FTD: Pannenserie lähmt Solarbranche
03.07.2009 - 11:32
Eine Serie massiver Qualitätsmängel beschert der Solarindustrie zusätzliche Probleme. Der norwegische Konzern REC Solar muss rund 300.000 Module wegen defekter Anschlussdosen überprüfen lassen. Experten meinen: Die Branche hat ein Grundsatzproblem.
Mehr als 100.000 dieser Paneele sind auf deutschen Dächern installiert. "Es besteht ein Risiko, dass die gesamte Produktion des Jahres 2008 betroffen ist", sagte Konzern-Vizechef John Andersen der FTD. Defekte Moduldosen können zu einem Ausfall der Anlage führen und sie sogar in Brand setzen.
Seit Monaten häufen sich die Probleme mit den Anschlussdosen, die den in den Zellen gewonnenen Strom bündeln und weiterleiten. Gerade Besitzer kleinerer Solaranlagen auf Hausdächern klagen vermehrt über durchgeschmorte oder verbrannte Boxen. Dem britischen Energieriesen BP droht möglicherweise schon die zweite Rückrufaktion innerhalb von zwei Jahren, nachdem Mitte Juni ein Feuer auf einem mit Modulen der Konzerntochter BP Solar bestückten Dach ausbrach. Die Brandursache ist noch nicht endgültig geklärt, Augenzeugen zufolge aber hat sich eine Anschlussdose entzündet. "Wir nehmen diese Angelegenheit ernst", sagte Reyad Fezzani, Chef von BP Solar. Bereits 2007 hatte BP die Boxen von rund 100.000 Paneelen wegen Überhitzungsgefahr überprüfen und zum Teil auswechseln müssen.
In Deutschland ist die Verunsicherung besonders groß. Rund 500.000 Häuser hierzulande sind schon mit Solarzellen bestückt. Bis zu 25.000 Dächer seien so konstruiert, dass sie durch eine durchgeschmorte Dose in Brand geraten könnten, sagt Jörg Sutter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS).
Die Pannenserie könnte der einst so boomenden Branche einen weiteren Schlag versetzen. Schon die Wirtschaftskrise hat die Nachfrage nach Fotovoltaik-Anlagen einbrechen lassen. Branchengrößen wie Frank Asbeck, Chef des Bonner Konzerns Solarworld, befürchten eine Welle von Insolvenzen. Viele Hersteller leiden unter gewaltigen Überkapazitäten.
Nach Einschätzung von DGS-Präsident Sutter sind auch die jüngsten Defekte ein Resultat des zügellosen Wachstums der Vergangenheit: "Oft mussten in wenigen Monate neue Fabriken hochgezogen werden, da gab es nicht genug qualifiziertes Personal." Vielfach seien daher ungelernte Arbeitskräfte in Produktion und Qualitätskontrolle angestellt worden.
Der wachsende Preiskampf in der Branche verschärft das Problem. So mancher Hersteller kaufe billige No-Name-Teile aus Fernost ein, berichtet Solarworld-Chef Asbeck: "Anschlussdosen 'Made in China' fackeln ab wie Toaster Made in China'." Die REC-Boxen stammen allerdings von einer deutschen Firma.
Für die Norweger werden die Mängel nun teuer. Laut Konzernvize Andersen werden die Kontrollen und Reparaturen rund 40 Mio. Euro kosten. Weil so viele Module durchgecheckt werden müssen, werden die Arbeiten bis zum kommenden Jahr dauern.
Autor/Autoren: Claus Hecking (Hamburg)
Nichts ist trügerischer als eine offenkundige Tatsache.