SEC Klage gegen Goldman Sachs
18. April 2010
Überblick
 Am Freitag, den 16. April hat die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC eine
zivilrechtliche Klage gegen Goldman Sachs zu einer einzelnen Transaktion des Jahres
2007 eingereicht, die zwei professionelle Investoren betrifft, IKB und ACA Capital
Management (ACA). Wir sind der Ansicht, dass die Anschuldigungen der SEC rechtlich
und sachlich vollkommen unbegründet sind und werden uns gegen die Anschuldigungen
mit allen Mitteln zur Wehr setzen.
 Der Kern der SEC-Anschuldigungen basiert auf der Ansicht, dass einer unserer
Angestellten diese zwei professionellen Investoren getäuscht hat, und zwar, indem er es
unterlassen hat die Rolle eines anderen Marktteilnehmers, Paulson & Co. zu
beschreiben. Goldman Sachs trage die Verantwortung für daraus resultierende in
erheblichen Punkten falsche Angebotsunterlagen.
 Goldman Sachs würde es niemals dulden, dass einer unserer Angestellten
irgendjemanden täuscht, sicherlich auch nicht Investoren, Gegenparteien und Kunden.
Wir nehmen unsere Verantwortung als Vermittler von Finanzprodukten sehr ernst und
denken, dass Integrität das Herzstück unserer Geschäftstätigkeit ist.
 Wenn irgendwann glaubwürdige Beweise auftauchen, die ein täuschendes Verhalten
nahe legen, sind wir die ersten, die dies verurteilen und alle notwendigen Maßnahmen
ergreifen.
 Diese spezifische Transaktion wurde bereits über einen Zeitraum von 18 Monaten von
der SEC untersucht. Auf der Grundlage sämtlicher Informationen, die wir hierüber
erhalten haben, sind wir sind der Auffassung, dass die Vorgehensweise von Goldman
Sachs vollkommen angemessen war. Wir werden alle Schritte ergreifen, um Goldman
Sachs und seine Reputation zu verteidigen, indem wir die Fakten bekannt machen.
 Auch die SEC geht nicht davon aus, dass die beiden professionellen institutionellen
Investoren nicht wussten, was sie kaufen, oder dass die Wertpapiere, die in diese
privatplatzierte Transaktion aufgenommen wurden, auf irgendeine Weise fehlerhaft
waren. Die Institutionen waren erfahrene Investoren im CDO-Markt.
 In dieser privaten Transaktion agierte Goldman Sachs als Vermittler, der zwei Kunden
bei der Realisierung ihrer Anlageziele unterstützte. Die Angebotsunterlagen legten
ausführlich alle Wertpapiere des Referenzportfolios offen, ähnlich wie dies von der SEC
für öffentlich platzierte Transaktionen verlangt wird. Die Materialien beinhalteten alle
notwendigen Informationen, um das Portfolio zu verstehen und zu bewerten.
 In dem Auswahlprozess für das Referenzportfolio prüfte ACA Capital Management - als
Portfolio Selection Agent verantwortlich für die Auswahl des Portfolios und gleichzeitig
größter Investor der Transaktion (US$ 951 Mio., der andere professionelle Anleger
investierte US$ 150 Mio.) - jedes Wertpapier des Referenzportfolios durch eigene
Modelle und Analysemethoden. ACA lehnte eine Vielzahl von Wertpapieren, die Paulson
& Co. vorschlug, insgesamt mehr als die Hälfte der ursprünglichen Vorschläge, ab. ACA
Capital Management erhielt eine Vergütung für ihre Rolle als Porfolio Selection Agent
und für die Analyse und Genehmigung des Referenzportfolios.
 Bei der Klageschrift der SEC geht es um Offenlegungen bei einer einzelnen Transaktion
mit professionellen Investoren mit umfangreicher Erfahrung im relevanten Markt. Einige
wichtige Punkte, die nicht in der Klageschrift der SEC aufgeführt sind, möchten wir
hervorheben:
o Goldman Sachs hat bei dieser Transaktion Geld verloren. Goldman Sachs
machte selbst einen Verlust von mehr als 90 Mio. US$ bei der Transaktion. Unser
Honorar betrug 15 Mio. US$. Wir haben selbstverständlich kein Portfolio mit dem
Ziel Verluste zu machen strukturiert.
o Objektive Offenlegungen wurden bereitgestellt. Die Transaktion beinhaltete ein
statisches Wertpapierportfolio und wurde nur an erfahrene Finanzinstitute
vermarktet. Den beiden Investoren - IKB, einer großen deutschen Bank und einem
erfahrenen Akteur am CDO-Markt, und ACA Capital Management - wurden
umfangreiche Informationen über die zugrunde liegenden Hypothekenpapiere zur
Verfügung gestellt. Den Investoren, die im Bereich Hypothekenpapiere zu den
erfahrendsten Investoren der Welt gehören, waren die mit diesen Wertpapieren
verbundenen Risiken bekannt. Ihnen war auch bewusst, dass es bei einer
Transaktion mit synthetischen CDO-Papieren zwangsläufig eine Seite mit Long- und
eine mit Short-Positionen geben muss.
o Goldman Sachs hat niemals ACA gegenüber behauptet, dass Paulson als
Long-Investor beteiligt sein würde. In der Klageschrift der SEC wird Goldman
Sachs Betrug vorgeworfen, weil Goldman Sachs einer Partei der Transaktion nicht
mitgeteilt hatte, wer auf der anderen Seite der Transaktion stand. Nach gängiger
Geschäftspraxis geben Marketmaker nicht dem Verkäufer die Identität des Käufers
bekannt und umgekehrt. Goldman Sachs hat niemals ACA gegenüber behauptet,
dass Paulson als Long-Investor beteiligt sein würde.
o ACA, der größte Investor, wählte das zugrunde liegende Portfolio aus. Das aus
hypothekarisch besicherten Wertpapieren ("Mortgage-Backed Securities" - "MBS")
bestehende Portfolio für diese Transaktion wurde nach einer Reihe von Gesprächen
- u. a. mit Paulson & Co. -, die bei dieser Art von Transaktion absolut üblich sind, von
einer mit der Portfolioauswahl betrauten, unabhängigen und erfahrenen Stelle
ausgewählt. ACA investierte 951 Mio. Dollar und war damit am stärksten an der
Transaktion beteiligt. ACA war verpflichtet und hatte jeden Anreiz dazu, geeignete
Wertpapiere auszuwählen.
Wer waren die an der Transaktion beteiligten Investoren?
Die an der Transaktion beteiligten Investoren waren ACA Capital Management, ein anerkannter
Collateral (Sicherheiten) Manager und Investor in CDOs, und IKB, die zum damaligen Zeitpunkt
als einer der weltweit erfahrendsten und versiertesten Investoren in CDOs galt.
Was ist ein synthetischer CDO?
Ein synthetischer CDO (Collateralized Debt Obligation) weist ähnliche Merkmale wie
Terminkontrakte auf: Erforderlich sind zwei Parteien, die unterschiedliche Erwartungen an die
künftige Entwicklung eines Marktes oder insbesondere eines Finanzprodukts haben und
dementsprechend eine Verkaufsposition (Short) oder Kaufposition (Long) eingehen.
CDOs sind Schuldverschreibungen, die durch Verbindlichkeiten besichert werden, vielfach auch
durch hypothekarisch besicherte Wertpapiere. Diese Wertpapiere werden gebündelt
(„packaged“) und durch eine Gesellschaft gehalten, die für diesen Zweck errichtet wurde
(Special Purpose Vehicle, „SPV“). Das SPV emittiert Schuldverschreibungen, die ihre Inhaber
zum Empfang von Zahlungen berechtigen, die sich aus den der Schuldverschreibung zugrunde
liegenden Vermögenswerten ableiten. Bei einem synthetischen CDO hält das SPV nicht das
Portfolio der tatsächlichen festverzinslichen Vermögenswerte, nach dem sich die
Zahlungsansprüche der Investoren richten. Das SPV schließt vielmehr einen Credit Default
Swap (CDS) ab, der die Entwicklung des Portfolios widerspiegelt. Das SPV hält verschiedene
separate Wertpapiere als Sicherheiten, die es verwendet, um seine Zahlungsverpflichtungen zu
erfüllen.
Welche Auswirkungen hat die Maßnahme der SEC auf den gesamten Markt für CDOs?
Die Anschuldigungen der SEC beziehen sich auf eine einzelne Transaktion aus dem Jahr 2007
und gründen sich auf eine Reihe sehr spezifischer Anschuldigungen. Weite Auswirkungen auf
den gesamten Markt für CDOs sind wohl nicht zu erwarten.
Wer hat die Wertpapiere für das spezifische Portfolio ausgewählt?
ACA hatte das alleinige Recht und die alleinige Verantwortung für die Auswahl des Portfolios.
ACA hat im Rahmen der faktischen Ausübung dieses Rechts auch Informationen von anderen
Parteien, die an der Transaktion teilgenommen haben, erhalten. ACA hat als Portfolio Selection
Agent oder Collateral Manager zahlreiche andere Transaktionen betreut. Zweifel an einem
interaktiven Auswahlprozess bestanden nicht. ACA hat auf ihre eigenen Erfahrungen und
Modelle zurückgegriffen, um die zugrunde liegenden Wertpapiere zu prüfen und zuzulassen.
ACA hat die Wertpapiere, die zur Einbeziehung in das Portfolio vorgeschlagen wurden, ihren
eigenen Modellen und Analysen unterzogen.
Welche Funktion übernimmt Goldman Sachs bei der Durchführung solcher
Transaktionen?
Goldman Sachs handelt als Vermittler, durch den ihre Kunden Kauf- oder Verkaufspositionen
hinsichtlich des Referenzportfolios eingehen können. Goldman Sachs übernimmt häufig die
Gegenposition einer Kundenposition, um eine Transaktion durchführen zu können. Wie in den
Angebotsunterlagen zu dieser Transaktion den Kunden gegenüber offen gelegt, kann Goldman
Sachs diese Position dann halten oder veräußern, um ihr eigenes Risiko zu erhöhen,
reduzieren oder eliminieren.
War die Aufklärung gegenüber Investoren angemessen?
Die Angebotsunterlagen enthielten eine umfassende, objektive Aufklärung. Die Investoren
verfügten über sämtliche Informationen, die für das Verständnis und die Bewertung der
zugrunde liegenden Wertpapiere erforderlich waren.
Welche Rolle haben ABN Amro / RBS in dieser Transaktion übernommen?
ABN hat einen Credit Default Swap über US$ 909 Mio. vermittelt, der das Portfolio zwischen
Goldman Sachs und ACA widerspiegelte. ABN hat das Kreditrisiko von ACA übernommen, dass
ACA seine Zahlungsverbindlichkeiten unter dem Credit Default Swap bei Fälligkeit nicht erfüllen
kann. Als das Portfolio erhebliche Abschreibungen erleiden musste, war ACA letztlich nicht in
der Lage seinen Zahlungsverbindlichkeiten unter dem Credit Default Swap nachzukommen und
ABN musste entsprechende Zahlungen leisten.