points to record 445.5, according to CMA DataVision prices. www.bloomberg.com/apps/news?sid=aL3SiaURK8dQ&pid=20601087
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Kicky:

Japanese Bonds Advance as Stocks Slide

5
08.04.10 12:24
April 8 (Bloomberg) -- Japanese bonds rose, pushing benchmark yields down from a five-month high, as stock losses and an unexpected decline in machine orders boosted demand for the relative safety of government debt.

Twenty- and 30-year bonds led gains after Treasuries advanced yesterday when Federal Reserve Chairman Ben S. Bernanke said the U.S. economic rebound has yet to produce a significant recovery in jobs. Machine orders, an indicator of business investment in three to six months, dropped for a second month in a sign rising overseas demand is failing to encourage Japanese companies to increase spending.

“Bonds are advancing following a big move in Treasuries and losses in Japan’s stocks,”....

Longer-maturity bonds rallied as the Nikkei 225 Stock Average lost 1.1 percent, its biggest decline in six weeks, and the MSCI Asia Pacific Index slid 0.7 percent.

Twenty-year yields fell 3.5 basis points to 2.095 percent and 30-year yields dropped four basis points to 2.21 percent.

Ten-year Treasury yields dropped 10 basis points yesterday as Bernanke said in the U.S. labor market contains “some of the toughest problems” for the economy. New York Fed President William Dudley said in a separate speech that “we are not getting the job gains we would like.”

“Bonds are being bought back following positive factors in the U.S. market,” said Akio Kato, team leader of Japanese bonds in Tokyo .....
www.bloomberg.com/apps/news?sid=aLY5y2UNe31Y&pid=20601087
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Anti Lemming:

Erst deflationärer Kollaps, dann Hyperinflation

15
08.04.10 12:29
Diese zugegeben extreme Sicht der Dinge, die auch der sonst recht konservative Vermögensverwalter Weise (von Mack & Weise) im WiWo-Interview vertritt...

http://www.ariva.de/...A_Baeren_Thread_t283343?page=2404#jumppos60124

... scheint mir ziemlich plausibel.

Es ist natürlich müßig, sich über die Entwicklungen der nächsten 10 bis 20 Jahre Gedanken zu machen. Meistens kommt es eh anders, als alle dachten. Ich glaube allerdings, dass zurzeit viele Leute zu optimistisch sind.

Hier im Thread herrscht ja zumindest eine Art Bären-Konsens, dass bis auf weiteres eher deflationäre Tendenzen vorherrschen. Die Gründe (Nachfragekollaps, Überkapazitäten usw.) haben wir ja lang und breit genannt.

Es gibt allerdings auch eine Minderheit (Hauptvertreter: Wawidu), die bereits jetzt den hyperinflationären Kollaps erwarten und dementsprechend long in Edelmetallen oder Ackerland (wie Permanent) sind.

Die These von Weise, dass auf eine Periode der Deflation eine Hyperinflation folgen wird, weil sich die Notenbanken aus dem Schlamassel "herauszudrucken" versuchen, vertritt auch unser Busenfreund A. Evan-Pritchard vom Telegraph, der das als erstes für Japan vorhersagt.

In der Tat scheint Japan auf diesem Weg allen anderen Staaten und der Welt ein Stück voraus zu sein. Die Deflation begann dort bereits in den 1990-er Jahren, während sie global erst jetzt wirksam wird. Die resultierende Yen-Stärke - die die Japaner nicht wollten, weil sei den Exporten schadet, aber mittels Interventionen auch nicht verhindern konnten - könnte der aktuellen Dollar-Stärke in USA entsprechen. Die aktuelle Dollar-Stärke behindert Bernankes Reflations-Strategie (die übrigen per se inflationär ist).

Fakt dürfte sein, dass die Dollarstärke in USA - Lippenbekenntnissen einer "Politik des starken Dollars" zum Trotz - dort zu Lande im Grunde niemand will. Es handelt sich, wie beim Yen, um eine Stärke wider Willen.

A. Pritchard-Evans sieht als Auslöser für den hyperinflationären Yen-Kollaps (mit Halbierung des Yen zum Dollar) die maßlose japanische Staatsverschuldung. Die Kollaps soll vom japanischen Bondmarkt ausgehen, auch wegen Kaufkraftermattung der Japan-Rentner. Die horrende Staatsverschuldung von über 200 % des BIP ist nicht mehr haltbar, wenn sich die Zinsen in Japan vom bislang noch deflationären Level um 1 % nach oben entfernen.

Japan ist so gesehen das Menetekel für die Restwelt.

Malkos Frage, wo "das Geld denn hin soll", lässt sich nur in dem Sinne beantworten, als der Kollaps der Bondmärkte sicherlich nicht synchron erfolgen wird. Wenn Japans Bondmarkt crasht, könnten US-Staatsanleihen eine kurzzeitige Blütezeit erleben (ähnlich wie beim Hochschießen der Langläufer im Herbst/Winter 2008). Es dürfte daher zu gigantischen Umschichtungen, Volatilitäten und Verwerfungen kommen, auch zwischen den Ländern.



Die Thesen von Weise und Evans-Pritchard muten extrem an und stehen im Widerspruch zum Goldilocks-Konsens, der im Gottvertrauen darauf hofft, dass sich die Dinge wieder normalisieren und die Weltwirtschaft dann wie gewohnt weiterläuft.

Ich bezweifle indes diese neue Normalität - und das ist auch der Hauptgrund für meinen latenten Zwist mit Malko. Meiner Ansicht nach ist das Rad der Staatsverschuldungen bereits viel zu weit gedreht, als dass eine geordnete Rückkehr zur Normalität erfolgen könnte.

Die kommende Deflationsperiode gibt den Zentralbanken noch eine Art Schonfrist, in der sie - vorerst noch ungestraft - Geld drucken können, um mit Staatsgepäppel die deflationären Löcher zu flicken. Flicken ist die Vorstufe zum F....n.

Wenn den Marktteilnehmern klar wird, dass die Staatsverschuldungen ein verlorenes Schneeball-System sind und die Angst um die Rückzahlung Überhand nimmt, kommt die Ära der Bond-Crashs samt hyperinflationärem Kollaps. Einen kleinen Bond-Crash (Euro-Zinsen bereits bei 7 %) sehen wir bereits in Griechenland. Die anderen PIIGS könnten bald folgen.



Wie positioniert man sich? Das ist zweifellos äußerst schwierig zu beantworten - und schwieriger denn je. Wenn man dem "Zeitplan" von Weise/Evans-Pritchard zustimmt, dass wir zunächst Deflation und später Hyperinflation bekommen, böte sich an:.

Mittelfristig (d.h. für die Ära der Deflation):

Staatsanleihen bester Bonität
Puts/Shorts auf Aktien
long Dollar / short Euro
Finger weg von Rohstoffen

Langfristig (für die Ära der Inflation/Hyperinflation):

long Sachwerte aller Art (Aktien, Rohstoffe, Gold, Immobilien, Ackerland, Bauland)
Finger weg von Shorts/Puts, die dann tödlich sind, weil die Kurse inflationsbedingt explodieren



Im Markt herrscht eine extreme Verwirrung, wo wir zurzeit stehen (Deflation oder Inflation?) und in welcher Reihenfolge diese Entwicklungen zu erwarten sind. Die Preisblasen und die neuerdings in D. wieder stark steigende Nachfrage nach Immobilien deuten darauf hin, dass einige Anleger etwas voreilig auf Inflation setzen. Damit können sie aber auch viele Jahre zu früh dran sein, wie das Beispiel der langatmigen japan. Deflation zeigt. Ich glaube allerdings, dass sich in der Ära der global-synchronen Wirtschaft die Entwicklungen beschleunigen - und der Übergang von der Deflation zur Inflation schneller vonstatten gehen wird als in Japan.

Folglich werden auch ältere Anleger, die vielleicht nur noch 20 Lebensjahre vor sich haben, eine globale Inflation in ihr Anlagekalkül einbeziehen müssen.
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Kicky:

39 Millionen US-Amerikaner erhalten Essensmarken

10
08.04.10 12:30
wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2010/04/...-food-stamps.html
Das US-Landwirtschaftsministeriums (United States Department of Agriculture) meldet für Januar 2010, bereits den fünfzehnten Monat in Folge, einen neuen Rekord bei den Beziehern von Lebensmittelmarken. Unfassbare 39,430724 Millionen US-Bürger bezogen im Januar die moderne Version der Food Stamps, Lebensmittel per Kreditkarte für durchschnittliche 133,25 Dollar pro Person auf Basis des staatlichen Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP).

Im Jahr 2009 waren es durchschnittlich 33,722 Millionen Food Stamps Bezieher und das SNAP-Programm verschlang 53,630 Mrd. Dollar! Im Januar 2010 wurden 39,431 Millionen Food Stamp Bezieher gezählt und mit 5,254 Mrd. Dollar wurde auch ein neuer Monatsrekord bei den Kosten an direkten Hilfen, ohne die Kosten für den Verwaltungsaufwand erreicht!..

...der Zugang zu den SNAP -Hilfen unterliegt strengen Restriktionen. Um in den "Genuss" der Kreditkarten für Lebensmittelausgaben zu kommen, müssen arbeitsfähige Erwachsene zwischen 16 und 60 Jahren den Nachweis erbringen, dass sie Arbeit suchen und bereit sind bestimmte Arbeiten zu akzeptieren, z. B. an Beschäftigungs- und Ausbildungsprogrammen teilnehmen. Die Millionen entmutigten Arbeitnehmer, die aufgegeben haben einen Job zu suchen, fallen wie in der Arbeitslosenstatistik auch bei SNAP durchs Netz. Erwachsene ohne Kinder können generell nur maximal 3 Monate SNAP beziehen. Nahezu 76% der Lebensmittelmarken gehen an Familien mit Kindern, davon 61% an Kinder mit nur einem Elternteil.

Als Voraussetzung für die Bedürftigkeit wird die Armutsgrenze herangezogen. Diese ist bei SNAP für einen 1 Personenhaushalt aktuell mit 903 Dollar (614 Euro) Nettoeinkommen je Monat und für einen 4 Personenhaushalt mit 1838 Dollar Netto definiert!
Ganz im Gegensatz zu den Finanzinstrumenten am Kapitalmarkt, sind die beziehbaren Lebensmittel der Armen stark reglementiert. Bier, Wein, Alkohol, Zigaretten, Tabak, Tiernahrung, Kosmetikprodukte, Medikamente, Vitamine, Restaurants, selbst Fast Food-Lokale sind vom Bezug ausgeschlossen ........
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Der USA Bären-Thread 311962
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Kicky:

Im Kampf gegen die Schuldigen der Finanzkrise

5
08.04.10 12:43
www.ftd.de/politik/international/...-aufarbeiten/50083629.html
wie war das noch was Ackermann gesagt hat in dem Artikel von Kostolanya?
....Gerhard Strate empfängt in seiner Kanzlei am feinen Hamburger Holstenwall. Das Büro nimmt samt Privatbibliothek die gesamte sechste Etage ein, in der Luft hängt Zigarettenrauch, an den Wänden viel Kunst. Hier arbeitet er oft stundenlang an seinen Schriftsätzen, wühlt sich durch Bilanzen und zugespielte E-Mails - auf seinem privaten Feldzug gegen die Schuldigen der Finanzkrise."Wir haben es hier mit Akteuren zu tun, die diese Gesellschaft zugrunde richten", sagt er ganz ruhig. Seine Stimme knarzt vom vielen Tabak. "Das sind Hasardeure der schlimmsten Sorte. Und die sollen davonkommen?" Er zieht an seiner Zigarette. "Das geht nicht."
Strate ist Anwalt, Strafverteidiger, ein Kämpfer ohne Angst vor großen Namen.....

...Zehn Schriftsätze hat er in den vergangenen Monaten verschickt, Strafanzeigen gegen Manager der HSH Nordbank, der Hypo Real Estate (HRE) und der BayernLB, gegen das Führungspersonal von Deutschlands Pleitebanken. Es geht darin um schwere Untreue und Bilanzfälschung. Für Strate geht es aber auch um Schuld und Sühne, sogar um die Demokratie."Das ist eine neue Qualität kriminellen Handelns", sagt er erregt.

Mehr als 17 Monate sind seit dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers vergangen, mehr als 16 seit der dramatischen Rettung der HRE. Mit aberwitzigen Summen hat der deutsche Staat Banken gerettet, auf Jahrzehnte ist er nun gefesselt, zu einem eisernen Sparkurs gezwungen. Moralisch ist seit Langem klar, wo die Schuldigen für dieses Debakel zu suchen sind: In den Vorstandsetagen der Banken. Doch juristisch ist bislang nichts passiert, weder in Deutschland noch sonst wo in der Welt.

"Das ist ein Skandal", wettert Marcus Lutter, der Sprecher des Zentrums für Europäisches Wirtschaftsrecht der Universität Bonn. "Es geht nicht an, die Schuldigen einfach ungeschoren zu lassen." Und Hans-Ulrich Wehler, einer der bedeutendsten Sozial- und Wirtschaftshistoriker des Landes, mahnt: "Bislang ist die öffentliche Debatte merkwürdig taub, fast apathisch. Doch die atemberaubende Raffgier darf nicht folgenlos bleiben." Wenn sich dieses diffuse Gefühl des Zorns auf die da oben bei den Menschen festsetze, dann könne es sogar gefährlich werden, für die Legitimation des politischen Systems, für die Demokratie. Es ist Zeit für eine Abrechnung vor Gericht.
Die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise beginnt gerade erst. Immer mehr Strafanzeigen tröpfeln ein, mehr als hundert Personen sind allein in Deutschland ins Blickfeld der Ermittler und Kläger geraten. In knapp zwei Wochen beginnt in Düsseldorf der erste Prozess der Finanzkrise - gegen den früheren Chef der IKB, mit deren Zusammenbruch das Chaos Deutschland erreichte. Und auch in den anderen Fällen bewegt sich etwas - dank des Engagements einiger Unbestechlicher, die sich nicht von der Wucht der Krise einschüchtern lassen.

Da ist der Anwalt Gerhard Strate, der sich nicht damit abfinden kann, dass die Banker einfach so davonkommen. Da ist die Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl, die versucht, die fatalen Geschäfte bei der BayernLB und der HRE zu entlarven. Und da ist der Politiker Wilfried Wengler, der verstehen will, warum der Absturz der HSH Nordbank sein Bundesland an den Rand der Existenz drückte. Sie alle wollen die Stille durchbrechen, endlich.....

und mehrere Seiten folgen,,,,,,,

Im Visier der Ermittler:

Sachsen LB Ende 2007 wurde die Landesbank mit Bürgschaften von rund 17,1 Mrd. Euro gerettet. Kurz darauf begann die Staatsanwaltschaft Leipzig, unterstützt vom Bundeskriminalamt, ein Ermittlungsverfahren gegen fünf frühere Vorstände, darunter Herbert Süß, den früheren Vorstandschef der Landesbank. Schon im Sommer könnte es zu einer Anklage kommen.
Landesbank Baden-Württemberg Im Dezember durchsuchten rund 200 Beamte die Bank sowie Privatwohnungen von acht amtierenden und ehemaligen Vorstandsmitgliedern. Unter anderem ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den früheren LBBW-Chef Siegfried Jaschinski. Der Verdacht: schwere Untreue. Fünf Staatsanwälte und ein Dutzend Polizeibeamte arbeiten an dem Fall. Das Institut erhielt rund 5 Mrd. Euro Kapitalhilfe, darunter rund 3 Mrd. Euro vom Staat, sowie fast 13 Mrd. Euro an Bürgschaften.
IKB Nach langen Ermittlungen erhob die Staatsanwaltschaft Düsseldorf im Juli 2009 Anklage gegen den früheren IKB-Chef Stefan Ortseifen. Am 16. März startet der Prozess wegen Kursmanipulation und Untreue. Parallel ermittelt ein externer Sonderprüfer im Auftrag der Kleinaktionäre. Der Staat hatte rund 8 Mrd. Euro Steuergeld zur Rettung der angeschlagenen Bank beigesteuert.
HSH Nordbank Das taumelnde Institut wurde 2009 mit einer 3 Mrd. Euro schweren Kapitalspritze der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein vor dem Zusammenbruch bewahrt. Außerdem gewährten die Bundesländer und der Bund insgesamt rund 40 Mrd. Euro Garantien. Sowohl in Hamburg als auch in Kiel arbeiten Parlamentarische Untersuchungsausschüsse den Fall auf. Parallel ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg unter dem Aktenzeichen 5550 Js 4/09 gegen mehrere Vorstände der Bank, darunter gegen den amtierenden Chef Dirk Jens Nonnenmacher. Der Vorwurf: schwere Untreue. Außerdem wird wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung ermittelt.
Hypo Real Estate Für die Rettung der inzwischen zwangsverstaatlichten Bank hat der Bund insgesamt rund 100 Mrd. Euro an Kapitalhilfen und Garantien aufgebracht. Bereits wenige Tage nach der ersten Rettungsaktion im Herbst 2008 nahm die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen auf, im Dezember 2008 durchsuchten mehr als 80 Beamte die Bank sowie Büros und Wohnungen ehemaliger Manager, darunter Ex-Vorstandschef Georg Funke. Noch in diesem Jahr könne es zu ersten Anklagen kommen.
BayernLB Bereits 2008 hatte der Freistaat Bayern dem Institut mit 10 Mrd. Euro geholfen. Sieben Staatsanwälte der Staatsanwaltschaft München ermitteln nun, vor allem wegen Untreue im Zusammenhang mit dem Erwerb der Hypo Group Alpe Adria, die den Steuerzahler allein rund 3,7 Mrd. Euro kostete. Im Oktober 2009 durchsuchten rund 100 Beamte Büros und Wohnungen. Mitte Februar fand abermals eine Razzia statt. Unter Verdacht stehen etliche Ex-Manager wegen Untreue.
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Anti Lemming:

Kursverfall 10-jähriger griech. Staatsanleihen

2
08.04.10 13:03
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Der USA Bären-Thread 311978
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Stöffen:

AL, zu # 60155 nochmals Steve Keen anbei

11
08.04.10 13:22
Fed-Chef Bernanke hat sich ja aktuell dahingehend besorgt gezeigt, dass die Kreditvergabe durch die Banken sei nach wie vor "sehr schwach" sei. Damit bestätigt Bernanke auch die von mir in #60001 aufgezeigten Indikatoren (M1 Multiplier & Velocity of Money), welche eben recht deutlich erkennen lassen, dass es bisher weiterhin nicht gelingt, die Kreditvergabe durch die Geschäftsbanken und damit die reale Wirtschaft anzukurbeln. Wenn man den Argumenten von Prof. Steve Keen folgt (Malko hatte das Keen-Interview mit der FAZ zu Beginn des Jahres hier im Thread eingestellt) so werden auch die von der Fed getätigten Geldschöpfungen künftig nicht per se den (hyper)inflationären Effekt haben, der gemeinhin immer wieder propagiert wird.

Hier anbei nochmals die entsprechende Passage aus dem Interview:

FAZ: So sind sie ein Deflationist, also jemand, der an einen chronischen Preisverfall
glaubt?

Steve Keen: Ja. Erstens alleine schon aus historischen Gründen. In den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten wir zu Beginn der großen wirtschaftlichen Depression eine deflationäre Entwicklung von zehn Prozent über zwei Jahre. Zweitens zweifle ich an den Argumenten der Österreichischen Schule, die aus großen Geldmengen eine inflationäre Entwicklung ableitet. Ich fürchte, sie verstehen den Geldschöpfungsprozess und die Entwicklung inflationärer Impulse nicht richtig. Sie unterschätzen die enormen Mengen an Geld, die geschaffen werden müssten, um zu Inflation zu führen.

Wieso?

In den Vereinigten Staaten betragen die Schulden des Privatsektors rund 42 Billionen Dollar. Um für Inflation zu sorgen müsste die Zentralbank mindestens weitere 25 Billionen Dollar direkt in Umlauf bringen. Statt dessen hat sie nur eine Billion gedruckt in der Erwartung, der Geldmultiplikator würde den Betrag verzehnfachen. Das aber würde voraussetzen, der amerikanische Privatsektor wollte neun Billionen Dollar neue Schulden aufnehmen. Aber das ist unrealistisch: Im Moment will keiner Kredite vergeben und keiner aufnehmen - der Mechanismus kann also nicht funktionieren.

Woher aber kommt die Deflation?

Sie folgt aus dem klassischen Mechanismus einer Schuldenkrise. Erstens ist die Arbeitslosigkeit hoch und die Arbeitnehmer müssen Lohneinbußen hinnehmen. Zweitens wollen die Unternehmen bei fallender Nachfrage Marktanteile halten, indem sie Preise senken. Das führt zusammen zu einer deflationären Spirale, unabhängig davon, was auf monetärer Ebene passiert.

… und was ist mit Bernankes berühmtem Helikopter?

Empirisch zeigt sich, dass der unterstellte Geldmultiplikator nicht funktioniert. Man bräuchte also eine riesige Helikopterflotte um sehr große Geldmengen abwerfen zu können. Ich glaube nicht, dass die Amerikaner das tun werden. Der Kern ist: Konventionelle ökonomische Theorien können nur sehr schlecht erklären, wie der Kapitalismus funktioniert. Folgt man ihren Thesen, so gerät man in tiefe Krisen. Versucht man die Krisen mit ihnen zu lösen, so findet man keinen Ausweg. Ich fürchte, auch Bernanke wird so lange die falsche Politik machen, bis er sein Amt verliert.

Was erwarten Sie von den kommenden Jahren?

Ich denke, nach und nach wird klar werden, dass die Krise noch nicht vorbei ist. Man wird Wachstumsschwächen und hoher Arbeitslosigkeit immer wieder mit neuen Stimulationsmaßnahmen begegnen, statt das Schuldenproblem anzugehen und die Banken zu sanieren. Das Wachstum wird ungenügend sein und in Amerika und Großbritannien wird die Arbeitslosigkeit zunehmen. Schließlich wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass die etablierten Ökonomen das wahre Problem sind.

Dann wird die Politik ihre Methoden ändern?

Ja - und sie wird ihre Berater wechseln. Franklin D. Roosevelt erklärte in seiner Antrittsrede 1933, also noch vier Jahre nach Beginn der großen Depression: „Die Kreditgeber bestimmten die Religion und als einzige Methode zur Lösung der Schuldenkrise schlagen sie noch mehr Schulden vor“. Das ist ein schönes Bild und lässt sich auf gegenwärtige Zeit übertragen.

Komplett hier

Steve Keen: "Wir sind in der größten Finanzblase aller Zeiten"

baer45.schmartz.de/extern/Finanzblase-Keen.pdf
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!
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Malko07:

A.L. (#60151), du lenkst ab.

4
08.04.10 13:51
Wenn Spekulanten, wie du hoffst, im großen Umfange US-Staatsanleihen verkaufen, versandet nichts. Da kannst du auch nicht mit Argentinien ablenken, dass dir die Argumente ausgehen und deine Behauptungen keinen Cent wert sind.
Antworten
Anti Lemming:

Keinen Peso, Malko

9
08.04.10 14:09
meine Argumente sind keinen Peso wert.

Im Übrigen "erhoffe" ich es nicht, sondern befürchte es. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. Ich bin kein Mensch, der sehnsüchtig dem Untergang der Weltwirtschaft entgegenfiebert. Mir wäre lieber, die Lage wäre wie Anfang der 1990-er Jahre: Savings-and-Loans-Krise beendet, mittlere Bankenkrise, aber leidlich gute Zukunftsaussichten (damals war die Verschuldung auf allen Ebenen noch recht niedrig). Man konnte damals seelenruhig in Aktien long gehen und sich 10 Jahre in Kostolany-Manier schlafen legen.

Diese Zeiten sind jetzt jedoch erst mal vorbei. Da an den Mechanismen, die zur Weltfinanzkrise führten, nichts verändert wurde, lässt sich eine Wiederholung - auf tieferem Niveau - kaum vermeiden. Dieser Auffassung bist letztlich sogar Du.

Die große Frage ist nur, wie die nächste Krise (oder genauer: die nächste Episode der noch immer laufenden) aussehen wird.

MMn war die erste Phase von Privatinsolvenzen (inkl. Großbanken) geprägt. Die Staaten waren noch stark genug, um die Banken aufzufangen.

Die zweite Phase, die mMn jetzt begonnen hat, ist von Staatsinsolvenzen geprägt. Die Staaten haben bei ihren Versuchen, die Wachstums-Illusion aufrecht zu erhalten, indem sie Deflation mit Staatsgepäppel bekämpften, das Schuldenrad zu weit gedreht. Schwachmaten wie Griechenland und Dubai ist bereits die Luft ausgegangen. Kleinere Pleitestaaten kann man noch auffangen, größere (GB, Japan) aber nicht mehr. Die größten Staaten wird es in diesem Domino der Umfaller als Letzte treffen. Sie könnten sogar zwischenzeitlich von der Krise der kleineren Staaten profitieren. Aufschoben ist aber nicht aufgehoben.
Antworten
Stöffen:

Stichwort Bankenkrise

6
08.04.10 14:21
Gewerbe-Immos – 40 % der US-Banken bedroht

Die Welt erholt sich gerade langsam von den Folgen der letzten Immobilienblase, die in den USA geplatzt ist. Da steht schon die nächste vor der Tür: Diesmal drohen Milliardenausfälle bei den Gewerbeimmobilien. Ein US-Kongressausschuss glaubt, dass fast die Hälfte der Kredite – 700 Milliarden Dollar – wackeln. Die Folgen für die Wirtschaft wären fatal: 40 Prozent der amerikanischen Banken könnte die Pleite drohen.

Als der Immobilienmarkt wuchs, wurden Restaurants, Shoppingcenter, Bürogebäude, Appartementanlagen und Hotels in Rekordmengen errichtet. Zwischen 2010 und 2014 sind die Kredite für den Bauboom nun fällig, insgesamt 1,4 Billionen Dollar (im Gegensatz zu Privatkrediten werden Gewerbekredite in den USA nicht monatlich zurückgezahlt, sondern sind endfällig).

„Etwa die Hälfte der Kredite ist zum jetzigen Zeitpunkt schlecht – das heißt, der Kreditnehmer schuldet mehr Geld, als seine Immobilie wert ist“, heißt es in einem aktuellen Bericht des Kontrollausschusses des US-Kongresses, der sich mit der staatlichen Bankenhilfe beschäftigt. Analysten der Deutschen Bank rechnen sogar damit, dass 65 Prozent der zur Refinanzierung anstehenden Hypotheken ausfallgefährdet sind.

Für die katastrophale Entwicklung gibt es mehrere Gründe: Einmal haben die Gewerbeimmobilien seit 2007 etwa 40 Prozent ihres Wertes verloren. Dazu kommt die angespannte Mietsituation: „Acht Prozent der Wohnanlagen und 18 Prozent der Bürogebäude stehen leer“, so der Ausschuss. Und wenn man vermieten kann, dann nur mit massiven Abschlägen: In den vergangenen Jahren sanken die Mieten für Büros um 40 Prozent, jene für Verkaufsflächen um 33 Prozent. Es fehlt also schlicht das Geld, um die Kredite zu bedienen. Am Ende bleiben vor allem die Banken übrig: Ab 2011 drohen ihnen Kreditausfälle in Höhe von 200 bis 300 Milliarden Dollar. Welche Auswirkungen das haben wird, ist nur abzuschätzen. Denn der „Stresstest“, dem die Regierung 19 große Banken unterzog, berücksichtige deren Finanzsituation nur bis Ende 2010. Banken kleinerer und mittlerer Größe wurden überhaupt nie einem Stresstest unterzogen. Und sie sind es, die in erster Linie die Gewerbeimmobilien finanzierten.

„Sehr, sehr ernstes Problem“

„Wir haben 2988 Banken, die eine gefährliche Häufung dieser Kredite haben“, erklärte die Vorsitzende des Kontrollausschusses, Elizabeth Warren, diese Woche in einem Interview mit dem US-Sender CNBC. Das sind etwa 40 Prozent der insgesamt 7560 in den USA registrierten Banken. Warren: „Wir haben ein sehr, sehr ernstes Problem.“

Als wäre diese Situation alleine nicht schlimm genug, registrieren Ökonomen einen erneuten Rückgang des privaten Konsums in den Vereinigten Staaten, deren BIP zu 70 Prozent von der Laune der Verbraucher abhängt. Zwar ist die Sparquote von einem Rekordwert von 6,9 Prozent im Mai 2009 auf 3,1 Prozent zurückgegangen. Sie stieg aber wieder auf 3,4 Prozent im März 2010.

Zum Rückgang dürfte im zweiten Halbjahr 2010 auch das Auslaufen staatlicher Programme beitragen – etwa des „Homestar“-Programms, das thermische Sanierung und den Austausch von Haushaltsgeräten fördert.

Gar nicht zu sprechen von den staatlichen Finanzproblemen. Der britische Historiker Niall Ferguson warnte in der Zeitschrift „Foreign Affairs“ vor den steigenden Schulden: Wenn es nicht massive Einsparungen gebe, müssen die USA im Jahr 2019 bereits 17 Prozent ihrer Budgeteinnahmen für den Schuldendienst aufwenden.

Zum Vergleich: Für den größten Budgetbrocken, die Verteidigung, wenden die USA 23 Prozent auf.

diepresse.com/home/wirtschaft/...o?_vl_backlink=/home/index.do
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!
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obgicou:

das von AL skizzierte Szenario

5
08.04.10 14:23
von gleichzeitig fallenden US-Anleihe- und Aktienmärkten ist zwar immer noch relativ unwahrscheinlich; aber bei weiterem Rückgang des US-Handelsdefizits insbesondere mit China (Stichwort Yuan-Aufwertung) steigt imho die Wahrscheinlichkeit.
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saschapepper:

Griechenland lehnt Kredite von Europartnern ab

4
08.04.10 14:39
Neues von den Euroshortern der FTD

Griechenland sieht trotz der rekordhohen Risikoaufschläge auf seine Staatsanleihen noch keinen Grund, die Euro-Partner um Nothilfe zu bitten. "Zur Zeit ist es nicht nötig, den Hilfsmechanismus zu aktivieren", sagte ein Regierungssprecher in Athen am Donnerstag.

Selbst die Aussicht auf ein Entgegenkommen der Europäischen Zentralbank (EZB) konnte den Kapitalmarkt nicht beruhigen. Der Risikoaufschlag auf fünfjährige Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) Griechenlands kletterten am Donnerstag um fast 40 auf 450 Basispunkte. Das bedeutet, dass es jährlich 450.000 Euro kostet, um Staatsanleihen im Wert von 10 Mio. Euro zu versichern. Das ist laut dem Finanzdatendienst Markit ein Rekordhoch. Der CDS-Index Markit SovX Western Europe weitete sich um acht auf 99 Basispunkte aus.
Für zehnjährige hellenische Staatsanleihen wird eine Rendite von 7,485 Prozent fällig. Besonders groß sind die Bewegungen bei zweijährigen Papieren. Hier kletterte die Rendite um 1,1 Prozentpunkte auf 7,826 Prozent. Allein in den vergangenen drei Tagen sprang die Verzinsung um fast drei Prozentpunkte nach oben. Für Athen ist das eine schlechte Nachricht: Es bedeutet, dass sich auch die kurzfristige Refinanzierung verteuert.


Die Ratingagentur Fitch hält es für notwendig, dass die Hellenen jetzt auch tatsächlich Hilfe bekommen. "Es ist an der Zeit, dass die Euro-Zone und die griechische Regierung das wahre Ausmaß ihrer Probleme anerkennen", sagte Fitch-Analyst Chris Pryce. Er bemängelte, dass trotz des Notfallplans unklar ist, was die EU genau tun wolle, wann sie es tun wolle, und wie viel Hilfe sie bereitstellen würde.

Die Athener Regierungssprecher sagte, Griechenland tue alles, um sich frisches Kapital nicht zu "barbarischen Konditionen" leihen zu müssen. Die Refinanzierung der staatlichen Schulden sei nicht in Gefahr.
Seit einigen Tagen steht das griechische Bankensystem im Fokus der Anleger. Weil die Griechen in den ersten beiden Monaten des Jahres 8 Mrd. Euro abgezogen hatten, springt der Staat dem Finanzsystem bei - und gibt rund 17 Mrd. Euro aus dem 2008 beschlossenen Konjunkturpaket frei. Ein Großteil soll auf die griechischsprachige Mittelmeerinsel Zypern geflossen sein, die seit 2008 zur Euro-Zone gehört.
"Solche Geschichten über Kapitalabflüsse können selbstverstärkend sein", sagte Währungsstratege Adarsh Shina von Barclays Capital. "Die Furcht vor einem solchen Teufelskreis wird uns erst einmal erhalten bleiben. Weil griechische Staatsanleihen wohl die liquidesten Vermögenswerte der Banken sind, werden ihre Kurse nachgeben." Die Athener Schuldenkrise drückt auf den Euro: Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,3293 $.


Nomura-Volkswirt Laurent Bilke stimmt der Fitch-Einschätzung, dass Griechenland nicht nur mit Garantien, sondern auch tatsächlich geholfen werden muss, vorbehaltlos zu. "Bis jetzt waren wir der Ansicht, dass die Griechen einfach Geld aufnehmen und geduldig warten, bis die Risikoaufschläge zurückgehen. Doch der Markt zwingt zum Umdenken", schrieb Bilke in einem Researchbericht.
Angesichts der aktuellen Spreads sei eine Anleiheemission momentan nicht durchführbar. Auch die Option, einen Dollarbond zu begeben, gebe es wohl nicht. Einziger Ausweg seien momentan Schatzwechsel. "Die Griechen werden wohl zum Plan B greifen und eine Rettung von den Europäern einfordern", sagte Bilke.
Verhindert werde ein schnelles Eingreifen durch die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai. "Jede Krisenlösung vor diesem Termin dürfte kompliziert werden. Am Ende aber müssen die Europäer einspringen", sagte Bilke. Er beziffert die eventuell notwendige EU-Hilfsleistung auf 20 Mrd. Euro, die dann durch IWF-Gelder ergänzt werde.

www.ftd.de/finanzen/maerkte/...en-konditionen-ab/50098021.html


Ich denke Griechenland wird bald einknicken und bestimmte Hilfen in Anspruch nehmen.
Bis 20. April muss Griechenland 8,2 Milliarden umschulden.
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Dreiklang:

obgicou (?)

5
08.04.10 14:44
Die Begründung für einen evtl. fallenden Aktienmarkt kann aber nicht sein, dass das USA-Handelsdefizit zurückgeht.

Eine verbesserte Handelsbilanz durch relative Abwertung gegenüber einem Handelspartner (China) stellt eine Stärkung der heimischen Wirtschaft dar. Das müsste ja eher zu steigenden Aktienmärkten führen, aber:

In unserer verrückten Situation der Liquiditätsfalle muss bei extrem hohen KGV  der Aktien und sehr niedrigen Renditen auf die UST jedes (Potenzialwachstum) zu steigenden Zinsen führen (es sei denn die FED hielte wieder mit QE dagegen),

sodass die KGV-geschwächten Aktienmärkte tatsächlich nach unten korrigieren würden (müssten).

Die Begründung für einen fallenden Aktienmarkt wäre also der Zinsanstieg. Ausgelöst dadurch, dass die deflationäre Verbilligung der Importe durch China endlich korrigiert würde.
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Anti Lemming:

Obgicou - Deflation und fallende Anleihekurse

8
08.04.10 14:49
In normalen Wirtschaftszyklen wird Geld zwischen Anlageklassen je nach Risiko umgeschichtet. In Rezessionen fallen Aktien, und Bonds steigen (auch wegen der dann meist erfolgenden Leitzinssenkungen). In Boom-Zeiten steigen Aktien und Anleger verkaufen ihre Bonds, weil Aktien über die Kurssteigerungen eine höhere Gesamtrendite versprechen.

US-Medien stellen die Lage zurzeit so dar, als hätten wir die obige Boom-Phase, d.h. Anleger gehen aus Bonds raus,  um ihr Geld im Aktienmarkt anzulegen.

Wir haben aber mMn keinen normalen Markt, sondern einen, der in vielfältiger Weise manipuliert ist - am stärksten von der Fed mit ihren Nullzinsen und QE. Die US-Kleinanleger sind draußen, sie haben letztes Jahr 25. Mrd. Dollar aus Aktienfonds abgezogen. Der zweite 50 % Absturz innerhalb eines Jahrzehnts hat bei Vielen zu einem langfristigen Vertrauensverlust geführt. Daher sind im - dünnen - Aktienmarkt die Zockerbanken "unter sich". Viele Kleinanleger sind notgedrungen in Bonds gegangen, weil sie das Geld nicht auf fast zinsfreien Tagesgeldkonten darben lassen wollten.

Ich fürchte, das Kalkül der Zockerbanken, ihre mit Zentralbank-Krediten hochgekauften Aktien zu den jetzigen Höchstkursen an Kleinanleger und Dummbeutel-Fonds weiterreichen zu können, wird nicht aufgehen. Es wird keine Folgekäufer geben - schon gar nicht bei den jetzigen Mondkursen.

In einer Deflation fallen Aktien, während Bonds sogar steigen können, bieten sie doch immerhin eine verlässliche Rendite. Wenn sich die Krise jedoch zuspitzt wie in den 1930-ern, kommen auch die Bonds ins Trudeln. Es begann damals mit Schwäche bei Firmenanleihen. Auch heute sind Junkbonds hochgekauft, als gäbe es kein Risiko und als wäre die Sicherheit der Rückzahlung 100 %.

Sobald die Rückzahlungs-Illusion brüchig wird - und dazu reichen Pleiten kleinerer Staaten - , dürfte die Deflation ein neues Gesicht bekommen: Der Preisverfall wird dann auch auf Anleihen übergreifen - zunächst auf Junk- und Unternehmensanleihen, später auch auf Staatsanleihen.
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obgicou:

@Dreiklang

2
08.04.10 14:57
ein zurückgehendes Handelsdefizit geht nicht unbedingt einher mit einer Stärkung der heimischen Wirtschaft.
Der US-Konusment muß nur weniger chinesische Produkte konsumieren. Da im Boom der Konsum chinesischer Produkte zugenommen hat, ist es sogar logisch, daß er in der Rezession zurückgeht.
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Stöffen:

So sieht das aus

8
08.04.10 15:05
wenn die einen nicht mehr kaufen wollen und immer mehr aber nicht mehr kaufen können.

The Federal Reserve reports:

Consumer credit decreased at an annual rate of 5-1/2 percent in February 2010. Revolving credit decreased at an annual rate of 13 percent, and nonrevolving credit decreased at an annual rate of 1-1/2 percent.

This graph shows the year-over-year (YoY) change in consumer credit. Consumer credit is off 4.0% over the last 12 months.

Consumer credit has declined for 12 of the last 13 months - and declined for 13 of the last 14 months and is now 5.2% below the peak in July 2008.

Note: The Fed reports a simple annual rate (multiplies change in month by 12) as opposed to a compounded annual rate. Consumer credit does not include real estate debt.

www.calculatedriskblog.com/2010/04/...eclines-in-february.html
(Verkleinert auf 50%) vergrößern
Der USA Bären-Thread 311995
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!
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Dreiklang:

@ob

 
08.04.10 15:06
Bisher erzielt die amerikanische Wirtschaft aber trotz der Krise eindrucksvolle Importüberschüsse.

Das kann man dann ja auch als Stärkebeweis werten (USA importieren better than expected) woraufhin sich entsprechende Kurssteigerungen und ein Dow weit jenseits der 11K begründen lassen......
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Anti Lemming:

Griechenland lehnt Kredite zu "barbarischen Kondit

2
08.04.10 15:12

FTD

Schuldenkrise

Griechenland lehnt Kredite zu "barbarischen Konditionen" ab

Noch nie war es so teuer, sich gegen eine Pleite des Landes zu versichern. Zweijährige Staatsanleihen werfen fast acht Prozent Rendite ab. Die Ratingagentur Fitch mahnt sofortige Hilfe an: "Es ist an der Zeit, das wahre Ausmaß der Probleme zu erkennen." von Tobias Bayer  Frankfurt

Griechenland sieht trotz der rekordhohen Risikoaufschläge auf seine Staatsanleihen noch keinen Grund, die Euro-Partner um Nothilfe zu bitten. "Zur Zeit ist es nicht nötig, den Hilfsmechanismus zu aktivieren", sagte ein Regierungssprecher in Athen am Donnerstag.

www.ftd.de/finanzen/maerkte/...en-konditionen-ab/50098021.html

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Dreiklang:

Barbar? Hier! *wild_fuchtel*

2
08.04.10 15:31
WKN 724072 kleine Posi leider nur zu 93,10 gekriegt

Ich lass mich dann mal von Merkel retten
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permanent:

Die USA schulden nichts außer Dollar und die

7
08.04.10 15:32

Druckmaschine haben sie selber. Irgendwann, wenn keiner mehr Dollar haben will, wird die Verschuldung zwangsläufig zu einer importierten Inflation führen. Dieser Tag scheint aber noch fern.
Eine eigene Druckerpresse wirkt gegen die Vernunft der Diziplin. Wobei Politk und finanzielle Disziplin wohl nicht zusammenpassen.
In den Jahren der großen Koalition hatte Deutschland die höchsten Steuereinnahmen der deutschen Geschichte. Dieses Geld wurde dann sofort wieder unters Volk gebracht, es wurden Wohltaten verteilt.

Permanent

Antworten
Dreiklang:

Sanierung fauler Bankbilanzen? Nicht interessant

5
08.04.10 15:43
Man stelle sich vor, wir hätten die gute alte DM noch und die Bundesbank würde beschließen, die deutschen Banken zu "retten" (wg. Griechenland, Spanien, Lehman etc) via Monetarisierung: d.h. sie würde den Banken ihre "toxischen" Forderungen zum Nennwert abkaufen wollen. "Bezahlt" würde per Fiat Money (Ausweitung der Bundesbankbilanz)  , zudem erhält die Bundesbank eine Aktie der Bank (mit besonderen Rechten, etwa einen atypischen Anteil von Gewinnen der (beschenkten) Bank "ziehen" zu können)

Was würde passieren? Nichts, NICHTS!

Vielleicht gäbe es einen kleinen Rumpler beim Wechselkurs, da einige Anleihenhalter sich enttäuscht von DM-Papieren abwenden würden. Für eine Netto-Exportnation wäre das nur ein netter Vorteil, der sich aber nicht realisieren wird, denn:

Da ein Netto-Exportland nicht mit Geld, sondern mit Ware bezahlt, hat es die Außenstehenden herzlich wenig zu interessieren, wie das Land in seinen Innenverhältnissen mit seinem Geld verfährt.

Ähnliches gilt auch für Japan, wenn auch die Handelsbilanz Japans nicht so einseitig exportfixiert ist und das Schuldenausmaß ein mehrfaches der dt. Staatsverschuldung ausmacht.

Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum man mit der Sanierung von Bankbilanzen (Bilanzrezession) so gar keine Eile hat... (s.u)
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permanent:

Weekly Claims Jump as Jobs Picture Remains Cloudy

3
08.04.10 15:43
Weekly Claims Jump as Jobs Picture Remains Cloudy
JOBLESS CLAIMS, EMPLOYMENT, UNEMPLOYMENT, CONTINUING CLAIMS, ECONOMY, LABOR DEPARTMENT
Reuters
| 08 Apr 2010 | 08:37 AM ET

The number of U.S. workers filing new claims for unemployment insurance rose unexpectedly last week, reflecting volatility in the data associated with the Easter holidays, while those on continued benefits was the lowest since December 2008.

 

However, continued claims fell and the report on Thursday is unlikely to change views a labor market recovery is underway.

Initial claims for state unemployment benefits rose 18,000 to a seasonally adjusted 460,000, the Labor Department said.

Analysts polled by Reuters expected claims to edge down to 435,000 from a previously reported 439,000 the prior week.

A Labor Department official attributed the rise in claims to seasonal volatility, mainly from the Easter holiday, and noted there were shutdowns in two states. A holiday on March 31 in California also had an effect on claims, he said.

The four-week moving average of new claims, which irons out week-to-week volatility, rose 2,250 to 450,250 last week.

U.S. stock index futures extended losses after the report, while government debt prices edged higher.

"The labor market is improving but it still has a ways to go. There is underlying strength emerging. People realize that Easter has distorted the data," said John Canally, economist at LPL Financial in Boston.

 

The U.S. labor market is in the early stages of recovery after losing more than 8 million jobs during the worst economic downturn since the 1930s in 2008-2009. A government report last week showed employers, led by the private sector, added 162,000 jobs in March—the largest monthly gain in three years.

Jobs have been viewed as the missing link in the economic revival that started in the second half of 2009 and signs of healing will boost confidence in strength of the recovery and ensure its durability.

While companies have resumed hiring, the pace remains too slow to make a huge impact on the 8.2 million people who lost their jobs since the recession struck in December 2007.

The number of people still receiving benefits after an initial week of aid fell 131,000 to 4.55 million in the week ended March 27, the lowest level since December 2008, the Labor Department said. Analysts had expected so-called continuing claims to dip to 4.65 million.

The insured unemployment rate, which measures the percentage of the insured labor force that is jobless, slipped to 3.5 percent, the lowest since January 2009, from 3.6 percent in the prior week.

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Anti Lemming:

Einfach nur grauenhaft

5
08.04.10 15:47
Mein Monitor hat sich bereits - kursgetriggert - auf Stand-by geschaltet.

Ich selber muss sofort ins Fitness-Center, weil sonst neben Zähne- auch noch Herzklappern droht.
Der USA Bären-Thread 312000
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