Ein psychologisches Problem, das ich sehe, ist: Beim 1000-Punkte-Sturz des DOW am letzten Donnerstag wurden aus dem Nichts alle K.O.s bis runter auf DOW 10.000 ausgeknockt (gilt entsprechend auch für die anderen Indizes). Viele Trader waren "machtlos", weil die Emmis keine Kurse stellten. Sie lagen damit auf der Schlachtbank von GS und Co, die bei diesem Move - erst runter, dann wieder rauf - Hunderte von Millionen einsackten. Das Geld stammt teils von den "Ausgeknockten" hier.
Das Ganze dürfte sich negativ auf das Dip-Buying auswirken. Wer kann jetzt noch ruhig schlafen, wenn er z. B. einen DAX-K.O. mit Exitus bei 5500 im Depot hat? Eine Laune von Goldman, und das Ding ist tot.
Betroffen sind nicht nur die relativ wenigen Trader, die mit K.O.s handeln, sondern auch Millionen von Normalinvestoren, die vorsorglich Stopp-Loss gesetzt hatten. Selbst wer 10 % Sicherheit eingebaut hatte, was normalerweise nur bei Krieg oder ähnlichen Horrorszenarien über Nacht getriggert wird, sah plötzlich, dass seine Aktien - selbst solide Standardwerte - plötzlich und ohne erkennbaren Grund zu Tiefstkursen rausflogen. Manche Procter&Gamble verschwand für 2 Dollar aus dem Depot, um am Ende des Handelstag wieder bei 50 zu stehen. Auch hier konnten viele Kleinanleger wenig machen, weil auch der Aktienhandel für sie nicht möglich ist, wenn das Portal des Onlinebrokers nicht erreichbar, das Telefon der Bank besetzt und sowieso "Alle überlastet" sind.
Auf der anderen Seite dieses "Trades" sitzen die zynisch grinsenden Teufel von Goldman, deren High-Frequency-Tradingmaschinen (HFT) immer am Markt sind und in jeder Sekunde, wo ein Onlinetrader seine PINs sucht (in der trügerischen Hoffnung, der Emmi sei noch erreichbar), Millionen Stücke kaufen und verkaufen - dabei eben auch die, für die er SL gesetzt hatte. Weder kann der Trader/Investor dieses SL löschen, noch kann er die ausgestoppten Aktien, wenn es danach rasend schnell wieder hochgeht, zu einem vertretbaren Preis zurückkaufen. Ein kalkulierter Raubzug.
An dem dem Minus-1000-Punkte-"Blitz" verdienen fast nur die Goldmänner und JPMorgänner - und zwar reichlich. Das Unfaire ist die "technologische Schere": Auf der einen Seite die Zyniker mit ihren HFT-Maschinen, auf der anderen Seite der Kleinanleger mit seinem konservativ tiefem SL und dem besetzten Telefon der Hausbank.
Wäre es wirklich weiter runtergegangen, hätten die SL oder K.O.s ja auch geschützt und genützt. Im Prinzip sind SL notwendige Mittel zur Risikobegrenzung. Wenn dies aber von den vereinigten Goldmännern gezielt für Missbräuche (SL fishing) missbraucht wird, dann ist das Vertrauen der Anleger in einen fairen Markt bald (komplett) erschüttert.
Konsequenzen: Ich rechne damit, dass sich die Erfahrung der letzten Woche dahingehend auswirken wird, dass die Dip-Buyer nun sehr viel vorsichtiger und mit kleineren Posis zu Werke gehen. Diejenigen, die vor zwei bis drei Wochen erst eingestiegen sind (bei DOW über 11000 bzw. äquivalente Stände hier), zählen zu den "gefangenen Longs" (trapped longs), die nun auch 5 bis 10 % Buchverlust sitzen. Auch sie müssen fürchten, dass GS und Co. erneut ein HFT-Fiasko inszeniert, um an ihrer Handlungsunfähigkeit (bei gesetzten SL) zu verdienen. Dies sorgt für "Overhead Resistance": Erholungen wie gestern wurden in USA abverkauft.
Ohne die bisherige Basis der Dip-Buyer aber fehlt den Märkten die bislang so wichtige Unterstützung. Die Gier, bei Rücksetzern billig einsteigen zu können, wich der Angst, im Maschinen-Trading der Großzocker beschissen zu werden. Die führt trendenziell zu "mehr willigen Verkäufern als Käufern" - und im Endeffekt zu einer größeren (+ 20 %) Marktkorrektur, wie man sie in den letzten Wochen übrigens in China sah.
GS und Co. scheinen zurzeit das Spiegelbild ihre Aktivitäten während der langen Hausse zu spielen. Die Anstiege von März 2009 bis Winter 2010 "passierten" zu 85 % außerbörslich. Zockerbanken nutzten den im Vergleich zum US-Handel dünnen "außerbörslichen Handel" (aus US-Sicht) - und dabei besonders gern den dünnen Asienhandel - zum gezielten Hochzocken der Indizes via Futures.
Nun scheinen sie den dünnen Asienhandel zum Drücken zu benutzen, was auf einen "Change of market character" hindeutet. Goldman und Co. setzen neuerdings offenbar auf Short:
EUR/USD steht heute knapp über 1,26 - gerade mal 1 Cent über dem Paniktief von letzter Woche. Nach dem EU-Bailout am WE schoss das Paar kurz auf 1,31, doch die Rallye wurde innerhalb von zwei Tagen komplett abverkauft.
SP-500 wurde vom Paniktief bei 1060 am Donnerstag bis auf 1170 (gestern, zwei Stunden vor US-Handelsschluss) hochgekauft und steht heute morgen vorbörslich schon wieder bei 1143.
Es ist mMn kein Zufall, dass solche Shortattacken von den GS-Pokerspielern dann gefahren werden, wenn das bulilsche Sentiment der Kleinanleger am Anschlag steht. Es war vor dem 1000-Punkte-Sturz so hoch wie zuletzt im Herbst 2007 bei den letzten ATH der Indizes...