FRANKFURT (dpa-AFX) - Wegen der weiter unklaren Lösung für Griechenlands Schuldenprobleme hat der deutsche Aktienmarkt am Freitag zunächst nachgegeben. Dazu bremsten die verhaltenen Vorgaben. Der Dax (DAX) sank in der ersten Handelsstunde um 0,83 Prozent auf 6.732,52 Punkte und steuert damit auf ein kleines Wochenminus zu. Am Vortag hatte der Leitindex nach der immerhin innenpolitisch erreichten Einigung in Griechenland über das neue Sparprogramm etwas fester geschlossen. Für den MDax (MDAX) ging es am Freitagmorgen um 0,73 Prozent auf 10.280,53 Punkte nach unten und der TecDax (TecDAX (Performance)) verlor 0,26 Prozent auf 771,19 Punkte.
Der Dax werde den Angriff auf die 7.000-Punkte-Marke wohl auf die kommende Woche vertagen, schrieb Analyst Werner Bader von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die "griechische Hängepartie" lasse kaum große Kauflaune aufkommen und sorge bei vielen Marktteilnehmern für Zurückhaltung oder sogar Gewinnmitnahmen. Mit einem Ultimatum wollen die Europäer weitere Zugeständnisse Griechenlands für ein neues Rettungsprogramm erzwingen. Die Vorgaben aus Übersee sind negativ: Der Future auf den US-Leitindex Dow Jones Industrial verlor 0,51 Prozent seit dem Xetra-Handelsschluss am Vorabend. Die asiatischen Börsen tendierten nach etwas enttäuschenden Wirtschaftsdaten aus China mehrheitlich ebenfalls leichter.
Unternehmensnachrichten waren in Deutschland vor dem Wochenende dünn gesät. "An Konjunkturdaten könnte allenfalls das von der Universität Michigan erhobene amerikanische Verbrauchervertrauen heute Nachmittag für etwas Bewegung sorgen", fuhr LBBW-Experte Bader fort.
BANKEN VERLIEREN - STUDIEN HELFEN DAIMLER UND INFINEON
Bei den Bankenaktien sorgten die Verzögerungen bei Griechenlands Rettung für deutliche Verluste. Die Titel der Commerzbank büßten am Dax-Ende 2,72 Prozent auf 2,112 Euro ein. Für die Papiere der Deutschen Bank ging es um 1,59 Prozent auf 34,310 Euro bergab. Beim Autobauer Daimler hingegen sorgten positive Analystenkommentare zu den starken, am Vortag präsentierten Zahlen für weitere Kursgewinne von 0,64 Prozent auf 46,980 Euro. Eine Hochstufung der US-Bank Goldman Sachs ließ die Aktien des Halbleiterkonzerns Infineon um 1,41 Prozent auf 7,560 Euro steigen, womit die Titel die Dax-Spitze eroberten.
Im MDax verloren die Fraport-Aktien nach Verkehrszahlen für den Januar marktkonforme 0,66 Prozent auf 44,825 Euro. Der Frankfurter Flughafenbetreiber ist dank des zunächst milden Winterwetters mit einem deutlichen Passagierplus ins neue Jahr gestartet. Im Frachtgeschäft zeigte die Entwicklung hingegen nach unten. Börsianer sprachen von insgesamt kaum bewegenden Zahlen. Während das Passagierwachstum am Frankfurter Flughafen ein wenig besser ausgefallen sei als erwartet, sehe das Frachtgeschäft schwach aus.
RHÖN-KLINIKUM LEIDEN UNTER AUSBLICK
Für die Anteilsscheine von Rhön-Klinikum ging es um 1,90 Prozent auf 14,965 Euro bergab. Händler zeigten sich davon enttäuscht, dass der Klinikbetreiber, der den Zuschlag der Stadt Wiesbaden für eine Minderheitsbeteiligung an den Dr. Horst-Schmidt-Kliniken erhalten hatte, deshalb für 2012 mit einem rückläufigen Überschuss rechnet. Der Teilverkauf ist zudem noch nicht in trockenen Tüchern, denn ein anlaufendes Bürgerbegehren gegen den Verkauf könnte die Unterschrift um entscheidende Wochen hinauszögern.
Die Aktien von Sky Deutschland stiegen indes nach einer positiv aufgenommenen Kapitalerhöhung an der MDax-Spitze um satte 6,18 Prozent auf 2,370 Euro. Börsianer lobten, mit der Maßnahme habe der Bezahlsender schon mehr als die Hälfte des 300 Millionen Euro neuen Kapitals eingenommen, die er bis Ende September anstrebe. Analyst Harald Heider von der DZ Bank sprach von einer "erfolgreichen Platzierung" und sieht Sky damit auch finanziell gut aufgestellt für den anstehenden Verkauf der Bundesligarechte./gl/la