Lange Zeit habe ich den Bärenthread als ernsthafte Veranstaltung gesehen. Einem Thread, den ich regelmäßig verfolge. Dies vor dem Hintergrund, dass mich – im übertragenden Sinne – keiner der Bären wieder kalt erwischen möge.
Aber im letzten Jahr hat sich das langsam gedreht… Proportional mit der Annäherung an den Ausgangspunt, den S&P-Indexstand zu Beginn des Threads.
Inzwischen hat sich der Laden zu einer schlechten Witzbude entwickelt, einer sehr schlechte Witzbude…
Der alte Mann malt grundsätzliche in Charts von Euro zu einer beliebigen anderen Währung eine Linie nach unten ein. Oder fingert aus der weiten Welt der Charts irgendwelche hervor, die bezeugen sollen, dass der Untergang direkt bevor steht. Dies wird dann mit dem absoluten Brustton der Überzeugung heraus posaunt. Heraus posaunt von jemandem, der auch die Grundzüge der lateinischen Deklination nicht beherrscht (was nicht schlimm ist); das Abkanzeln des fehlerproduzierenden Schülers hat er aber so selbstsicher gemacht, er war dabei so unfehlbar, dass dies ein bezeichnendes Bild auf seine sonstigen „Analysen“ liefert.
Und dann kommt in Nummer 62394 endlich ein Sachbeitrag, bei dem ich sage, das war interessant. Komischerweise ist der Einsteller der, dessen Name vom Lateinprofessor als falsch erkannt wurde. Dann wieder seitenweise Bärenträume, ein Verweis auf einen schlechten Artikel, der „beweist“, dass der 1.000-Punktesturz den Markt dahin gebracht haben soll, wo er eigentlich hingehöre….
Dann seitenweise die Währungscharts, die zeigen, dass der Euro, die Eurozone, eigentlich alles zum Untergang verdammt ist. Lustige Geldscheine und Gerede von einer Währungsreform, die gerade bevorsteht oder vorbereitet wird.
Und dann eine eher unfassbarer Artikel „BRD verrät Deutschland“ (Nummer 62410). Alleine dieser formulierte Dualismus von Deutschland und der BRD hat mich Schlimmes ahnen lassen: Und tatsächlich findet ich als Quellenangabe die „Junge Freiheit“. Kann dieser braune Abschaum nicht in den muffigen Löchern bleiben, wo er her kommt und auch hingehört?
Und wenig später ein „finanzpolitisches Stalingrad“ und ein Göbbels-Vergleich.
Und drumherum, statt nur dabei seitenweise Wawidu-Charts, die kein Schwein versteht: Kupfer versus Gold – ich finde diese Relationscharts manchmal auch ergiebig. Auch ein Vergleich eines Industriemetalls, dem Industriemetall überhaupt mit einem Luxus- und Angstmetall, was eigentlich keiner braucht, ist schon interessant. Aber daraus eine Wissenschaft zu machen mit gleitenden Durchschnitten, mit MACD-Analysen… Das ist so weit weg von der Realität, dass es schon lustig ist. Malen-nach-Zahlen wäre vielleicht einen nette Ausgleichsbeschäftigung.