ATHEN (Dow Jones)--Die für dieses Wochenende erwartete Einigung über einen Schuldenschnitt Griechenlands wird es nun frühestens in der kommenden Woche geben. Die Gespräche zwischen Athen und seinen privaten Gläubigern befinden zwar auf der Zielgeraden. Details müssten aber noch ausgearbeitet werden. Dazu gehören auch Verhandlungen mit der Troika über einen neuen Milliardenkredit für das gebeutelte Land.
In Athen bemühten sich Politiker am Wochenende, nach hektischen Verhandlungen und der ausbleibenden Erfolgsmeldung Optimismus zu versprühen: "Wir sind wirklich nur einen Schritt von einer endgültigen Vereinbarung entfernt", sagte Finanzminister Evangelos Venizelos. "In der kommenden Woche werden wir in der Lage sein, die Gespräche abzuschließen." Dabei gehe es auch um ein neues Rettungspaket, ergänzte Venizelos.
Zuvor hatte der Politiker den ganzen Samstag über in Gesprächen mit privaten Gläubigern und der Troika aus Europäischer Kommission, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und Vertretern der Europäischen Zentralbank über ein neues Kreditprogramm diskutiert. Insgesamt sollen dem Land am Ende etwa 100 Milliarden Euro an Schulden erlassen werden.
Die Gespräche mit den privaten Gläubigern scheinen derweil im Kern bereits abgeschlossen zu sein. Eine informierte Person sagte, dass der Deal grundsätzlich ausgehandelt sei. Man warte aber nun mit der Verkündung, bis es auch eine Einigung mit der Troika über einen Sparkurs des Landes gebe, der für den neuen Milliardenmittel gefordert werde.
Der Verband der internationalen Banken (IIF) zeigte sich derweil zuversichtlich, in den kommenden Tagen den erwarteten Deal abschließen zu können. Ein Sprecher des Verbandes sagte, dass IIF-Chef Charles Dallara Athen am Sonntag verlassen werde aber weiterhin in engem Kontakt mit Griechenland und anderen Beteiligten stehen werde. Der IIF vertritt die privaten Investoren bei den Verhandlungen.
Knackpunkt der Gespräche war der durchschnittliche Zinssatz, den private Gläubiger für neue Staatsanleihen akzeptieren. Hier gab es nun offenbar einen entscheidenden Fortschritt: Einer informierten Person zufolge hätten sich die Gläubiger bereit erklärt, eine durchschnittliche Verzinsung von unter 4 Prozent für neue Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren zu akzeptieren.
Der IIF hatte bisher auf einer Untergrenze von 4 Prozent bestanden. Deutschland und der IWF haben darauf gedrängt, dass der Durchschnittszins nicht über 3,5 Prozent steigt, damit die neuen Anleihen langfristig für Griechenland finanzierbar bleiben.
Die Gespräche über den im Grundsatz bereits länger vereinbarten Schuldenschnitt waren in den vergangenen Wochen mehrfach ins Stocken geraten. Griechenland braucht die Einigung aber dringend, damit die Euroländer und der Internationale Währungsfonds ein zweites Rettungspaket für das hochverschuldete Land auf den Weg bringen.
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