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Lieschen Müller an der Börse


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bammie:

Lieschen Müller an der Börse

2
30.07.05 19:14
Wie die Versicherer Anlagechancen verpassen

von Gottfried Heller

Die Börsenprognosen am Anfang des Jahres fielen durchweg bescheiden aus. Den Dax sahen Experten im Durchschnitt am Jahresende bei 4550 Zählern. Gegenüber dem Jahresendstand von 2004 hätte dies einem Anstieg von schlappen sieben Prozent bedeutet. Inzwischen hat der Dax die Marke von 4900 Punkte übersprungen und viele Investoren sind jetzt ziemlich ratlos, denn sie haben an dieser Hausse gar nicht oder nur sehr begrenzt teilgenommen. Letztes Jahr haben Anleger Aktienfonds im Wert von netto 3,5 Mrd. Euro verkauft und sich dafür Anleihefonds zugewendet. Dieser Trend setzte sich auch im ersten Halbjahr 2005 fort.

Nach den schmerzhaften Verlusten während der 2000 bis 2003 andauernden Baisse ist offenkundig die Sehnsucht nach Sicherheit bei den Anlegern noch immer so groß, daß sie die bescheidenen Renditen bei Anleihen in Kauf nehmen. Oft reichen die Zinsen nicht einmal aus, um die Inflation, geschweige die Steuern, auszugleichen. Es ist also ein Minusgeschäft.

Die Angst vor Verlusten dominiert das Handeln der Anleger. Der Dax hatte im April eine Schwächephase, in deren Verlauf er fünf Prozent einbüßte. Ende April fiel er unter die Marke von 4200 Punkten. Just an diesem Tag rief ich den Anlageberater einer Bank an, um Kaufaufträge für deutsche Aktien zu erteilen. Beiläufig fragte ich am Ende des Gesprächs, wie die Geschäfte denn so liefen. Glänzend, sagte er, die Umsätze seien sehr hoch in diesen Tagen und es seien vorwiegend Verkäufe institutioneller Anleger. Ich fragte, mit welcher Begründung sie denn so massiv verkauften. Er sagte, sie wollten wieder einsteigen, wenn der Dax weiter bis 3900 gefallen sei. Worauf ich ironisch sagte: "Wie der kleine Moritzle sich das halt so vorstellt." Nun, der Dax fing Tage danach an zu steigen und hat inzwischen 17 Prozent zugelegt. Als ich dieser Tage wieder einmal mit dem Sachbearbeiter telefonierte, fragte ich ihn, was die smarten Verkäufer jetzt täten. Seine Antwort: "Sie sind nervös und fangen an zu kaufen."

Es gibt nicht nur eine Verkaufspanik, sondern auch eine Kaufpanik. Letztere ist jetzt bei privaten wie institutionellen Anlegern ausgebrochen. Einzelne Versicherer hatten sich in letzter Zeit sogar gebrüstet, daß sie ihre Aktienquote unter zehn Prozent heruntergefahren hätten. Im Jahr 2000, am Höhepunkt der Aktienhysterie, betrug ihre Aktienquote über 25 Prozent. Damals waren die Dax-Titel mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 30 astronomisch teuer. Heute beträgt das KGV elf bis zwölf, das heißt die Aktien sind billig, denn sie kosten nur ein Drittel des damaligen Preises. Aber heute beträgt die Aktienquote der Versicherer nur noch neun Prozent. Das nennt man prozyklisches Verhalten, so unbedarft, wie man es nur vom vielbelächelten "Lieschen Müller" erwarten würde.

Im Jahr 2003 waren es die Versicherer, die bei stark fallenden Kursen massiv verkauften und den Absturz noch vergrößerten. Ohne deren unseliges Verhalten wäre der Dax wohl nie auf ein Tief von 2200 Zählern abgesackt. Bei diesem Stand war das Restrisiko im Dax nahezu Null. Aber aus ehemals stillen Reserven waren wegen der horrenden Verluste in vielen Fällen stille Lasten geworden und die dezimierte Risikotragfähigkeit erlaubte keine Aktienkäufe.
          §
Heute, nachdem der Dax inzwischen um 120 Prozent gestiegen ist, ist die Risikotragfähigkeit wieder groß und somit sind Aktienkäufe zulässig, aber jetzt ist bei den gestiegenen Kursen auch das Verlustrisiko größer. Das ist die verkehrte Welt, in der die deutschen Versicherer leben und ihre Aktienanlagen tätigen - zum Schaden des Kapitalmarkts und ihrer Versicherten.

Mein Freund und langjähriger Partner André Kostolany hat die Börsenteilnehmer schlicht in zwei Kategorien eingeteilt: die "Hartgesottenen" (starke Hände) und die "Zittrigen" (schwache Hände). Die Nachzügler, die jetzt anfangen zu kaufen - ob private oder institutionelle Anleger - zählen eindeutig zu den "Zittrigen". Es sind dieselben, die nahe dem Ende der Baisse 2002 und 2003 verkauft haben. Wenn diese Käufergruppe vermehrt in den Markt kommt, ist mit größeren Börsenschwankungen zu rechnen.  
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cassiopaia:

fallen die Kurse geht das Publikum, steigen die

 
30.07.05 21:38
Kurse, kommt das Publikum...
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Waleshark:

Also sind nicht nur...

2
30.07.05 22:04
die Kleinanleger "dumm". Das ist doch gut für meine kleine Börsen- Seele und macht ein wenig schadenfroh. Schönen Sonntag wünscht der
Waleshark.
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wolverine:

irgendwie hab ich das gefühl, dass

 
30.07.05 23:19
jetzt vermehrt analysten wieder aus den löchern kommen, die nicht nur den anstieg vorhergesehen haben wollen, sondern auch noch eine rosige zukunft prophezeien. ich sehe zwar momentan auch keinen grund zu verkaufen, aber das stimmt mich schon nachdenklich. vielleicht empfinde ich das momentan auch nur subjektiv so und die meisten sind immer noch pessimistisch.
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Eichi:

Die Börse ist auch heute noch etwas für Zocker

 
31.07.05 08:46
und überwiegend wird dabei verloren.

Für langfristige und langweilige Anleger, welche auf Sicherheit gucken, sind ein paar Dax-Aktien in Ordnung.  
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