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Angst vor "tiefer Rezession"
Die Finanzkrise hat bereits mehrere Banken ihre Existenz gekostet oder in Allianzen mit Konkurrenten gezwungen. Doch was bedeutet das Desaster für die Realwirtschaft? Mehrere Skeptiker meldeten sich zu Wort. FTD.de protokolliert die dramatischen Ereignisse.
- 11.48 Bundesbank-Vorstand Hermann Remsperger hat sich angesichts der Finanzmarktkrise dafür ausgesprochen, die Ziele der Notenbanken auszuweiten. Er plädiere für ein duales Mandat, sagte Remsperger am Mittwoch laut Redetext in Frankfurt. "Zusätzlich zur Sicherung der Preisstabilität umfasst es auch das Ziel der Stabilität des Finanzsystems." Dabei betonte er Synergieeffekte zwischen der operativen Geldmarktsteuerung und der Bankenaufsicht. "Da die Bundesbank eng in die Bankenaufsicht eingebunden ist, konnten wir diese Synergieeffekte auch voll ausschöpfen." Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht es als ihre Hauptaufgabe, Preistabilität in der Euro-Zone zu gewährleisten.
EZB-Ratsmitglied Mario Draghi hatte am Dienstag davor gewarnt, die Geldpolitik als Instrument im Kampf gegen eine Ausweitung der Finanzmarktkrise einzusetzen. Zinssenkungen seien der falsche Weg, sagte er. Wenn die Märkte nicht mehr funktionierten, sei nicht die Geldpolitik gefragt, sondern die Regulierungsbehörden.
11:34 Im Sog der US-Finanzmarktkrise wächst die Sorge um die weltweite Konjunkturentwicklung. Zwar sei nicht damit zu rechnen, dass aus der Finanz- eine schwere Weltwirtschaftskrise wird, sagte der Chef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Christoph Schmidt, der "Rheinischen Post". Die Finanzkrise könne aber dazu führen, "dass der Wirtschaftsabschwung nun zu einer tiefen Rezession wird".
Britische Finanzaufsicht fürchtet Konsumkrise
10:59 Die britische Finanzaufsichtsbehörde FSA befürchtet dramatische Konsequenzen der Finanzkrise für die Realwirtschaft. Das Desaster werde möglicherweise drastische Folgen für den Konsum haben, teilte die Financial Services Authority am Mittwoch mit. Auch die deutsche Wirtschaft wird nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von den jüngsten Turbulenzen auf dem US-Finanzmarkt "nicht völlig unberührt" bleiben. Die internationale Konjunktur stehe jedoch auf einer breiteren Basis als vor Jahrzehnten, sagte die Kanzlerin in der Generaldebatte des Bundestags zum Haushalt 2009.
10:56 Der Kollaps von Lehman Brothers versetzt den ohnehin gebeutelten europäischen Banken nach Einschätzung der Ratingagentur S&P einen neuen empfindlichen Schlag. Auch wenn das direkte Engagement in Papieren oder Derivaten der zusammengebrochenen US-Investmentbank gering sei, drohten über den Preisverfall an den Märkten bedeutende Abschreibungen, teilten die Bonitätswächter am Mittwoch mit. Besonders Häuser mit einem starken Kapitalmarktgeschäft wie etwa die Deutsche Bank müssten sich auf neue hohe Belastungen einstellen.
Standard & Poor's sieht die größten Risiken durch die Lehman-Insolvenz in dem weiteren Preisverfall an den Kreditmärkten. Die unter Gläubigerschutz stehende Bank werde nun massiv Wertpapiere verkaufen, was vor allem die Preise für Anleihen, die mit Hypotheken besichert sind, weiter unter Druck setzen dürfte. Zusätzlicher Druck auf die Kurse entstehe dadurch, dass viele Handelspositionen mit Lehman aufgelöst würden. "Es ist daher wahrscheinlich, dass die ohnehin schwachen Ergebnisse der europäischen Banken für das dritte Quartal 2008 noch schlechter ausfallen werden", erklärte die Agentur. In einigen Fällen seien auch Ratingsenkungen nicht auszuschließen.
Die deutschen Banken halten sich bislang weitgehend bedeckt, was ihr direktes Engagement in Lehman-Papieren betrifft. Die Finanzaufsicht hatte zu Wochenbeginn betont, dass die Auswirkungen auf die Bankenbranche in Deutschland überschaubar und verkraftbar seien.
10:36 Eine schnelle Neuordnung der Landesbanken wird wegen der sich verschärfenden Finanzkrise nach Ansicht des baden-württembergischen Sparkassenpräsidenten Peter Schneider dringender. "Die Zuspitzung der Finanzkrise erhöht den Druck auf eine Konsolidierung der Branche eindeutig. Der Fall von Lehmann Brothers ist ein bisher unvorstellbarer Vorgang", sagte Schneider der Deutschen Presse-Agentur dpa in Stuttgart. "Die Ergebnisse aller Banken, die im internationalen Finanzmarkt aktiv sind, werden deutlich stärker belastet und die Erlösaussichten sind noch schlechter."
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