Ein reiner Selbstbedienungsladen
von Georg Pröbstl, Chefredakteur Value-Depesche.ch
wie bei VW und VW zahlt gut !
Liebe Leserin, lieber Leser
jetzt wird gefeilscht und gerechnet. Der EU Haushalt mit einer
Laufzeit bis 2020 steht zur Diskussion und ist vorerst gescheitert.
Die Briten wollen extra Rabatt, die Deutschen sollen mehr netto
zahlen. Weil der Zuschuss zum Agrarbereich fällt, soll der deutsche
Nettobetrag auf zehn Milliarden Euro im Jahr steigen. Kein Wunder,
dass Deutschland fordert, die EU-Beamten sollen weniger Geld
bekommen.
Ein Blick auf den Haushaltsplan � konkret für Verwaltung � ist
vielsagend. Wie viele Beamte und Mitarbeiter die EU beschäftigt, ist
nicht so einfach herauszufinden. Es gibt zahllose Organisationen.
Dabei kursieren Zahlen von rund 45.000 bis 50.000 Mitarbeitern. Aber
egal, ob nun etwas weniger oder mehr: Im EU Haushalt sind für 2012
für Verwaltung 8,3 Milliarden Euro vorgesehen. Lassen wir die Zahl
der EU-Bediensteten bei 50.000 liegen. 8.300.000.000 Euro: 50.000
Mitarbeiter = 166.000 Euro Verwaltungskosten für jeden Mitarbeiter
der EU in 2012.
Nehmen wir einmal ein profitables Wirtschaftsunternehmen wie VW oder
Siemens. 2011 beschäftigte VW weltweit 501.956 Mitarbeiter und hatte
dabei Vertriebs- und Verwaltungsaufwendungen in Höhe von 19,0
Milliarden Euro. Für Siemens arbeiteten im vergangenen Jahr 103.624
Menschen � also zumindest doppelt so viele, wie für die EU. Die
Vertriebs- und Verwaltungskosten bei Siemens lagen 2011 bei 10,3
Milliarden Euro. In diesen beiden Kostenblöcken der DAX-Konzerne
sind neben Personal auch noch zum Beispiel Kosten für Porto, Werbung
oder diverse Abschreibungen drin. Seien wir jetzt aber nicht
kleinlich und schätzen wir einfach, dass bei VW von den 19,0
Milliarden Euro an Vertriebs- und Verwaltungskosten drei Milliarden
nicht für Personal verwendet werden und bei Siemens zwei Milliarden
Euro nicht den Mitarbeitern zu Gute kommen. Aber selbst dann kann
man es immer noch drehen und wenden wie man will � die EU gibt für
Verwaltung pro Mitarbeiter rund fünf mal soviel aus wie VW und in
etwa doppelt so viel wie Siemens!
Jetzt kann man natürlich sagen � ja, aber Siemens und VW
beschäftigen auch Leute in Afrika, Asien und Südamerika, die
vielleicht generell nicht so viel verdienen. Ich sage dann aber �
auch die EU beschäftigt Leute aus Niedriglohnländern etwa Estland,
Lettland, Litauen, Rumänien, Bulgarien, Polen, Tschechien und nicht
zu vergessen Griechenland. Trotzdem ist das Lohnniveau bei
EU-Mitarbeitern wohl zumindest doppelt so hoch wie bei profitablen
DAX-Größen!
Einige EU-Parlamentarier monieren, dass in der EU immer mehr
Bereiche installiert werden, bei denen das Budget nicht kontrolliert
wird.
Nimmt man die Verwaltungskosten, steigt der Verdacht, dass es sich
hier um einen Selbstbedienungsladen handelt! Wenn Sie auch diese
Vermutung haben, sollten Sie Ihrem Bundestagsabgeordneten schreiben:
newsletter.ftrend.info/go/7/N7SH0KN-N718ZBO-N718ZBC-24SD25.html
Georg Pröbstl ist Chefredakteur des Börsenbriefs Value-Depesche.ch