30. März 2005 Im Wettkampf um den deutschen Geldanleger zählt immer mehr der schöne Schein. Hauptsache, der versprochene Zins sei möglichst hoch, scheinen sich die Marketingexperten in den deutschen Banken immer häufiger zu sagen. Damit dies ihren Arbeitgebern aber nicht zu teuer wird, greifen sie in vielen Fällen ganz tief in die Mottenkiste der Reklametricks. Manche beschränken die Hochzinsangebote auf Neukunden, andere auf jene, die am schnellsten zugreifen. Beliebt sind zudem Höchstgrenzen für den Anlagebetrag.
Nun wirbt also auch die Hypo-Vereinsbank mit einer Breitseite gegen die Direktbank ING Diba, die mit attraktiv verzinsten Tagesgeldkonten und Tankgutscheinen gegen die heimische Kreditwirtschaft punktet. "Ein Tankgutschein von der Bank ist nett. Aber weiter kommen Sie mit 3 Prozent Zinsen", legt die Bank aus München Anlegern ihr Komfortpaket ans Herz. Allerdings kommen die Kunden der Hypo-Vereinsbank auch damit nicht weit. Denn es ist auf ein unschlagbar niedriges Guthaben von genau 1.500 Euro beschränkt.
Vorsicht vor Mogelpackungen
Der Anleger erhält für dieses Angebot also sage und schreibe maximal 45 Euro im Jahr, denn jenseits von 1.500 Euro sinkt die Guthabenverzinsung auf Null. Gleichzeitig verlangt das Institut allerdings Kontoführungsgebühren von 7 Euro im Monat - macht 84 Euro im Jahr und somit fast doppelt soviel wie der höchstmögliche Zinsertrag. Das Komfortpaket sei auch keine Tagesgeldanlage, sondern als Girokonto gedacht, das neben kostenloser EC- und Kreditkarte bei regelmäßigem Gehaltseingang auch die Möglichkeit eines Dispositionskredits einräumt, heißt es bei der Bank.
Doch für die Verwirrung sorgt die Hypo-Vereinsbank selbst, vergleicht sie in ihrer Werbung doch ihr Komfortpaket mit dem Extrakonto der ING Diba, das bei einer Verfügbarkeit ohne Einschränkungen 2,5 Prozent Zinsen jährlich bietet, wobei Neukunden einen Tankgutschein im Wert von 25 Euro erhalten. Für Sparguthaben sollen die Kunden der Hypo-Vereinsbank ein anderes Produkt wählen, nämlich das "HVB Ziel-Sparen", bei dem Kunden monatlich feste Raten einzahlen können. Allerdings hat es eine Mindestlaufzeit von drei Jahren, und die Verfügbarkeit ist auf 2.000 Euro im Monat beschränkt.
Forsches Marketing - für laue Produkte
Eine Mogelpackung also, die sich die Bank von der Konkurrenz abgeschaut hat? Noch bevor die Frage gestellt werden kann, wiegelt Banksprecherin Cornelia Klaila vorsorglich ab: Um einem Mißverständnis vorzubeugen, weist sie darauf hin, mit Frau Licci, dem neuen Vorstand für Privatkunden, habe dieses Angebot nichts zu tun. Denn das Komfortpaket, unter dem das Drei-Prozent-Produkt beworben wird, sei vor dem Amtsantritt Liccis entwickelt worden. Trotzdem kommt der Verdacht nicht von ungefähr. Denn Christine Licci führte zuletzt das Deutschland-Geschäft der Citibank Privatkunden AG, die für ein besonders forsches Marketing und Ideenreichtum bei Finanzprodukten für die breite Masse bekannt ist.
Zusätzlich verwirrend ist der Zusatz, daß die Hypo-Vereinsbank innerhalb der ersten sechs Monate ihren Komfortpaket-Kunden eine "Geld-zurück-Garantie" einräumt. Damit ist jedoch weder ein Schutz vor vorzeitigem Verschleiß gemeint, noch richtet sie sich an Kunden, die Zweifel an der Bonität der Bank haben könnten. Hinter der großzügigen Garantie versteckt sich lediglich das Angebot, daß den Kunden bei Nichtgefallen des Komfortpakets in den ersten sechs Monaten die Kontoführungsgebühr erlassen wird. Das mag großzügig sein. Doch muß die Öffentlichkeit nun immer noch auf die neuen Akzente von Christine Licci warten. (hlr.)
Text: hlr., F.A.Z., 31.03.2005, Nr. 74 / Seite 21
Nun wirbt also auch die Hypo-Vereinsbank mit einer Breitseite gegen die Direktbank ING Diba, die mit attraktiv verzinsten Tagesgeldkonten und Tankgutscheinen gegen die heimische Kreditwirtschaft punktet. "Ein Tankgutschein von der Bank ist nett. Aber weiter kommen Sie mit 3 Prozent Zinsen", legt die Bank aus München Anlegern ihr Komfortpaket ans Herz. Allerdings kommen die Kunden der Hypo-Vereinsbank auch damit nicht weit. Denn es ist auf ein unschlagbar niedriges Guthaben von genau 1.500 Euro beschränkt.
Vorsicht vor Mogelpackungen
Der Anleger erhält für dieses Angebot also sage und schreibe maximal 45 Euro im Jahr, denn jenseits von 1.500 Euro sinkt die Guthabenverzinsung auf Null. Gleichzeitig verlangt das Institut allerdings Kontoführungsgebühren von 7 Euro im Monat - macht 84 Euro im Jahr und somit fast doppelt soviel wie der höchstmögliche Zinsertrag. Das Komfortpaket sei auch keine Tagesgeldanlage, sondern als Girokonto gedacht, das neben kostenloser EC- und Kreditkarte bei regelmäßigem Gehaltseingang auch die Möglichkeit eines Dispositionskredits einräumt, heißt es bei der Bank.
Doch für die Verwirrung sorgt die Hypo-Vereinsbank selbst, vergleicht sie in ihrer Werbung doch ihr Komfortpaket mit dem Extrakonto der ING Diba, das bei einer Verfügbarkeit ohne Einschränkungen 2,5 Prozent Zinsen jährlich bietet, wobei Neukunden einen Tankgutschein im Wert von 25 Euro erhalten. Für Sparguthaben sollen die Kunden der Hypo-Vereinsbank ein anderes Produkt wählen, nämlich das "HVB Ziel-Sparen", bei dem Kunden monatlich feste Raten einzahlen können. Allerdings hat es eine Mindestlaufzeit von drei Jahren, und die Verfügbarkeit ist auf 2.000 Euro im Monat beschränkt.
Forsches Marketing - für laue Produkte
Eine Mogelpackung also, die sich die Bank von der Konkurrenz abgeschaut hat? Noch bevor die Frage gestellt werden kann, wiegelt Banksprecherin Cornelia Klaila vorsorglich ab: Um einem Mißverständnis vorzubeugen, weist sie darauf hin, mit Frau Licci, dem neuen Vorstand für Privatkunden, habe dieses Angebot nichts zu tun. Denn das Komfortpaket, unter dem das Drei-Prozent-Produkt beworben wird, sei vor dem Amtsantritt Liccis entwickelt worden. Trotzdem kommt der Verdacht nicht von ungefähr. Denn Christine Licci führte zuletzt das Deutschland-Geschäft der Citibank Privatkunden AG, die für ein besonders forsches Marketing und Ideenreichtum bei Finanzprodukten für die breite Masse bekannt ist.
Zusätzlich verwirrend ist der Zusatz, daß die Hypo-Vereinsbank innerhalb der ersten sechs Monate ihren Komfortpaket-Kunden eine "Geld-zurück-Garantie" einräumt. Damit ist jedoch weder ein Schutz vor vorzeitigem Verschleiß gemeint, noch richtet sie sich an Kunden, die Zweifel an der Bonität der Bank haben könnten. Hinter der großzügigen Garantie versteckt sich lediglich das Angebot, daß den Kunden bei Nichtgefallen des Komfortpakets in den ersten sechs Monaten die Kontoführungsgebühr erlassen wird. Das mag großzügig sein. Doch muß die Öffentlichkeit nun immer noch auf die neuen Akzente von Christine Licci warten. (hlr.)
Text: hlr., F.A.Z., 31.03.2005, Nr. 74 / Seite 21
