Eine interessante Analyse der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch zum EU-Rettungspaket und zu der Schuldenlage Griechenlands. Ein Auszug anbei, anschließend der Link.
Die Büchse der Pandora ist nun endgültig auf!
Das Rettungspaket verhöhnt die Stabilitätskriterien des Euros und die Sanktionsmechanismen für Stabilitätsabweichler. Es belohnt Fehlverhalten statt es zu bestrafen und es dürfte ohnehin nicht reichen. Bis Ende 2012 werden allein in den fünf "PIIGS" Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) Anleihen und Zinsen von 1.166 Mrd. € fällig. Zusätzlich müssen diese Länder nach unseren Schätzungen noch 300 bis 400 Mrd. € neue Defizite finanzieren. Die Summe aller ausstehenden Anleihen dieser fünf Länder beläuft sich auf rund 3.000 Mrd. €.
Welche Implikationen ergeben sich aus dem neuen Rettungspaket?
1) Die Geldwertstabilität ist bestenfalls noch ein Lippenbekenntnis der EZB. Die EU bzw. EZB haben einen Blankoscheck ausgestellt. Egal was kommt, wir stehen für alles ein!
2) Zunächst einmal hilft man nur den Gläubigern der Wackelkandidaten. Der "Moral Hazard Trade" hat sich für Investoren, allen voran die (griechischen) Banken wieder einmal als lukrativ erwiesen.
3) Damit macht es für die Banken weiterhin Sinn, sich bei der EZB Geld für 1 Prozent zu leihen und in höherverzinsliche Anleihen der Geretteten zu investieren. Kredite an die Wirtschaft bleiben unattraktiv. Der Mittelständler reibt sich die Augen.
4) Die eingeforderten Sparmaßnahmen der Defizitsünder (also fast aller EU-Staaten) wirkt konjunkturdämpfend und macht ein unmittelbares Anziehen der Inflation unwahrscheinlich. Damit kann die EZB auch weiterhin ihre lockere Geldpolitik begründen und die Zinsen niedrig halten. Das ist auch deshalb wichtig, weil steigende Zinsen den hochverschuldeten Staaten eine untragbare Zinslast aufbürden würden und die Refinanzierungskosten der Retter erhöhen.
5) Sobald die Bürger erkennen, dass sich die EU bzw. die EZB in einem Teufelskreis befinden, aus dem sie sich nur noch mit Inflation und fiskalischen Tricks befreien können, wird eine Flucht in Sachwerte einsetzen. Diese kann zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Die Inflation steigt, was wiederum höhere Inflationserwartungen schürt. Dann kauft man Gold, Häuser, Autos oder andere langlebige Wirtschaftsgüter. Das treibt nicht nur die Preise von Sachanlagen, sondern auch die Güterpreise.
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Griechenland wird auch bei noch so wohlwollender Unterstützung durch den IWF und die EZB nicht in der Lage sein, seinen Schuldenberg abzubauen. In der nachfolgenden Grafik haben wir die voraussichtliche Entwicklung des Schuldenstands im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt berechnet.
Die grüne Linie reflektiert die volle Umsetzung aller vom IWF geforderten Maßnahmen, ohne dass damit ein starker Konjunktureinbruch verbunden wäre. Wir haben sie zwar als "Best Case" bezeichnet, der allerdings sehr unwahrscheinlich ist. So enthält der IWF-Plan 10,85 Mrd. € noch nicht näher identifizierte Maßnahmen (Luftbuchungen) und einige Ungereimtheiten, wie extrem optimistische Einnahmekalkulationen aus dem Lotterie- und Wettgeschäft (die wir auch im Gespräch mit der teilstaatlichen Lotteriegesellschaft Opap nicht klären konnten). Selbst wenn das gesamte neue Maßnahmenpaket von 30 Mrd. € umgesetzt werden kann, würde die Verschuldung zunächst auf 131 Prozent des BIP steigen, um dann bis 2014 auf 119 Prozent zurück zu gehen.
Das realistischste Szenario (rote Linie) führt zu einem Schuldenanstieg auf über 140 Prozent. Hierbei haben wir Einsparmaßnahmen und Mehreinnahmen von insgesamt rund 23 Mrd. € (inkl. der im März angekündigten Maßnahmen von 10 Mrd. €) und einen Rückgang des BIP von 10 Prozent bis 2011 angenommen. Das Zinsniveau für neue Griechenanleihen haben wir mit durchschnittlich 4,8 Prozent berechnet und dabei eine Komplettfinanzierung durch EU- und IWF Gelder unterstellt.
Die EU und damit vor allem Deutschland haben eine Patronatserklärung für einen Pleitekandidaten abgegeben, weil die Politik den Euro mit der europäischen Einigung verknüpft und ihn deshalb unter allen Umständen zusammen halten möchte. Einen Plan B hat es nie gegeben. Jetzt stolpert man durch die Krise.
www.fvsag.com/fileadmin/templates/pdf/...echse_der_Pandora.pdf
(Verkleinert auf 91%)


Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!