Die Konjunkturstimmung in Deutschland bleibt verhalten. So beurteilen die vom ZEW befragten Finanzanalysten die aktuelle Konjunkturlage zum sechsten Mal in Folge schlechter. Und auch der Konjunkturausblick hat seinen Abwärtstrend nach einer zweimonatigen Unterbrechung wieder aufgenommen und spiegelt vor allem die enttäuschten Hoffnungen der Analysten auf eine politische Lösung der Euro-Krise wider. Selbst die Gründung der „Romanischen Schuldenunion“ trägt laut ZEW vorerst nicht zu einer nachhaltigen Beruhigung und damit einer Besserung der Konjunkturstimmung bei.
Euro-Politik spielt wieder Hauptrolle an den Finanzmärkten
Ein früheres Handicap scheint wieder an Bedeutung zu gewinnen: Die politische Euro-Krise. Ohne Lösung der offenen Fragen bleibt ein Handicap für die Finanzmärkte erhalten, das selbst die Notenbanken nicht wegretuschieren können.
Wann kommt man zu klaren Beschlüssen in punkto Griechenland? Mit einer Wirtschaft, die im III. Quartal 2012 gegenüber dem Vorjahr um 7,2 Prozent und damit 17 Quartale in Folge geschrumpft ist, lässt sich definitiv keine nachhaltige Schuldentragfähigkeit erreichen. Auch eine Fristverlängerung bis 2016 wird außer einem politisch gewünschten Zeitgewinn - im nächsten Jahr sind Bundestagswahlen - keinen Erfolg bezüglich der Sanierung der griechischen Volkswirtschaft im Euro-Korsett zeigen. Allein diese Verlängerung wird die Gläubigernationen über 30 Mrd. Euro kosten. Griechenland bleibt ein permanenter Empfänger von Transfergeldzahlungen, die jedoch nie zurückgezahlt werden können.
Auch sollte man die Gefahr sozialer Unruhen nicht unterschätzen. Hat man gar keine Perspektive mehr, droht das Land unregierbar zu werden. Als einzige Lösung bleibt der Euro-Austritt, um eine wettbewerbsfähigkeitssteigernde Abwertung zu ermöglichen. Die griechische Bevölkerung hat einen Neustart verdient.
Wenn aber die Politik Griechenland entgegen jeder wirtschaftlichen Vernunft unbedingt in der Eurozone halten will, dann muss sie aber auch Farbe bekennen und den Wählern unangenehme Wahrheiten zumuten. Auch für die IWF-Chefin Lagarde scheint kein Weg an einem radikalen Schuldenerlass - selbst wenn es für den deutschen Steuerzahler schmerzhaft ist - vorbei zu gehen. Je länger der wackelpuddingartige Status Quo unklarer, auf die lange Bank geschobener Entscheidungen anhält, umso länger bleibt Griechenland ein nachhaltiger Beunruhigungsfaktor für die euroländischen Finanzmärkte
Was passiert nächste Woche?
Auf Unternehmensebene präsentiert mit ThyssenKrupp das letzte Unternehmen aus dem DAX seine Quartalszahlen. Der Stahlproduzent dürfte den konjunkturellen Gegenwind der Weltwirtschaft im III. Quartal zu spüren bekommen haben.
Unterdessen dürften die euroländischen Einkaufsmanagerindices ihren Abwärtstrend fortsetzen. Das gilt zunächst auch für den ifo Geschäftsklimaindex. Insbesondere die ifo Geschäftslage wird dabei erneut verhaltener gesehen, wobei sich die ifo Geschäftserwartungen allerdings weiter stabilisieren und auf eine Besserung der wirtschaftlichen Situation 2013 hindeuten.
In Amerika stehen die Daten vom Immobilienmarkt im Fokus. Nach einem starken Vormonat dürften die Baubeginne und -genehmigungen - auch Hurrikan Sandy geschuldet - zwar vergleichsweise schwächer, aber grundsätzlich robust ausfallen. Der Wohnungsmarktindex der nationalen Bauherrenvereinigung bleibt aufwärtsgerichtet. Der US-Immobiliensektor erweist sich damit weiterhin als eine solide Stütze für die US-Gesamtwirtschaft.
Wichtig für die Entwicklung an den Börsen bleibt das Geschehen auf der politischen Ebene. In Euroland muss man auf dem außerordentlichen Treffen der Eurogruppe zur Griechenland-Rettung dringend zu einer Lösung kommen, um die politische Unsicherheit zu begrenzen, die negativ auf die Wirtschaft in der Eurozone ausstrahlt. Dabei sind politische Unwägbarkeiten mit Kollateralschäden für die Finanzmärkte nicht auszuschließen.
In Amerika wird die Diskussion über das Umschiffen der fiskalischen Klippe weitergehen. Auch wenn man sich schließlich einigen wird, sind vorerst Störmanöver für die Finanzmärkte möglich. Negativdruck kann sich auch aus dem Nahost-Konflikt ergeben.
Sollte der DAX seine Korrektur weiter fortsetzen, findet er aus charttechnischer Sicht eine erste Unterstützung im Bereich bei 7000 Punkten. Darunter gibt es Halt an der Unterstützung bei 6875 Punkten. Wird auch diese Unterstützung unterschritten, müssen weitere Kursverluste bis zur 200-Tage-Linie - sie deutet auf eine langfristig intakte Hausse hin - bei 6815 Zählern ins Auge gefasst werden.
Auf der Oberseite stößt der DAX auf den ersten Widerstand bei 7064 Punkten und darüber am Aufwärtstrend im Bereich zwischen 7300 und 7310 Punkten. Sollte sich der Index hierüber etablieren, ist ein Anstieg bis zum Widerstand bei 7450 Punkten denkbar. Darüber liegen die nächsten Barrieren bei 7478, 7523 und 7600 Punkten.
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