Es würde ja nur einen Sinn ergeben, wenn man ab der Zellebene Zölle für die chinesischen Solarprodukte erhoben würden. Alles andere wäre ja ganz grober Unfug und würde gar nichts bringen.
In den USA werden die Zölle ab Zellebene erhoben. Wenn solche Zölle in der EU kommen würden, dann wäre ein Einstieg für einen China-Solaris total uninteressant, denn er kann ja nicht mal seine Zellen an Conergy verkaufen, geschweige die Vertriebswege für Conergy nutzen um seine eigene Module in Europa zu verkaufen.
Die Chinesen werden jetzt die US-Zölle via Taiwan legal umgehen. Sie lassen dort die Zellen inkl. Wafer herstellen und bauen diese taiwanesischen Zellen dann in China in ihre Module rein und verschiffen sie in die USA. Das ergibt nach Schätzungen höhere Kosten zwischen 6 bis 12% für die China-Solaris.
Mittel- bis langfristig werden zumindest die großen Chinesen in den USA oder Mexiko eigene Zell/Modul-Produktionen aufbauen. Durch die doch stark gefallenen Modulpreise werden die Transportkosten (ca. 0,05 $/W beim Modul) ohnehin immer mehr zu einem Kostenfaktor. Vor einem Jahr machten die Transportkosten zu den Modulherstellungskosten (Q1 2011: 1,20 $/W) erst 4% aus, mittlerweile sind das schon 6% und Ende des Jahres werden es dann so um die 7% sein, wenn die Modulherstellungskosten der Chinesen bei knapp über 0,70 $/W liegen werden (aktuell liegen sie bei um die 0,85 $/W).
Ob sich die EU gedrauen würde gegen den wichtigsten Handelspartner Strafzölle zu erheben, das lasse ich mal dahin gestellt sein. Aber wenn die Politik nichts unternimmt, dann wird es in 1, 2 Jahren nicht mehr allzu viele deutsche Zell/Modulbauer geben. Größere Zellbauer gibt es eh kaum noch bei uns in Deutschland. Solarworld, Bosch Solar und dann noch die beiden insolventen Q-Cells und Sovello. Mehr gibt es nicht mehr, die in Deutschland Zellfertigungskapazitäten von über 180 MW haben.
So schnell würde ich aber den Conergy-Vertrieb nicht abschreiben. Ohne Frage die Absatzzahlen in Q1 von Conergy waren schwach. Doch dabei darf man nicht vergessen, dass der italienische und französische PV-Markt sehr schwach waren und beide Märkte sind für Conergy sehr wichtig. Vor allem der italienische Markt ist bei Conergy sehr wichtig (Umsatzanteil in 2011 von 17%/100 Mio. €). Der italienische Markt zieht aber derzeit kräftig an und so wird Conergy sein Ergebnis dort stark verbessern können in Q2 gegenüber Q1. Ich glaube aber schon auch, dass sich das neue Conergy-Management komplett verabschiedet hat von der alten Ammerschen Strategie mit Umsatz generieren auf Teufel komm heraus. So intepretiere ich den Absatzrückgang in Q1.
Klar interessiert das keinen Anleger mehr extrachilli, wenn Conergy jede Woche von offizieller Seite mit einem Chinesen hausieren geht. Irgenwann zieht das halt nicht mehr. Jedoch ist die Conergy-Aktie durchaus spannend. Zumindest charttechnisch. Der Kurs bewegt sich seit dem Kursrückgang nach den Q1-Zahlen zwsichen 0,48 und 0,49 €. Die hohe Vola ist fast weg und der Kurs liegt ganz nah an der sehr wichtigen 0,50-Chartmarke. Wenn die Conergy-Aktie diese 0,50 € überspringen würde, dann kann es durchaus schnell ein paar Prozent nach oben gehen. Jedenfalls scheint es so zu sein, dass die Aktie nicht unter die 0,48 € fällt.