Noch nicht eingepreist…
Der deutsche Aktienmarkt setzte in der letzten vollen Oktoberwoche seine Aufwärtsbewegung fort. Zwischenzeitlich kletterte der Leitindex gar über die 6300-Punkte-Marke.
Fast scheint es so, als ob am Aktienmarkt die berühmt berüchtigte Jahresendrallye schon vorweggenommen wird. Jedenfalls präsentieren sich dies- wie jenseits des Atlantiks die Börsen vor dem 7.11. (US-Kongresswahltag) in robuster Verfassung. Ohne Zweifel, politische Börsen mögen zwar kurze Beine haben. Dennoch könnte es dieses mal etwas anders aussehen.
Die Aktienmärkte konnten seit der Juno-Korrektur deutlich zulegen, der Dax gar vom Tief aus betrachtet 1000 Punkte. Der Markt hat ein best-case-Szenario eingepreist. Die Investoren sind weiter optimistisch gestimmt und mit den steigenden Kursen werden auch die Kursziele immer höher geschraubt.
Öfters liest man, dass spätestens nach dem Überschreiten des Mai-Hochs im Dax und dem Erreichen eines nominalen Allzeithochs beim Weltleitindex der letzte Bär „getötet“ sein müsste. Des weiteren erstaunt es fast noch mehr, dass der ganz breite Konsens die Risiken für den Aktienmarkt kaum zur Kenntnis nehmen scheint. Für die USA wird eine weiche Landung erwartet, in Deutschland dürfte trotz der größten Steuererhöhung seit dem zweiten Weltkrieg 2007 der Wirtschaftsaufschwung anhalten. Eine heile Welt mit stetig steigenden Aktienkursen, so will und sieht es die breite Mehrheit.
Komischerweise mehren sich aber nahezu täglich die Signale, die dieses „goldy-lock-Szenario“ in Frage stellen. Die Zinsstrukturkurve in den USA bleibt invers. Der US-Immobilienmarkt bröckelt immer weiter ab. So fiel im September der Durchschnittspreis für ein neues Haus in den Vereinigten Staaten um knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Ein derartig hohes Minus im Jahresvergleich hat es seit 36 Jahren nicht mehr gegeben! Auch bei gebrauchten Häusern ist mittlerweile ein rapider Wertzerfall zu beobachten. Im Monatsvergleich gaben die Preise um 2,5 Prozent nach.
Auch die ersten Daten zum US-Wirtschaftswachstum im dritten Quartal diesen Jahres fielen selbst für notorische Optimisten enttäuschend aus. Zudem weisen diverse Erhebungen regionaler Fed-Banken auf eine deutliche Abschwächung der US-Konjunktur hin. Des weiteren ist dem Prognosemodell des US-Ökonomen Jonathan Wright zufolge die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Rezession jenseits des Atlantiks aktuell bei über 50 Prozent.
Anders formuliert, im Verhältnis zu den gewaltigen Risiken ist die Chance, dass es dennoch zu einer sanften Landung der US-Wirtschaft kommt, relativ gering. Zweifelsohne wird dies auch früher oder später vom Aktienmarkt eingepreist werden. Sicherlich mag kurzfristig in der Endphase der Rallye noch das eine oder andere „schnelle Prozentchen“ für die Bullen zu holen sein. Spätestens im Jahr 2007 dürfte der guten Stimmung aber Ernüchterung folgen und die Bullen von der harten Rezessionsrealität überrumpelt werden. Möglicherweise wird aber schon Anfang bzw. Mitte November, also in der Zeitspanne rund um den US-Wahltag, die Trendwende nach unten eingeläutet.
Indes befindet sich der Goldpreis immer noch in Lauerstellung. Zwar konnte Gold zum Wochenschluss hin vom schwächelnden Dollar profitieren, ein Ausbruch aus der „trading range“ zwischen 560 und 610 Dollar sollte aber noch nicht gelingen. Positiv zu werten ist, dass sich das gelbe Edelmetall wieder ans obere Ende der Handelsspanne schleichen konnte. Dennoch hellt sich kurzfristig das Bild erst dann richtig auf, wenn die Widerstandszone zwischen 605 und 610 Dollar nachhaltig überwunden wird. Gerade vor dem Hintergrund eines weiter zur Schwäche neigenden Dollars ist es aber sehr gut vorstellbar, dass Gold parallel zur Trendwende am Aktienmarkt sich wieder gen Norden aufmacht. Erste Kursziele wären 640 bzw. 675 Dollar, ehe das Mai-Hoch aus dem Jahr 2006 und im Anschluss daran ein neues nominales Allzeithoch in Angriff genommen wird.
Gruß Moya 