Themen-Check: Gold - ein verlorenes Investment?

Themen-Check: Gold - ein verlorenes Investment?

Um Gold ist es im Laufe der vergangenen Jahre zunehmend stiller geworden. Nachdem das gelbe Metall seit der Jahrtausendwende immer wieder von sich reden gemacht hatte und zeitweise in aller Munde gewesen war, erntet man heute im besten Fall nur ein mitleidiges Lächeln, wenn man dieses Thema zur Sprache bringt. Häufiger fällt die Reaktion deprimiert, mitunter aber sogar wütend aus. Und nicht einmal die eskalierende griechische Schuldenkrise konnte jüngst die Fantasie für Gold als Krisenmetall neu beleben. Zwar hatte das Edelmetall bis zum Januar dieses Jahres gegenüber dem Euro deutlich zulegen können, nachdem die Europäische Zentralbank ihre Absicht bekundet hatte, ein quantitatives Lockerungsprogramm aufzulegen. Aber dieser Kursanstieg, der am 30. Januar immerhin einen Spitzenwert von 1.167 Euro pro Unze erreichte, war nicht nur einer inneren (vorübergehenden) Stärke des Goldes geschuldet, sondern in erster Linie das Resultat einer von der EZB beabsichtigten Abschwächung des Euro-Wechselkurses gegenüber dem US-Dollar.

Dennoch: Gegenüber dem bisherigen Tief vom Januar 2014 (859 Euro) bedeutete dies für europäische Anleger immerhin einen Wertzuwachs von mehr als 35 Prozent! Trotzdem dürften sich nur wenige über diese Rallye gefreut haben, denn gegenüber dem Allzeithoch vom Oktober 2012 bei 1.386 Euro bleibt gegenüber dem derzeitigen Kursniveau (1.050 EUR) eben immer noch ein Verlust von gut 24 Prozent übrig.

Alleine diese Betrachtung ist ein klassisches Beispiel dafür, wie sich Menschen von Bezugspunkten beeinflussen lassen. Aber es hat auch andere psychologische Einflussfaktoren gegeben, die dafür verantwortlich waren, dass Gold seit der Jahrtausendwende zunächst eine Renaissance erlebte, die, im Nachhinein betrachtet, fast schon Charakterzüge einer großen Spekulationsblase trug.

Noch für das Jahr 2001 verzeichnen wir einen Tiefstkurs von 253 US-Dollar pro Unze. Seinerzeit galt Gold noch als „zu schwer zum Tragen“. Aber alleine bis zum Mai 2006 hatte sich der Goldpreis mit 730 USD bereits fast verdreifacht. Das war noch deutlich vor Beginn der Subprime-Krise und der folgenden Lehman-Pleite im Herbst 2008. Damals gab es viele besorgte Menschen, die sich angesichts der großen Finanzkrise und der teils massiven Kurseinbrüche an den Aktienmärkten intensiv mit der Frage auseinandersetzten, wie man sein Geld in Sicherheit bringen könne. Für den Fall, dass in der Eurozone oder auch anderswo in der Welt sich die Lage zuspitzen würde, waren vor allen Dingen Sachwerte gefragt. Und dazu zählte eben auch Gold, das meist nicht aus spekulativen Gründen gekauft wurde, sondern um gegen den so genannten Worst Case abgesichert zu sein: Falls der Euro zerbrechen würde oder eine Hyperinflation bis hin zum Zusammenbruch des Papiergeldsystems drohe. Genau genommen handelt es sich bei dieser Art des Investments um eine langfristige Anlage, vergleichbar mit einer Versicherung. Und zunächst sah es auch so aus, als ob diejenigen, die vor den Folgen der quantitativen Lockerungsprogramme der Notenbanken Japans und vor allem der USA gewarnt hatten, zumindest gemessen an der Entwicklung des Goldpreises Recht bekommen sollten. Gerade Privatanleger hierzulande hatten sich mit physischem Gold eingedeckt, um im Ernstfall dafür vielleicht sogar Lebensmittel eintauschen zu können. Am 9. September 2011 wechselte eine Unze Gold für rund 1920 USD, einem neuen Allzeithoch, den Besitzer.

Doch der große Zusammenbruch wollte sich bislang nicht einstellen. Das Papiergeld zirkuliert noch, und statt Inflation gab es Disinflation. Ja, selbst in Deutschland wurde bis vor kurzem mehr über Deflations- als über Inflationsbefürchtungen gesprochen. Und jetzt scheint Griechenland auch wieder einmal gerettet. Die Versicherung „Gold“ musste nicht in Anspruch genommen werden. Doch statt sich darüber zu freuen, dass der Versicherungsfall nicht eintrat, sind die enttäuschten Stimmen vieler Anleger noch nicht verstummt.

Offenbar gab es bei den Goldanlegern neben dem Sicherheitsaspekt auch noch andere Motive – vielleicht also doch spekulative Beweggründe? Warum um alles in der Welt hadert jemand, der Monate nach der Lehman-Pleite, etwa in der ersten Jahreshälfte 2009, sich ungünstig zu 800 Euro pro Unze mit dem Edelmetall eingedeckt hatte, heute immer noch mit seinem Schicksal, obgleich er seine Goldbestände zu rund 1050 Euro mit sattem Gewinn verkaufen kann?

Es sind die wechselnden Bezugspunkte, Gewöhnungsprozesse, die eine Rendite von immer noch mehr als 30 Prozent in etwas mehr als sechs Jahren in schlechtem Licht erscheinen lassen. Da wird aus einem Gewinn ein wahrgenommener Verlust, weil man bedauert, sein Gold nicht zum Allzeithoch bei 1.386 Euro pro Unze oder zum Jahreshoch von 1.167 Euro verkauft zu haben. Sind das nicht die falschen Referenzpunkte? Oder hat man bei einer spekulativen Sicht der Dinge ganz einfach nur vergessen, eine Verlustbegrenzung zu setzen?

Sollten Anleger weiterhin Gold als Versicherung gegen den globalen monetären Super-GAU betrachten, haben sie dafür einige gewichtige Argumente (vgl. dazu eine Vorstandspräsentation der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2013) auf ihrer Seite: Die universelle Akzeptanz von Gold, dessen Robustheit gegen Schocks und das Diversifikationselement in Investmentportfolien – das Edelmetall weist nur eine geringe Korrelation mit anderen wichtigen Anlageklassen auf. Nicht umsonst wird Gold aus währungspolitischen Gründen als Teil der deutschen Währungsreserve gehalten. Ganz zu schweigen davon, dass die so genannte Gold-Versicherung für den Ernstfall gilt. Und dessen Eintrittswahrscheinlichkeit wird nicht geringer, nur weil er vorerst ausgeblieben ist.

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