Börse reagiert euphorisch.
Mario Draghi kontert die wieder aufgeflackerte Furcht an den Finanzmärkten nicht mit einer Zinssenkung – sondern mit einer rhetorischen Neuerung.
Von Griechenland bis Portugal schwelen derzeit wieder ökonomische Brände in Europa. Feuerwehrmann Mario Draghi hat heute die rhetorische Wasserspritze hervorgenommen. Wie erwartet belässt die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Zugleich verpflichtet sich die Notenbank, ihre Zinspolitik länger beizubehalten. Die meisten Ökonomen hatten weder eine weitere Senkung des Leitzinses noch zusätzliche Stützungsmassnahmen erwartet, waren auf diese Kommunikation aber nicht vorbereitet gewesen. Laut dem EZB-Präsidenten wird die Notenbank die wichtigen Zinssätze über einen ausgedehnten Zeitraum tief halten.
Es sei das erste Mal, dass die EZB eine solche Anleitung gebe. Eine ähnliche Erklärung an die Finanzmärkte («forward guidance») hatte heute Morgen auch der neue Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, abgegeben. In der Vergangenheit hatte die Europäische Zentralbank im Gegensatz zu anderen Notenbanken stets betont, sie lege sich niemals im Voraus auf eine bestimmte Geldpolitik fest. Das aktuelle Rekordtief von 0,5 Prozent sei keine Untergrenze, sagte Draghi weiter, und befeuerte damit Europas Börsen. Indizes wie der Eurostoxx 50 schnellten am Nachmittag um über 2 Prozent nach oben. Die Börsen Spaniens, Italiens und Portugals legten sogar jeweils knapp 3 Prozent zu.
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