(Neu: Analystenstimmen von Morgan Stanley und von Sal. Oppenheim)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach einer negativen Studie der Citigroup haben die Aktien der Merck KGaA (Profil) am Freitag etwas stärker nachgegeben als der Gesamtmarkt. Bereits am Vortag hatte der Pharmakonzern im späten Xetra-Handel über einen Rückschlag für sein Krebsmittel Erbitux berichtet und damit die Titel unter Druck gesetzt. Die europäische Arzneimittelbehörde EMEA (European Medicines Agency) hatte sich gegen den Einsatz des Medikaments bei einer bestimmten Form des Lungenkrebs' ausgesprochen. Hierauf reagierte Analyst Mark Dainty jetzt mit einer Abstufung der Merck-Aktie von "Buy" auf "Hold".
Die Papiere sanken an diesem Freitag gegen 15.55 Uhr um weitere 0,73 Prozent auf 63,57 Euro. Im späten Handel am Donnerstag waren sie noch deutlicher zurückgefallen und hatten mit einem Verlust von 2,36 Prozent auf 64,04 Euro geschlossen. Der Leitindex Dax (Profil) gab nur um 0,23 Prozent auf 5.688,84 Punkte nach.
Die Entscheidung der EMEA sei eine negative Überraschung, meinte Dainty. Er entfernte die Prognosen der entsprechenden Indikation des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) komplett aus seinem Bewertungsmodell - und damit einen bislang erwarteten Spitzenumsatz von 650 Millionen Euro. Enttäuscht zeigte sich auch Analyst Andrew Baum von Morgan Stanley. Die endgültige Nichtzulassung von Erbitux bestätige seine negative Einstufung der Aktien. Mit der Entscheidung der EU-Arzneimittelbehörde seien nun auch weitere Einsatzgebiete für das Medikament fraglich geworden und damit das Wachstumspotenzial von Erbitux deutlich beschnitten.
Sal. Oppenheim stellte indes die Einstufung für Papiere der Merck KGaA unter Beobachtung. Mit Blick auf den medizinischen Bedarf in bestimmten Patientengruppen sei der Widerstand des wissenschaftlichen Komitees der Arzneimittelbehörde eine gewisse Überraschung, kommentierte Analyst Peter Düllmann. Für gewöhnlich folge die EMEA der Empfehlung, so dass eine Zulassung in Europa unmöglich erscheine.
Andere Experten jedoch äußerten sich weniger skeptisch. Alexandra Hauber von JPMorgan etwa hält jetzt einige Umstrukturierungen im Onkologiebereich für möglich, die positive Impulse haben könnten. Sie blieb den Papieren gegenüber "Neutral".
Analyst Martin Possienke von der Investmentbank Equinet indes stufte die Merck-Titel von "Reduce" auf "Hold" hoch und ließ sein Kursziel von 65,00 Euro unverändert. 2009 hätten sich Aktien um 20 Prozent schwächer als der Leitindex und um 25 Prozent schwächer als die Papiere des Wettbewerbers Bayer entwickelt. Nun seien die meisten negativen Aspekte, die seinerzeit die Verkaufsempfehlung gerechtfertigt hätten, eingepreist. Ursprünglich hatte Possienke sein "Reduce"-Votum mit zu optimistischen Annahmen für Erbitux, mit zu hohen Konsensschätzungen bezüglich der Ertragskraft der Pharmasparte und mit einem wahrscheinlichen Rückgang des Geschäfts mit Flüssigkristallen begründet./la/nl
