Insgesamt aber sind auch diese Quartalszahlen nichts als Schall und Rauch. Nokia

hat Anfang 2007 gut 91 Millionen Telefone abgesetzt, gegenüber 128,4 Millionen im Gesamtjahr 2000. Dabei lag der operative Gewinn Anfang 2007 um 3,3 Prozent unter dem Niveau vom ersten Quartal 2000. Wer diesen Trend nicht erkennen mag, dem ist nicht zu helfen.
Kraft FoodsAls Amuse-Gueule ein paar Philadelphia-Schnittchen, anschließend Miracoli für alle und zum Dessert eine Tafel Milka zu einer Tasse Jacobs Krönung. Mit diesem Menü aus dem Hause Kraft wird man die Jugend von heute wohl kaum begeistern können.
Ebenso unspektakulär wie die Positionierung der Marken entwickelt sich die Aktie von Kraft

. Der erste Quartalsbericht seit der Trennung von Altria war auch unspannend. Gut, der Konsens konnte leicht übertroffen werden. Auch der Umstand, dass die Firma zwar organisch um 3,6 Prozent wuchs, das operative Ergebnis aber um drei Prozent sank, könnte man positiv bewerten, da sich darin die Investitionen in Marketing und Wachstum spiegeln.
Doch inwieweit ist der Margenverfall auch auf gestiegene Einstandspreise, etwa bei (Agrar-)Rohstoffen, bei gleichzeitig schwacher Preismacht zurückzuführen? So konnte Kraft 2006 in den USA die Preise mit einem Prozent nur halb so stark heben wie der Sektor. In Europa musste Kraft dieses Quartal die Preise bereits um zwei Prozent senken. Außerdem ist fraglich, wie nachhaltig ein stark auf Marketing basierendes Wachstum wirklich ist. Krafts Hauptproblem - biederes Produktportfolio, kaum globale Marken - ist weiter ungelöst.
Ebenso ungelöst ist die Frage nach möglichen größeren Übernahmen. Derzeit sieht es eher nicht danach aus. So hat die Firma trotz einer Nettoverschuldung von über 10 Mrd. $ ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 5 Mrd. $ gestartet. Ist das dann durch, übertrifft der Goodwill das Eigenkapital. Wenigstens die Bilanz von Kraft ist dann fettarm.
ChinaÜber Chinas Ökonomie wissen nicht nur wir hier im Westen so wenig, dass man sich kaum getraut, auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Recht klar scheint jedoch, dass die marktwirtschaftlichen Elemente in der chinesischen Wirtschaft erheblich an Bedeutung gewonnen haben. Nur will die Politik die Wirtschaft offenbar immer noch vornehmlich mit planwirtschaftlichen Mitteln steuern.
Am augenfälligsten wird das an den Zinsen. Der Leitsatz der Zentralbank liegt bei 6,4 Prozent, bei einer Jahresinflationsrate von 3,3 Prozent, einem realen BIP-Wachstum von rund elf Prozent und nominalen Lohnzuwächsen von etwa 15 Prozent. Die Rendite auf Staatsanleihen und die Interbanksätze sind noch weit geringer als der Referenzzins der Zentralbank.
Natürlich sind niedrige Realzinsen in aufstrebenden Volkswirtschaften nichts Neues. Im Deutschland der 60er-Jahre lagen die Realzinsen im Durchschnitt bei 4,2 Prozent, während die Industrie im Mittel um sechs Prozent zulegte. Japan hatte sich weit niedrigere Realzinsen von rund 2,4 Prozent geleistet, bei einem Produktionswachstum von 15 Prozent. Nur waren dafür auch die Verbraucherpreise im Durchschnitt um 5,4 Prozent gestiegen, gegenüber 2,4 Prozent in Deutschland.
Auch wenn manche meinen, eine Aufwertung des Renminbi sei wegen der Eigenheiten des chinesischen Systems wirkungsvoller als Zinserhöhungen, ist es schwer denkbar, dass die entfesselten marktwirtschaftlichen Kräfte auf Dauer eingedämmt werden können, solange sich Kredite quasi von selbst amortisierten - so sie denn gewährt werden (dürfen).
Quelle: Financial Times Deutschland
Servus, J.B.
"Second thoughts are ever wiser." (Euripides)