Beachtliche Entwicklung gestern in den USA. Offenbar haben da einige Jungs Zweifel gekriegt, ob sie mit ihrer bearishen Einschätzung richtig liegen. Doch auch heute die Verbraucherpreise haben positiv überrascht, was mich wiederum überrascht hat.
Zwar sind die Verbraucherpreise wie erwartet um 0,4 % angestiegen, aber die Kernrate lag mit 0,2 % unter der Prognose von 0,3 %.
Normalerweise schlagen Veränderungen, wie der Ölpreis oder eine wirtschaftliche Abschwächung bei den Verbraucherpreisen erst ganz zum Schluss, also zeitverzögert durch. Aus diesem Grund war ich etwas überrascht, dass nun auch schon dort ein erster kleiner Hinweis auf eine Abschwächung der Inflationsgefahren bei den Verbraucherpreisen erkennbar scheint. Ich drücke das so vorsichtig aus, da natürlich ein Zehntel Prozentpunkt keine wirkliche Aussagekraft hat und es bei den Verbraucherpreisen schließlich immer noch zu einem deutlichen Anstieg gekommen ist.
Und vielleicht auch deshalb kam es heute zunächst nicht zu einer Fortsetzung der starken Kursgewinne von gestern, als bei der Kernrate der Erzeugerpreise ein Rückgang zu verzeichnen war. Offenbar hatten hier die Marktteilnehmer nach den guten Zahlen gestern mehr erwartet.
Doch schaut man sich an, dass die US-Industrieproduktion im Juli nur um 0,4 statt wie erwartet um 0,6 % angestiegen ist, dass die Kapazitätsauslastung nur auf 82,4 % statt auf 82,7 % angestiegen ist, dann sieht man auch hier wieder, dass sich das US-Wirtschaftswachstum weiter abschwächt.
Eigentlich erkennen wir in den Indizes, besonders auch in den US-Indizes nun erste Anzeichen eines klaren Bodens, der kurz davor steht, bestätigt zu werden. Ich richte hier meinen Blick hauptsächlich auf den S&P500, der die 1290er Marke nachhaltig überwinden muss, um eine Art Bodenbildung in Form eine W-Formation zu bestätigen:

(Hinweise: Man kann diese Formation auch als eine Art Schulter-Kopf-Schulter (SKS) Formation mit zwei Köpfen ansehen (SKKS). )
Und wen wundert es, auch der Dax steht vor der wichtigen Marke, die ich hier schon genannt habe, der 5800er Marke. (Beim Dow ist noch was Platz, hier wäre die Überwindung der 11350er Marke ein klares Zeichen, beim Nasdaq100 bleibt es noch etwas uneindeutig).
Bald rückt wieder der Dow Jones in den Fokus der Aufmerksamkeit
Werden diese Marken überwunden, dann kann es sehr schnell gehen. Wir sollten dann unbedingt die Aufmerksamkeit auf den Dow Jones wechseln. Nach der Überwindung der 11350 Punkte steht im Prinzip wieder einmal das Allzeithoch im Dow Jones bei 11750 Punkte im Fokus der Anleger. Sollte das Allzeithoch im Dow nachhaltig überwunden werden, dann würde das ein sehr starkes und bullishes Signal darstellen, gleichzeitig auch das Ende der Baisse, charttechnisch gesehen.
Unter normalen Umständen sollte der Dow anschließend allein aus diesen Gründen mindestens eine 10 % Rallye hinlegen. Das ist die bullishe Seite, die ich bevorzugen würde.
Ein gewagter Blick aus der Sicht der Bären
Es gibt aber auch eine bearishe Sichtweise, die unter Umständen sogar sehr bearish werden könnte. Da ich gerne die Dinge von allen Seiten beleuchte, will ich Ihnen dieses Szenario nicht vorenthalten:
Die 11750er Marke ist natürlich auf der anderen Seite ein sehr starker Widerstand, wie wir im Mai gesehen haben. Auch im Dow besteht durchaus die Möglichkeit eines Doppeltops an dieser Marke.

In diesem Fall wäre es sogar ein doppeltes Doppeltop. Denn der jahrzehntelange Aufwärtstrend würde dann in einer starken, über mehrere Jahre ausgebildeten Formation ein Ende finden. Gleichzeitig würde sich dann in dem linken Top auch noch ein kleines Doppeltop ausbilden. Ein Umstand der geradezu idealtypisch für ein großes Doppeltop wäre und somit ein Hinweis auf dessen Relevanz gäbe. Kurz: An dieser Marke wird es aus charttechnischer Sicht sehr, sehr gefährlich! Bildet sich dieses große Doppeltop aus, dann wäre das ein ernstzunehmender Hinweis auf eine langjährige Baissephase. Das müssen Sie, das müssen wir unbedingt im Hinterkopf behalten!
Hier der langfristige Chart:

Fairerweise muss man natürlich sagen, das dieses Top erst mit dem Unterschreiten der 7500er Marke bestätigt würde. Wenn der Dow bis dahin fallen sollte, dann wird der Bär sowieso schon auf allen Partys tanzen. Aber ein kleines Doppeltop an der 11750 wäre ein erstes, ein dann folgendes sehr nachhaltiges Unterschreiten der 10.000er Marke ein schon ernstzunehmendes Warnsignal.
Und auch aus diesem Grund wäre es nicht gut, wenn es jetzt zu schnell geht. Mir wäre es, wie schon ausgeführt, wesentlich lieber, wenn die Märke sich etwas Zeit lassen würden. Was zu schnell steigt, steigt oft nicht lange.
Lassen Sie sich aber nicht verwirren. Noch bin ich nach wie vor bullish, ich wollte Ihnen nur einmal eine andere, eine bearishe Möglichkeit aufzeigen. Seien Sie aber versichert, sollte sich dieses Szenario abzeichnen, würde ich auch wieder meine Bärenkappe aus der Mottenkiste holen und sie mir überziehen.
Ein weiteres bullishes Indiz
Interessant ist, dass die gestrigen Ausführungen zu der Kerze von Montag doch derart eindrucksvoll bestätigt wurden. Ich hatte zwischenzeitlich etwas Sorge, dass die US-Indizes vor der Veröffentlichung der Verbraucherpreise noch deutlicher zurückkommen würden. Auch dass sie das nicht getan haben, ist ein weiterer allerdings kleiner Hinweis auf einen Bodenbildung.
Sollte sich der Boden bestätigen, hätte sich dann auch wieder einmal bewahrheitet, dass die schlechte Stimmung, die besonders in den USA herrschte, wieder einmal eine gute Kaufgelegenheit gewesen ist. Ebenso hätte sich dann aber auch diese so zynische Börsenweisheit: „Kaufe, wenn die Bomben fallen“, ein weiteres Mal bestätigt.
Fazit:
Also: Das Bild hat sich deutlich aufgehellt. Noch ist eine enthemmte Euphorie verfrüht, denn noch müssen einige entscheidende Widerstände nachhaltig (!) genommen werden. Ich bleibe aber dabei: Wenn das geschieht, dann kann es durchaus sein, dass wir einen überraschend positiven Herbst/Winter erleben. Für dieses Szenario sprechen auch die Kongresswahlen im November.
US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
Die Verbraucherpreise sind um 0,4 % gestiegen. Erwartet wurde ein Anstieg um 0,4 % nach zuvor +0,2 %. Die Kernrate ist um 0,2 % geklettert. Gerechnet wurde mit 0,2 bis 0,3 % nach zuletzt schon +0,3 %.
Die Industrieproduktion ist um 0,4 % gestiegen. Erwartet wurde ein Anstieg um 0,4 bis 0,6 % nach zuvor +0,8 %.
Die Kapazitätsauslastung liegt bei 82,4 %. Erwartet wurde eine Auslastung von 82,6 bis 82,7 % nach zuvor 82,3 % (revidiert von 82,4 %).
Die Zahl der Wohnbaubeginne liegt bei 1,795 Mio.. Erwartet wurden 1,800 bis 1,810 Mio. Baubeginne nach zuvor 1,841 Mio. (revidiert von 1.850 Mio.).
Die Zahl der Wohnbaugenehmigungen liegt bei 1,747 Mio.. Erwartet wurden 1,825 bis 1,840 Mio. Baubeginne nach zuvor 1,862 Mio. (revidiert von 1,869 Mio.).
Der Immobilienmarkt schwächt sich weiter ab, auch eher ein leicht bullishes Zeichen, denn auch hier könnte eine Zinssenkung förderlich sein.
Die Rohölvorräte sind in der vorangegangenen Woche um 1,6 Mio. Barrel gesunken, nach zuvor -1,1 Mio. Barrel.
Die Benzinvorräte haben sich im Wochenvergleich um 2,3 Mio. Barrel verringert, nach zuletzt Minus 3,2 Mio. Barrel.
Die Vorräte an Heizöl sind gegenüber der Vorwoche um 800.000 Barrel gewachsen, nach zuvor -200.000 Barrel.
Die Zahlen sind eigentlich eher bullish für den Ölpreis und damit bearish für den US-Markt, wurden aber nicht abverkauft – zunächst.
Gruß Moya 