Wenn man sich nur die Nettofinanzverschuldung von Conergy anschaut geld23, dann hast du Recht. Die 125 Mio. € halte ich auch nicht sehr hoch für ein Unterehmen mit einem Jahresumsatz um die 530 bis 550 Mio. €. Aber schaut man sich dann mal die Verbindichkeiten aus Lieferung und Leistung an mit 125 Mio. €, die sind von Anfang 2012 bis Ende Q3 2012 um satte 37 Mio. € bzw. 42% enorm angestiegen (!!!), dann ist die Verschuldung von Conergy mittlerweile gar nicht mehr so gering. Conergy verschuldet sich halt mittlerweile bei ihren Liefernaten wie man an dem 42%igen Anstieg leicht feststellen kann und nicht mehr bei den Banken. Conergy bleibt wohl auch gar nichts anderes übrig bei dieser sehr dünnen Liquiditätsdecke von gerade mal 11,9 Mio. €. Wobei die wohl in Q4 aufgrund des verschobenen Thailandprojektes um ein paar Mios wieder ansteigen wird.
Lange Rede kurzer Sinn: Conergy hat ihre Lieferantenkredite enorm ausgeweitet in 2012 um so die geringe Liquidität zu schonen. Wenn man bei Conergy von Schulden redet, dann muss man sich die Entwicklung der Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung sich zwingend anschauen, denn sonst bringt eine Schuldenbetrachtung von Conergy rein gar nichts. Vor allem aufgrund der hohen Lieferantenkredite konnte Conergy ihr Working Capital auf 33,8 Mio. € drastsich senken. Das Working Capital lag Anfang 2012 noch bei 81,4 Mio. €. Viel weiter senken wird Conergy ihre Working Capital wohl kaun noch können um so an Liquidität zu kommen.
Bei den Finanzschulden muss man unbedingt auch ein Auge auf die kurzfristigen Finanzschulden von 53,5 Mio. € haben. Das sind immerhin 43% der Nettofinanzverbindlichkeiten und die kann Conergy wohl kaum fristgerecht zurückzahlen. Woher sollen sie auch das Geld nehmen ??
Die Conergy Unternehmensbilanz ist ein sehr sehr wackliges Gebilde und genau deshalb habe ich geschrieben, dass man über Conergy eigentlich gar nichts weiß bzw. Conergy überhaupt nicht einschätzen kann (siehe hohe Lieferantenkredite, kurzfristige Finanzverbindlichkeiten von 53,5 Mio. €. sehr niederige Liquidtätsdecke von 11,9 Mio. €, negatives Eigenkapital von 37,4 Mio. €) und wenn die Banken nicht still halten würden, dann müsste Conergy meiner Einschätzung nach schon vor Monaten Insolvenz anmelden. Conergy warnt ja nicht aus Jux und Dollerei seit einem Jahr in ihren Geschäftsberichten von einem Liquiditästrisiko. Wer die Zahlen etwas genauer anschaut, hab sie großteils kurz skizziert, weiß auch warum Conergy warnt.
Die Conergy Unternemensbilanz ist doch mittlerweile fast wieder so übel wie vor dem Debt Equity Deb vor knapp 2 Jahren. Zumal ja Conergy in den ersten 9 Monaten wieder einmal einen negativen Free Cash Flow von 31,3 Mio. € generiert hat und das trotz ein paar positiver Sondereffekte wie der Verkauf der Wechselrichtersparte oder die 4 Mio. € aus dem Verkauf eines australischen Windprojektes.
Was heßt neu ausgerichtetes Geschätsmodell ?? Solarkraftwerke hat Conergy schon 2008 gebaut und war in 2009 einer der größten Solarprojektierer überhaupt. Conergy hat doch im Prinzip nur eines getan, man hat die völlig veraltete und hoch defizitäre Zellproduktion dicht gemacht und hat ein paar Töchter, die nichts mit dem Kerngschäft zu tun haben, verkauft. Ich sehe da nicht unbedingt ein neu ausgerichtetes Geschäftsmodell. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Conergy ihre Frankfurter Moduproduktion dicht machen wird, denn die Modulfertigungslinien sind dort für Solarverhältnisse recht alt und konkurrenzfähig ist Conergy mit diesen alten Modulfertgingngslinien wohl nicht mehr.