Stratege: Konjunkturerholung nicht gegeben / S&P 500 könnte schwer einbrechen
von Christoph Huber
Donnerstag 17.06.2010, 17:52 Uhr
New York (BoerseGo.de) - Das aktuelle Umfeld an den Börsen macht es für Anleger sehr schwer, um eine wesentliche Geldgewinnung zu erzielen. Dies erklärte der Chef des Informations-und Beratungshauses A. Gary Shilling & Co., Gary Shilling gegenüber Tech Ticker. Ein Problem ergebe sich insbesonders aus lang ausgerichteten Aktien-Portfolios. Die beste Strategie biete sich aus einer höchst möglichen Portfolio-Diversifizierung mit voneinander unabhängigen Vermögensanlagen. Dabei müsse die Bedachtnahme erfolgen, dass Vermögensanlagen vom Auf und Ab der Märkte im Zusammenhang mit den Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Belebung und dem Risiko einer Deflation profitieren.
Der als Konjunkturpessimist geltende Shilling vertrat niemals den Glauben an eine tatsächliche Erholung. Der Aktienmarkt ist daher nach seiner Ansicht der Realität weit vorausgelaufen. Es gebe eine Drittel-Chance, dass der S&P 500-Index vor dem Ende des Bärenmarkts einen Rückfall bis an dessen Tief vom März 2009 bei 666 Punkten erleidet. Hinsichtlich der als sicherer Hafen geltenden langlaufenden US-Staatsanleihen geht der Stratege bei 30jährigen Papieren von einem Renditeanstieg von über 30 Prozent auf 3 Prozent aus. Gegenüber Null-Coupon-Anleihen würde in diesem Fall die 30jährige Rendite um rund 55 Prozent zulegen. Dadurch gebe hier eine gute Chance. Er glaubt nicht daran, dass aus Aktien eine ähnliche Gewinnerzielung möglich ist.
Shilling hält eine Long-Position beim Dollar im Vergleich zum Euro, britischen Sterling und australischen Dollar. Seine Short-Position zum australischen Dollar erkläre sich aus dessen Spekulation über eine Verlangsamung der konjunkturellen Aktivitäten in China. Australien habe sich mittlerweile zu einer chinesischen Kolonie entwickelt. Ein Abschwung in China gehe mit einer Nachfrageverlangsamung nach australischen Rohstoffen wie vor allem Kupfer einher.
Die von Shilling abgegebenen sehr negativen Prognosen beinhalten unter anderem die Sichtweise, dass die Eurozone einem Kollaps entgegen steuert und dadurch eine neue weltweite Finanzkrise zum Entstehen kommt. Zudem dürften die allgemeinen Sparanstrengungen zu schweren Wachstumseinbußen führen. Weiters gleiche die weltweite Staatsverschuldung dem US-Subprime-Hypothekenmarkt. Der Dollar profitiere wegen seinem Status als sicherer Hafen von diesen Risiken. Gleichzeitig würden dadurch Verantwortungsträger ein falsches Gefühl der Sicherheit über die Fähigkeit der USA zur Fortsetzung ihrer Ausgabenverschwendung vermittelt erhalten.
Darüber hinaus sei der US-Aktienmarkt auf langfristiger P/E-Basis als teuer zu bezeichnen. Ein Abschwung sei schwer vorherzusagen. Ein derartiges Szenario laufe in vorsichtigen Schritten ab. Daraus entstehe eine Auswirkung auf die Stimmung unter Investoren und deren Marktverhalten. Ansonsten habe er keine Sorge über Inflation oder das Entstehen einer Hyperinflation und zieht derartige Entwicklungen nicht in Betracht.