US-Notenbanker fordern Lockerung der Geldpolitik
Dienstag, 10. Juli 2012, 08:20 Uhr
1 / 1VollbildBangkok/Coeur D'Alene (Reuters) - Die verhaltene Wirtschaftsentwicklung und hohe Arbeitslosigkeit in den USA lassen die Rufe innerhalb der US-Notenbank nach einer Lockerung der Geldpolitik lauter werden.
Sollten die Wirtschaftdaten weiter unter den Erwartungen bleiben, müsse die Zentralbank handeln, sagte der Fed-Präsident von San Francisco, John Williams, am Montag in Coeur D'Alene. Zwei weitere Notenbanker, die zu den Tauben und damit Befürwortern einer expansiveren Geldpolitik zählen, forderten auf einer Veranstaltung in Bangkok weitere Schritte. Allerdings unterstrich der Fed-Chef von Richmond, Jeffrey Lacker, mit skeptischen Äußerungen bezüglich weiterer Hilfen die Spaltung der Notenbank in dieser Frage.
Williams rechnet für die kommenden eineinhalb Jahre mit einer schwächeren Entwicklung der US-Konjunktur. Zudem prognostiziert der Notenbanker keine spürbare Verbesserung der Arbeitslosenquote bis zum Ende des nächsten Jahres. Williams ist im Offenmarkt-Ausschuss stimmberechtigt, der über die Geldpolitik entscheidet.
Der Präsident der Federal Reserve von Chicago, Charles Evans, erklärte, die wirtschaftlichen Bedingungen rechtfertigten eine extrem starke geldpolitische Anpassung. Vorzugsweise solle sich die Fed dabei für den Kauf von hypothekenbesicherten Anleihen entscheiden. Sein Kollege von der Boston Federal Reserve, Eric Rosengren, unterstützte diese Haltung und bezeichnete nach den jüngsten enttäuschenden Daten vom Arbeitsmarkt eine dritte großangelegte geldpolitische Lockerung - im Fachjargon QE3 genannt - als angemessen. Zwei Runden hat die Fed bereits durch - insgesamt wurden dabei 2,3 Billionen Dollar in den Wirtschaftskreislauf gepumpt. Rosengren wie auch Evans gehören derzeit nicht zu den stimmberechtigten Mitgliedern im Offenmarktausschuss der Fed, werden es jedoch im kommenden Jahr sein.
Die Fed stemmt sich seit Dezember 2008 mit ihrer Nullzinspolitik gegen die Wirtschaftskrise und beschloss jüngst, die "Operation Twist" bis Ende des Jahres zu verlängern und dafür rund 267 Milliarden Dollar in die Hand zu nehmen.
Weitere geldpolitische Lockerungen bergen die Gefahr einer steigenden Inflation. Die Risiken, die davon ausgehen, sind nach Einschätzung von Rosengren und Evans jedoch weniger dramatisch als die Folgen der hohen Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote lag im Juni auf dem für die USA hohen Niveau von 8,2 Prozent. Laut Rosengren wird die Inflation im laufenden Jahr bei 1,2 Prozent liegen und damit deutlich unter dem Fed-Ziel von zwei Prozent. Evans betonte, die US-Notenbank sollte bereit sein, einen "moderaten, vorübergehenden Anstieg" der Preisteuerung hinzunehmen, um den Stellenaufbau zu fördern. Ziel müsse es sein, die Arbeitslosenquote unter sieben Prozent zu drücken.
UMFRAGE: WAHRSCHEINLICHKEIT FÜR QE3 BEI 70 PROZENT
Die Fed kommt vom 31. Juli bis zum 1. August sowie dann vom 12. bis zum 13. September zusammen, um über die künftige Geldpolitik zu beraten. 70 Prozent der von Reuters befragten Experten rechnen damit, dass die Fed eine dritte Runde von Staatsanleihen- und Wertpapierkäufen im großen Stil einleitet. Am 20. Juni hatten dies nur 50 Prozent prognostiziert.
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