Die Frage lässt sich so einfach nicht beantworten. Im Kern geht es auch nicht um links oder rechts. Wir befinden uns tatsächlich in einer postindustriellen Wirtschaft. Will sagen: Arbeitsplätze in klassischen Industrieberufen (Bspw. Stahlkocher, Fließbandarbeiter) nehmen anteilsmäßig ab. Ob das gut oder schlecht ist, ist nicht die Frage, es ist so.
Und ist es gut in diesen Berufszweigen Arbeitsplätze zu subventionieren? Wohl kaum. Es ist noch nicht einmal gerecht. Was wurde denn aus den Kohlekumpels? Denen wurde HOffnung gemacht auf Arbeitsplätze als bereits klar war, daß das nicht klappt. Es wurden noch Leute ausgebildet kurz vor der Massenschließung. Ist es gerecht jemanden auszubilden wohl wissend, daß er eigentlich nur zum Gang zum Arbeitsamt ausgebildet wird? Wohl kaum. Die klassischen Industriearbeitsplätze entstammen dem 19. Jahrhundert. Es wird keine Zukunft hierfür im 21. Jahrhundert in Deutschland geben.
Brauchen wir denn die Arbeiter nicht?
Wir sind keine nationale Insel, wie im 19.Jahrhundert. Wenn die Kohle in Australien, China etc.billiger gefördert werden kann, dann ist die Antwort klar. Nein, wir brauchen sie nicht. Das gilt auch für Fließbandarbeitsplätze etwas modernerer Natur.
Deutschland war noch nie rohstoffreich. Und gemessen an der Einwohnerzahl ist es ein sehr kleines Land. Seit dem Beginn der Neuzeit wurden beide Nachteile mit dem einzigen Mittel das übrig bleibt ausgeglichen. Wissenschaft und Forschung. Keine Prärie? Gut, dann halt eben Düngemittel und moderne Landwirtschaft. Keine Rohstoffe? Gut, dann halt eben voll in die Forschung, Verarbeitung, Veredelung von Rohstoffen mit wissenschaftlichen Mitteln. Hierfür ein Beispiel:
Nach dem zweiten Weltkrieg war die Chemieindustrie ein großes Standbein der Wirtschaft. Ist es heute auch noch. Aber mittlerweile gibt es viele Länder mit vergleichbaren Möglichkeiten in der Grundstofferzeugung. Was ist zu tun? Der Mann meiner Bürokraft arbeitet in den früheren Farbwerken Höchst. Heute produzieren die Ersatzstoffe für FCKW. Diese sind in der Herstellung schwierig. Indien kann dies noch nicht. Deutschland hatte die Nase vorn. Nicht weil wir die Rohstoffe haben. Vielmehr weil wir bereits in der Forschung an die Zukunft dachten als andere noch damit beschäftigt waren überhaupt die gRundstoffindustrie aufzubauen. Dies gilt sinngemäß für alle Wirtschaftszweige. Haben wir nicht die Nase vorn, dann sind andere billiger und wir werden vom Markt gefegt.
Ist das jetzt ungerecht? Wohl kaum. Die schlesischen Weber heulten über die industrielle Erzeugung von Stoffen und Kleidung durch Industriearbeiter. Die Industriearbeiter heulen vielleicht über die postindustrielle Produktionsweise. Aufhalten kann man das nicht.
Ist es wenigstens links zu heulen, weil man ein Gewissen hat? Wohl kaum. Ungerecht ist es Industriearbeiter auszubilden die keiner gebrauchen kann. Wer da unnötige Hoffnung erweckt, schadet Personen mit Hauptschulabschluß.
Was ist in dieser Situation links?
Ganz einfach. Dafür zu sorgen, daß jeder die Möglichkeit hat eine qualifizierte Schul- und Hochschulausbildung zu bekommen. Egal aus welcher Schicht/Klasse er stammt. Rechts ist es dieses zu verhindern. Bezeichnenderweise war es eine der ersten Maßnahmen der Kohl/Genscher-Regierung das BaföG als Zuschuß abzuschaffen und es nur noch als Darlehen zu gewähren. Es ist klar, wer hierunter litt und wer nicht.
Fazit: Gesamtschule, BaföG etc. sind links. Ausbildung zum klassischen Malocher ist es nicht.
Und so kommt eins zum anderen. Wir können als Gesellschaft, Staat gar nicht mehr überleben ohne soviel wie irgendmöglich in Forschung und qualifizierte Ausbildung zu stecken. Und im Ergebnis ist dies sowohl links als auch rechts. Es ist einfach richtig.