Erstaunen und völliges Unverständnis bzw. Unwissen darüber, was die Verhältnismäßigkeit, die Berechtigung bzw. den Sinn oder auch Unsinn von Staatsanleihen, Staatsbürgschaften, Staatsgarantien zu Gunsten der Banken betrifft (mögen sie auch "systemrelevant" sein...)
Seit Tagen zerbreche ich mir darüber den Kopf und kriege diese gesamten (für mich zumindest) konfusen, teils bizarren Zusammenhänge nicht logisch auf die Reihe. Habe da entweder an irgendeiner Stelle im Hirn Aussetzer, oder vielleicht auch Scheuklappen oder einfach nur ein "Brett vor´m Kopp" ;-)
Da mir für viele Zusammenhänge noch einfach ein grundlegendes ökonomisches und wirtschaftliches Wissen fehlt, wußte ich gar nicht so recht, wie ich überhaupt in dieses Thema mit meinen Fragen einsteigen sollte, weil ich es irgendwie gar nicht "greifen" kann.
So schrieb ich heute tagsüber immer mal wieder ein paar Gedanken, Stichpunkte und Fragen zu diesem Thema auf, um mich da gedanklich ein bisschen zu ordnen und zu strukturieren.
Gerade eben erst kam ich dazu, den Thread zu lesen. Mit großem Interesse und auch großer Freude las ich das Posting von Stöffen ("Der Spiegelfechter"), der einen Link zu "heise" ermöglichte.
Nachdem ich diesen Artikel gelesen habe, war mir schon einiges verständlicher und klarer.
Hier ein Auszug:
"Es mutet schon seltsam an – die Banken verzocken sich, der Staat muss sie auf Kosten der Steuerzahler retten und mit den Schulden, die der Staat für diese Rettung aufnehmen muss, machen die Banken prächtige Gewinne; fast überflüssig zu erwähnen, dass diese Gewinne nicht zur Minderung der Schulden eingesetzt werden, die den Steuerzahler auf Generationen hinweg belasten werden. Der Staat wiederum kann den Banken auch nicht verbieten, auf diese Art und Weise Gewinne zu machen, denn wer – außer den Banken – sollte seine Staatsanleihen kaufen? Paradoxerweise führt allerdings genau dies dazu, dass die Notenbanken ihr wichtigstes geldpolitisches Instrument verlieren."
Genau da verstehe ich etwas ganz und gar nicht. Die Banken, die sich verzockt haben und faktisch quasi "pleite" waren (sind? ;-) sind nun angewiesen darauf, dass der Staat - also WIR - also alle Steuerzahler heute (und auch die nächsten Generationen morgen und überübermorgen) sie "rettet". Mit direkten Geldzuschüssen, Bürgschaften, Garantien etc.
Da der Staat bereits vor der Finanzkrise erheblich verschuldet war, ist klar, dass er diese vorgenannten Rettungsmaßnahmen nicht aus der Portokasse oder dem Sparschweinchen entnehmen konnte und kann.
Also musste und muss der Staat - also "WIR" - ob wir wollen oder auch nicht - sich erneut und weiter verschulden, um die maroden Zockerbanken zu retten.
DOCH BEI WEM? Wer kauft denn Staatsanleihen in der benötigten Höhe? Jaaa, der eine oder andere Kleinanleger kauft natürlich nach wie vor die eine oder andere Staatsanleihe für ein paar Euro fuffzig. Das ist wohl eher unerheblich.
Aber, wie in dem Auszug aus dem "Heise-Artikel" (von Stöffen eingstellt) beschrieben: "...denn wer, außer den Banken, sollte seine Staatsanleihen kaufen?"
Und da hört mein Verständnis, meine Logik irgendwie auf. WOVON bitte schön, kaufen denn die Zombie-Pleite-Banken die Staatsanleihen? Sie waren und sind doch größtenteils faktisch pleite!? Hatten doch anscheinend fast keinen Cent mehr...
Haben wir als Staat also dann bei den entsprechenden Banken uns für "teuer Zins" Geld/Schulden aufgenommen (wohl bemerkt, wohl reines virtuelles Buchgeld, da echtes Geld ja längst nicht mehr vorhanden war...) , um diese Banken vor der endgültigen, offiziellen Pleite zu bewahren und zahlen jetzt also schön sehr viel Geld dafür, dass wir diese Banken nicht nur zum Nulltarif sondern sogar für minus X % Zinsen zu Gunsten jener Banken gerettet haben?
Mit unserem eigenen Geld, unseren Sparguthaben und den zusätzlich aufgenommenen Schulden - mit all diesem Geld, welches WIR, der Staat, die Steuerzahler - dann also der Bank als Rettung zur Verfügung gestellt haben, retten wir also die Banken, die uns als Dankeschön dann im Gegenzug billig Staatsanleihen abkaufen? WOVON denn bitte schön? Eben noch fast pleite - jetzt Finanzspritzen vom Staat erhalten - Ergebnis: Die maroden, insolventen Zombie-Banken "LEIHEN" uns also nach meinem Verständnis unser eigenes Geld. Allerdings zu horrenden Konditionen.
Wie krank ist das denn? Oder bin ich einfach nur völlig blöd und habe dieses Brett vor´m Kopp? Was genau verstehe ich hier nicht?
Ich versuche ja, mir solche komplizierten, komplexen und für mich persönlich fast unauflösbaren Problematiken im "Kleinen" vorzustellen.
Folgendes habe ich mir nun vorgestellt:
Ich habe bei einer kleinen fiktiven Dorfbank XY meinen fiktiven Lottogewinn von 1 Million Euro auf dem flexiblen Tagesgeldkonto zu etwa 2% Zinsen geparkt.
Das Dorf ist wirklich extrem klein, gerade mal 50 Einwohner, nur die eine XY-Bank - und mein fiktiver Lottogewinn von 1 Million Euro ist schon sehr viel Holz für das Dorf und die Bank.
Nun ist Krise, die Dorf-Bank hat, obwohl sie so klitzeklein ist, auch am großen Rad mit gedreht, und ist nun schwer in den Miesen bzw. kurz vor dem Kollaps.
Da die Bank nicht systemrelevant ist und somit auch nicht vom Staat - also von uns allen - unterstützt werden würde, kommt sie nun direkt auf den einzigen Lottogewinner im Dorf zu und macht diesem folgendes fiktives Angebot:
Lieber Lotto-Millionär, leider ist unsere kleine Dorfbank XY faktisch zahlungsunfähig - also insolvent oder auch pleite, da wir Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 3 Millionen Euro zu leisten haben.
Wir können Ihnen deshalb leider nicht mehr ihre Million auszahlen. Die Zinsen von 2% sind ihnen allerdings noch für einen Monat gesichert.
Jedoch sehen wir eine grandiose Anlage-Möglichkeit, weiteren Schaden von Ihnen abzuwenden: Nehmen Sie doch einfach einen Kredit in Höhe von 5 Millionen Euro auf zu Vorzugszinsen von 12 % p.a. (Sie verstehen- der Hebel- Sie haben ja nur 1 Mill. als Sicherheit).
Sie haben leider kaum eine Wahl. Wenn Sie unser Angebot ausschlagen, ist ihre 1 Million eh futsch - weil wir quasi pleite sind. Nehmen Sie unser Angebot an, haben Sie ja eigentlich nicht 5 Millionen, sondern nur 4 Millionen aufgenommen (1 Mill. hatten sie ja schon - haha-) - Sie hätten das gute Gefühl "Ihre Dorfbank gerettet zu haben" - alle Einlagen in Höhe von etwa 3 Millionen und außerdem würden Sie uns unsere Boni in Höhe von 2 Mio. sichern - überdies hinaus hätten Sie extreme Steuervorteile - (vorausgesetzt, sie gewinnen die nächsten 5 Jahre jedes Jahr erneut 1 Mill. im Lotto - haha) - Na, jedenfalls - die Quintessenz aus diesem Dorf-Berater-Gespräch:
"Wenn Sie nicht bereit sind, sich für unsere Dorfbank XY massiv zu verschulden, guter Mann, dann gehen wir pleite - und Sie auch - ha ha..."
Dann fragt der frisch gekürte Lottomillionär: "Und wenn ich einfach die Bank wechsele? Zu irgendeiner internationalen Großbank mein Geld hin transferiere?
Ha, ha, ha - unabhängig davon, dass die alle fast genau so pleite sind wie unsere kleine Dorfbank, ist es jetzt eh zu spät für Dich, einziger Lottomillionär im Dorf: Wir haben gerade Insolvenz angemeldet. Deine Million ist jetzt futsch - ha,ha,ha - aber mein Bonus und meine Pension sind absolut sicher - ha, ha,ha...Doofer Dorfmillionär...
Hmmh, wie gesagt, ich habe da irgendwie ein schweres Brett vor´m Kopp. Irgendwas verstehe ich in dem ganzen Spielchen zwischen Staat und Banken - Bankenrettung, Staatsgarantien- Staatsanleihen, die von maroden Banken gekauft werden - nicht.
Bin mir aber sicher, dass es viele von Euch leicht erklären können und hoffe, dass einer von Euch Lust dazu hat, mir das ein wenig aufzuschlüsseln.
Danke, schöne gute Nacht und alles Gute
Kosto