Hab nachgesehen, der Artikel ist im gestrigen Sinkflug wohl untergegangen.
Verkauf der Handychip-Sparte:
Infineon schrumpft sich in die Nische
Der Münchener Chiphersteller Infineon verabschiedet sich aus dem Wachstumsmarkt Halbleiter für Mobilfunkgeräte. Das Unternehmen verkauft seine Sparte "Wireless" für 1,4 Mrd. Dollar (1,1 Mrd. Euro) an den Chip-Weltmarktführer Intel. Übrig bleibt ein kleines, aber deutlich gestärktes Unternehmen mit voller Kasse.
Artikel Multimedia Kurse von Matthias Eberle, Axel Höpner und Jens KoenenMerken Drucken Senden Bookmark Embedden
Infineon-Chef Peter Bauer will die Milliarden aus dem Verkauf der Handychip-Sparte in organisches Wachstum stecken. Quelle: dpa
NEW YORK/MÜNCHEN. Während Infineon mit der Trennung von der Handychip-Sparte die Sorge gewaltiger Zukunftsinvestitionen los ist, kann Intel endlich hier endlich seine Lücke schließen.
Die Transaktion soll im ersten Quartal 2001 abgeschlossen werden. Intel will den Kaufpreis komplett in bar bezahlen. Durch den Verkauf trennt sich Infineon von einem Drittel seines Umsatzes, will den Verlust aber durch den Ausbau des übrigen Geschäfts wettmachen. In den nächsten fünf Jahren wolle er die Fünf-Milliarden-Euro-Grenze wieder erreichen, sagte Vorstandschef Peter Bauer.
Infineon bleiben drei Bereiche
Infineon hatte sich auch von der Speicherchipsparte Qimonda getrennt. Das verbliebene Portfolio sei nun sehr stark miteinander vernetzt. "Ich sehe eigentlich nicht, dass es da noch Anpassungsbedarf gibt", sagte Bauer.
Den Verkauf der Wachstumssparte Mobilfunkchips begründet der Infineon-Chef so: Mobile Telefonie und Computer seien Märkte, die immer stärker zusammenwachsen. Um sich in diesem Markt zu behaupten, bedürfe es enormer Investitionen. Infineon habe sich bisher dank einer "cleveren Nischenstrategie" gut geschlagen, habe aber nicht die Größe, um auf Dauer mitzuhalten, ohne den anderen Bereichen die Investitionsmittel zu entziehen.
So bleiben Infineon die drei Sparten Automobiltechnik, Sicherheitstechnik und Industrielösungen, wo der Konzern jeweils als Weltmarktführer gilt und die höhere Gewinnspannen haben als die mobilen Prozessoren. Bei denen stehen zudem andere Namen an der Spitze, vor allem der Konkurrent Qualcomm. Analysten halten den Verkauf deshalb für richtig. Wegen der fehlenden Größe wäre es nach Einschätzung Theo Kitz von Merck Finck schwierig gewesen, die Margen von Wireless auf das Niveau des übrigen Geschäfts zu heben. Auch der Preis - etwas über dem Jahresumsatz für ein Geschäft mit einstelligen operativen Umsatzrenditen - sei in Ordnung, sagte Kitz.
Investoren waren am Montag allerdings anderer Meinung, die Infineon-Aktie verlor im Tagesverlauf etwa zwei Prozent. Sie hatten sich offensichtlich von jüngsten Prognosen von Branchenbeobachtern infizieren lassen, die einen Verkaufserlös von bis zu 1,5 Mrd. Euro vorhergesagt hatten.
Entscheidend ist für Analyst Kitz nun, was Infineon mit dem Geld anstellt. Insgesamt hat der Konzern nun mehr als zwei Mrd. Euro zur Verfügung. Sinnvoll sei es, im Kerngeschäft zuzukaufen, sagte Kitz. Allerdings müssten Akquisitionen gut geprüft werden, Infineon dürfe nicht übereilt handeln, weil gerade das Geld da ist.
Konzernchef Bauer gibt sich zurückhaltend: Er sprach von Investitionen in das organische Wachstum. Infineon wolle schneller wachsen als der Markt. Selbstverständlich seien auch Zukäufe vorstellbar. "Wir stehen derzeit nicht in Verhandlungen, aber dies ist ein sehr klares Segment unserer Strategie."
Intel kauft sanierte Sparte
Für Infineon ist dieser Verkauf eine eher ungewohnte Erfahrung. Denn die Veräußerung folgt einer gelungenen Sanierung. Nach der Pleite des Hauptkunden, der früheren Siemens-Handysparte BenQ Mobile, war das ohnehin renditeschwache Geschäft noch stärker unter Druck geraten. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte die Sparte bei einem Umsatz von 917 Mio. Euro einen Verlust von 36 Mio. Euro eingespielt.
Unter der Führung von Vorstand Hermann Eul, der nun zu Intel wechselt, wurden zuletzt zahlreiche neue Kunden gewonnen, darunter Apple mit seinem iPhone. Inzwischen ist die Sparte profitabel. Nach den ersten neun Monaten lag der Umsatz bei 883 (Vorjahreszeitraum 652) Mio. Euro, das Ergebnis betrug 50 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern einen Umsatz von 1,1 Mrd. Euro.