Vor gar nicht allzu vielen Jahren war die Begeisterung nicht besonders groß, wenn China seine Fühler als Investor nach Europa ausgestreckt hat. Mit dem Wachsen des Schuldenbergs in der Euro-Zone hat sich das geändert. Plötzlich ist die Volksrepublik als Geldgeber mehr als willkommen und geht auf Einkaufstour.
Nach Angaben des Staatsfonds China Investment Corporation (CIC), der geschätzte 300 Mrd. Dollar (über 211 Mrd. Euro) verwaltet, steht die Volksrepublik trotz der Schuldenkrise zu ihren Euro-Investitionen. Peking verfolge eine langfristige Strategie und ändere diese nicht bei kurzfristigen Problemen, sagte der Direktoriumsvorsitzende der CIC, Laurence Lu, am Wochenende. „Es gibt nichts, worüber man sich Sorgen machen muss.“ Die europäische Währungsunion werde nicht auseinanderfallen.
Ministerpräsident Wen Jiabao sagte gegenüber der britischen BBC, dass Peking europäischen Krisenländern mit Krediten helfen wolle. Bereits zuvor hatte Wen am Samstag erklärt, Peking werde weiterhin in europäische Staatsanleihen investieren, China sei ein langfristiger Investor.
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Ganz uneigennützig ist das Engagement freilich nicht, und die Strategie des langfristigen Investments trifft den Punkt relativ genau: Chinas Handelsüberschuss war im April und Mai wieder stark auf über 13 Mrd. Dollar (über neun Mrd. Euro) gestiegen. Fast die Hälfte seiner gigantischen Währungsreserven von über 2,5 Billiarden Dollar (über 2.000 Mrd. Euro) hat China bisher in US-Anleihen geparkt, versucht aber verstärkt, seine Investments etwas breiter zu streuen, auch um sich aus der wirtschaftlichen Zwangsgemeinschaft mit den USA zu befreien. Auf der Einkaufsliste stehen nicht nur Euro-Anleihen, sondern auch strategische Beteiligungen.