für Daytrader ist - im intakten Uptrend - Dip-Buying "statistisch" sicherer und lukrativer als Spitzen zu shorten oder gar "Trendbrüche nach unten" zu traden (es gibt Bärenfallen en masse).
Ich möchte Dich allerdings daran erinnern, dass der SP-500 im Herbst 2008 die Gewinne der vorangegangen 12 Jahre in nur 6 Monaten restlos verbrannt hat.
Der Long-Handwerker kann im Daytrading zig mal hintereinander 1 % einsammeln. Der Short-Stratege hingegen kann in sechs Monaten Bewegungen mitnehmen, für die Buy-&Hold-Investoren (in die andere Richtung) 12 Jahre brauchten. Das Problem ist dabei natürlich der richtige Einstieg und das Durchhaltevermögen.
Fundamental halte ich zurzeit einen größeren Rücksetzer zwischen -10 bis -30 % in DOW/DAX/Nasdaq/SP-500 für möglich. Die Meute ist derart "besessen bullisch", dass es nach Abstrafung geradezu schreit. Margin (Long-Käufe "auf Kredit") ist auch schon wieder nahe Höchstständen. Es gibt für die BigBoyz nach unten daher "was abzuräumen".
Der Abverkauf könnte mMn sogar wieder flash-crash-mäßig kommen, weil so viele Maschinen-Trader (gehebelte Hedgefonds) unterwegs sind. Das würde für die Long-K.O.s hier mal wieder zum Trauma/Fiasko. Obige Strategie des Dip-Buyings ist daher recht riskant und erfordert rigoroses Money Management (MM) - und zwar umso mehr, je höher es steigt (Fallhöhe nimmt dann zu). Die aktuell immer tiefer sinkende Vola deutet anderseits auf immer mehr Bullen-Selbstzufriedenheit, bei der Risiken oft ausgeklammert werden. Die vielen kleinen 1 % Gewinne machen "siegesgewiss", bis es Einem am Tag X den K.o. zerhaut, weil man bei SL geschlampt hat. Hinzu kommt: Je mehr Trader MM betreiben, desto schärfer werden die Abstürze.
Gesittete Abverkäufe, die Derivate-Tradern genügend Zeit zum Ausstieg lassen, gibt es nur, wenn viele bullische Menschen-Trader mit der Zeit entnervt Gewinne mitnehmen. Das ist ein langsamer Prozess. Maschinen sind da rigoroser - und viel schneller. Hinzu kommt, dass jeder "Algo" MM eingebaut hat. Den letzten beißen nämlich sonst die Hunde.
Man sollte auch bedenken, dass Normalo-Anleger kaum mehr am Markt präsent sind (in D. ist die Aktionärsquote mit 3,4 % auf Tiefständen). Der Markt ist infolgedessen zu einem Haifisch-Teich voller Hedgefonds verkommen. Die sehen nicht tatenlos dabei zu, wie sich ihre mühsam - Auge und Auge, Zahn um Zahn - erzockten Long-Gewinne in Luft aufzulösen drohen. Ihre Algos ziehen dann sofort die Reißleine. D.h. Das Kino ist riesig, das Feuer brenzlig, die Ausgangstür winzig.
Stell es Dir so vor: Auf der einen Seite des Trades sitzt Du, mit Deinen long-K.O.s und einem Broker, der bei starken Rückschlägen nicht erreichbar ist ("bitte versuchen sie es später noch einmal"). Auf der anderen Seite sitzen maschinell hochgerüstete Profis mit schnellen Algos und HFT-Schnittstellen. Rate mal, wer da schneller "rauskommt", wenn es kracht?
Arbeitsthese: Was hysterisch steigt, geht schizophren runter.