"Gravierende Vorwürfe - Hintergründe nicht klar
Die Vorwürfe der Deutschen Telekom gegen Drillisch sind gravierend: „Betrug und die
Aktivierung von Scheinkunden.“
Die Strategie von Drillisch: Drillisch verfolgt seit längerem die Strategie, die Rohwaren Minutenund
Datenvolumen von Netzbetreibern einzukaufen, mit eigenen Tarifen zu veredeln und unter
eigener Marke sowie auf eigene Rechnung zu vermarkten. Im Gegenzug zu den guten
Einkaufskonditionen wird auf Provisionsvereinbarungen verzichtet. Gemäß Aussagen von Drillisch
bestehen sehr gute Einkaufskonditionen mit Vodafone und O2, jedoch nicht mit der Deutschen
Telekom. Vielmehr würde mit der Deutschen Telekom noch auf Basis einer klassischen
Netzbetreiber-Mobilfunk Service Provider Beziehung gearbeitet, bei der Provisionszahlungen eine
wichtige Erlöskomponente darstellen.
Entsprechend wird ein Großteil des Neukundengeschäfts auf Basis des O2 oder Vodafone-
Netzes betrieben. In Drillisch’s SIM-Kartenbestand von ca. 2,5 Mio. Karten dürften sich rund 0,5
Mio. Karten befinden, die noch dem Telekom-Netz zuzuordnen sind. Drillisch dürfte bereits ca. >
200 Tsd. SIM-Karten aus dem Telekom-Netzwerk in das O2-Netzwerk transferiert haben.
Entsprechend gingen der Telekom 200 Tsd. Teilnehmer verloren.
Somit gibt es aus WR-Sicht fünf theoretisch mögliche Hintergründe der Vorwürfe:
§ Aggressives Verhalten der Telekom, weil ein langjähriger wichtiger Kooperationspartner kein
Neugeschäft mehr macht und zusätzlich den Kundenbestand von T-Mobile attackiert
§ Überreaktion, da die Deutsche Telekom wegen Compliance und Datenschutz selbst immer
wieder in der Kritik steht
§ Fehlverhalten eines einzigen Vertriebspartners von Drillisch
§ Betrügerisches System innerhalb der Drillisch-Gruppe zur Optimierung des SIMKartenbestands
und der Erlöse
§ Unterschiedliche Auslegung der Verträge zwischen Drillisch und Deutsche Telekom
In den ersten drei Fällen wären die Auswirkungen auf Drillisch vernachlässigbar – im schlimmsten
Fall wäre eine Strafzahlung in der Höhe des entstandenen Schadens zu entrichten. Die
Verwicklung der kompletten Drillisch-Gruppe in ein Betrugssystem für Provisionen in Höhe von
EUR 1,4 Mio. erscheint wenig rational – der Drillisch-Konzern erwirtschaftet ein EBITDA von >
EUR 50 Mio. p.a. Daher wäre eine Verwicklung der gesamten Drillisch-Gruppe in systematischen
Betrug nur dann logisch und wirtschaftlich erklärbar, wenn das betrügerische Verhalten eine
deutlich höhere wirtschaftliche Auswirkung auf die Ergebnisse hätte. Zudem haben die
Netzbetreiber O2 und Vodafone bekannt gegeben, dass in ihren Kundenbeständen im
Zusammenhang mit Drillisch keine Ungereimtheiten festgestellt worden wären. Allerdings haben
beide Unternehmen keine Geschäftsbeziehungen mit der Marke Simply, gegen die die
Betrugsvorwürfe hauptsächlich ausgesprochen wurden.
Vertrauen könnte insbesondere dann zurück gewonnen werden, wenn z.B. der Vorstand und
Aufsichtsrat in Drillisch-Aktien investieren würde (derzeit Sperrfrist wegen Reporting-Zeit).
Die Aktie handelt derzeit mit einem EV/EBITDA 2012e von ~3, sowie einer Dividenden-Rendite
von 13% - hinsichtlich der Wachstumserwartungen und der Stabilität des Geschäftmodells eine
attraktive Chance zum Einstieg. Jedoch dürfte das Sentiment für die Aktie aufgrund der Vorwürfe
seitens der Deutschen Telekom zunächst weiter belastend wirken. Darüber hinaus ist nicht mit
einer schnellen Klärung des Sachverhalts und der Vorwürfe zu rechnen."