Das Kapital: Sieben Jahre nach der Blase
Ist es ein Zufall? Nicht doch. Wenn Alan Greenspan ausgerechnet in Tokio neuerlich auf die "Möglichkeit" einer US-Rezession zum Ende des Jahres hinweist, ist man eher an Fügung zu denken geneigt. Ein weiteres Thema sind Europas Telekoms.
Es ist jetzt bald sieben Jahre her, dass in den USA - und Europa - die IT-Blase geplatzt ist. Und die Ähnlichkeiten zum Japan des Jahres 1997 sind frappierend. Der japanische Topix hatte kurz vor Weihnachten 1989 seinen bisherigen Rekord markiert. Den IWF-Daten zufolge wuchs die japanische Wirtschaft 1996 mit 2,6 Prozent, verlangsamte sich 1997 deutlich auf 1,4 Prozent und rutschte 1998 in eine Rezession, die 1,8 Prozent der Wirtschaftsleistung schluckte und der 1999 ein weiterer Rückgang um 0,2 Prozent folgte. Die Jahresinflationsrate war von 1996 auf 1997 von 0,1 auf 1,8 Prozent gestiegen, während die Arbeitslosenquote bei 3,4 Prozent verharrte.
Auf gesamtstaatlicher Ebene hatte die Regierung 1996 ein Budgetdefizit von 5,1 Prozent, das 1997 auf 4,1 Prozent nachgab, um bis 1999 auf 7,5 Prozent zu explodieren. Der Aktienmarkt hat die alten Stände nie wieder erreicht, doch der in Dollar gerechnete MSCI Japan hatte es bis zum Frühjahr 1996 immerhin auf 85 Prozent des Höchststands geschafft. Die Landpreise fielen quasi wie ein Stein.
Die US-Wirtschaft ist 2006 insgesamt um 3,3 Prozent gewachsen, im zweiten Halbjahr indes nur noch mit einer Jahresrate von gut zwei Prozent. Die Inflationsrate steht bei 2,1 Prozent, die Arbeitslosenquote bei 4,6 Prozent. Das gesamtstaatliche Budgetdefizit liegt laut IWF bei 3,1 Prozent. Der S&P 500 notiert bei rund 90 Prozent seines Höchststands, und die Eigenheimpreise fallen seit fünf Monaten.
Die USA sind nicht Japan ...Natürlich gibt es auch etliche Unterschiede. So war die Bank von Japan nach dem Platzen der Blase zunächst mit ihrer Zinssenkungskampagne deutlich langsamer als die Fed - und hat ihren Leitsatz nach 1995 bis heute nicht mehr auf ein Niveau von einem Prozent schleusen können. Hingegen hat die Fed, nach ihrer zunächst extrem aggressiven Lockerung, ihren Leitsatz seit dem Frühjahr 2004 immerhin von 1 auf 5,25 Prozent erhöhen können, ohne dass es die Wirtschaft bisher groß in Mitleidenschaft gezogen hätte. Die frühen, beherzten Zinssenkungen der Fed waren wohl der Grund, warum sich die US-Hauspreise seit dem Platzen der Börsenblase verdoppelt haben, was den Konsum und das Finanzsystem stützt. In Japan hingegen waren die Landpreise schon ab 1992 heftig gefallen.
Der Haken daran ist allerdings, dass die USA ein Leistungsbilanzdefizit von fast sieben Prozent des BIP aufweisen, während Japan 1996 einen Überschuss von 1,4 Prozent erwirtschaftete. Aber nicht nur die privaten japanischen Haushalte, die bis in die späten 90er hinein mehr als ein Zehntel ihrer Einkommen sparten, waren in einer besseren finanziellen Verfassung als die heutigen US-Konsumenten, die seit geraumer Zeit eine negative Sparquote aufweisen. Selbst der japanische Staat stand 1996 mit Nettoschulden von 29 Prozent des BIP noch besser als da die USA heute - mit einer Quote von 46 Prozent. Am japanischen Aktienmarkt hatte sich der Bankensektor übrigens noch bis zum Herbst 1996 im Vergleich zum Gesamtmarkt durchaus halten können.
Derweil hat Japan den Realzins, an den Renditen auf zehnjährige Anleihen gemessen, zwischen Anfang 1996 und Ende 1997 immerhin von 3,6 auf minus 0,3 Prozent senken können. Inflationsindexierte US-Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentieren seit Anfang 2006 im Schnitt mit 2,3 Prozent, derzeit mit 2,2 Prozent. Vielleicht ist es ja der, so betrachtet, ziemlich bescheidene konjunkturelle Spielraum, der Greenspan Respekt einflößt. Der japanische Aktienmarkt fiel 1997 übrigens um 20 Prozent, 1998 um weitere 7,5 Prozent. Zehn Jahre später sollte man sich ruhig einmal daran erinnern.
Europas TelekomsWährend allerorten Rekordgewinne und Dividendenerhöhungen angekündigt werden, sieht es für Europas Ex-Monopolisten weiter düster aus. So traf die Telekom, die am Donnerstag von einem zehnprozentigen Fall des Ebitda im heimischen Markt sprach, den Ton der Branche. Da passt es ins betrübliche Bild, dass der Pirelli-Konzern derzeit versucht, seinen Anteil an Telecom Italia

zu reduzieren.
Die Telekom

tut zwar viel - neuer Vorstand, Markenauftritt und Tarif -, doch stellt sie immer wieder fest, wie schwer so ein Koloss zu bewegen ist. Trotz 2 Mrd. Euro Einsparung wird das Ebitda heuer bloß bei 19 Mrd. Euro verharren.
Mit einer großen Übernahme könnte die Telekom zwar ihre Aufstellung schnell verändern. Doch bei einer Nettoverschuldung in doppelter Höhe des Ebitda und hohen Bewertungen für die Wachstumsfirmen der Branche dürfte es schwer fallen, eine wertsteigernde Akquisition zu finden. Europas Telkoaktien haben zwar 2006 mächtig zugelegt, doch da die Gewinnschätzungen deutlich langsamer stiegen, wird 2007 wohl wieder recht mau.
Quelle: Financial Times Deutschland
Servus, J.B.
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