Börse ist ein Massenphänomen und daher ist es nur eine Frage, was die Massen bewegen (könnte).
Und sollte der DAX neue Höchststände erreichen, könnte die niedrige Bewertung ein gutes Argument für die Analysten sein, um die Anleger weiter in Aktien zu treiben und die Kurse nach oben zu pushen.
In der Historie gab es immer wieder mal solche Phasen der Untertreibung, die früher oder später aber immer aufgelöst wurden.
Aber auch der umgedrehte Fall, was sehr hoch gestiegen ist, fällt fast immer tief. Dies muss auf einzelne Aktien wie z.B. Apple nicht zutreffen, doch ein gutes Beispiel ist hier Gold, das momentan sehr hoch gestiegen ist und es somit viele Gründe gäbe, Gold zu verkaufen, wenn die Konjunktur weiter nach oben läuft und sich die Schuldenprobleme deutlich relativieren. Dann wird Gold deutlich einbrechen und spekulative Anleger ihre Gewinne mitnehmen und davon gibt es sehr viel davon.
Ergo Börse ist und bleibt immer ein Massenphänomen und da können unterschiedliche Dinge die Massen bewegen.
Genauso funktioniert ja letztendlich auch die Charttechnik, die nur eine gewisse Zuverlässigkeit hat, weil es eben ein reines Massenphänomen ist, andernfalls würde Charttechnik gar nicht funktionieren.
Gleiches gilt z.B. für Stimmungsindikatoren, die ebenfalls ein Massenphänomen sind. Jedoch mit den Unterschied, dass sie Potenziale offenbaren, die die Charttechnik nicht tut.
U.a. erwähne ich es gerne immer wieder, nahezu jede Rally entsteht nicht aus einem "gesunden" Chart oder positiven Chartsignalen heraus, sondern findet ihren Ursprung schon viel früher, nämlich dann, wenn die Situation "verfahren" scheint.
Und an dieser Stelle geben Stimmungsindikatoren "ausnahmsweise" mal die zuverlässigeren Signale als es die Charttechnik tut, denn die Charttechnik gibt erst bei einem DAX-Kurs um 6400 Punkte alle Ampeln auf Grün, doch dann hat man schon locker mal 30 bis 50% der Rally verpasst.
Was ich damit sagen will ist, dass Charttechnik sups und res nicht als Einziges die Signale liefern, sondern jede Situation und jeder Anlagetyp eine entsprechende Methodik verlangt.
D.h. für mich sind in Zeiten wie wir sie momentan sehen eben charttechnische Signale weniger wichtig als Signale von Stimmungsindikatoren. Ist der DAX dann auf über 6500 gestiegen, dann wird auch für mich die Charttechnik wieder stärker in den Mittelpunkt rücken und die Stimmungsindikatoren in den Hintergrund.
Quasi gibt es für jede Börsenlage den passenden Indikator und genau dies macht es ja so schwierig an der Börse zu handeln, denn man muss sein System ständig anpassen.
Alternativ kann man natürlich Daytrading betreiben, wie es viele Anleger hier tun und dann rücken übergeordnete Bewegungen sowieso in den Hintergrund. Doch 80% der Daytrader gehören letztendlich zu den Verlierern, weil sie eben mit verschiedenen Dingen zu kämpfen haben und die Charttechnik eben nicht in allen Lagen verlässliche Signale liefert.
U.a. kenne ich einen Fall, indem ein damals befreundeter Daytrader nach Charttechnik sehr erfolgreich handelte und dann aus 7000€ binnen einem Jahr 20000€ machte, bis zu dem Tag X an dem er an einem Tag wiedermal schön nach Charttechnik handelte und dann unverhofft ein Herr Greenspan die Zinsen plötzlich um 0,5% gesenkt hatte, was zu einem ShortSqueeze führe und die Aktie binnen weniger Minuten um 30% und DAX sowie Dow um 5% hat nach oben schnellen lassen. Die Shorties wurden daraufhin "zwangsgecovert" und ein Großteil des Einsatzes war weg. Der Abwärtstrend im Chart war nach oben durchbrochen und scheinbar stabilisiert, doch denkste, wenige Wochen später wieder verloren.
Die Charttechnik hatte in diesem Zeitraum mehrmals versagt, durch die er ein Jahr lang sehr gut gefahren ist.
Im Nachhinein, wenn dann der DAX über 6500 steht, wird dann jeder wieder behaupten, dass ich nur Glück hatte, doch Glück ist ja bekanntlich mit dem Tüchtigen ;-)
Also schauen wir wie es nächste Woche weitergehen wird.