
18. Februar 2005 Sah es noch bis vor kurzem so aus, als ob die Kurse an den Rentenmärkten nach oben keine Grenzen kennen würden, so kam es zumindest am Freitag zu einer deutlichen Gegenbewegung. Der Bund-Future ist mit einem Tagesverlust von satten 94 Stellen auf 118,75 Prozent sogar durch den im Juni des vergangenen Jahres etablierten Aufwärtstrend gefallen. Damit liegt der Kontrakt 1,84 Prozent unter dem vor einer Woche erreichten Allzeithoch von 120,98 Prozent. Auch der amerikanische Rentenmarkt steht unter Druck.

Hintergrund ist die Entwicklung der amerikanischen Erzeugerpreise, die am Freitag für den Januar veröffentlicht wurden. Denn sie stiegen unerwartet stark an und schürten damit Inflationsängste. Der Erzeugerpreisindex ex Nahrungsmittel und Energie ist mit einem Plus von 0,8 Prozent deutlich höher ausgefallen als die erwarteten 0,2 Prozent. Auf Jahresbasis liegen die Preise mit einem Plus von 4,2 Prozent und einem Plus von 2,7 Prozent ex Nahrungsmittel und Energie ebenfalls deutlich über den Erwartungen. Das ist der stärkste Preisanstieg seit sechs Jahren.
Die „bullischen” Argumente am Rentenmarkt immer wieder überprüfen
Damit könnten nicht nur die gesammelten Argumente der vergangenen Wochen und Monate ad absurdum geführt werden, die die steigenden Kurse an den Rentenmärkten zu erklären versuchten. Sondern es könnte der Beginn der Erkenntnis sein, daß eine überaus starke Stimulation der amerikanischen Wirtschaft mit tiefen Zinsen, Steuersenkungen und zuletzt einem schwächeren Dollar nicht umsonst zu haben ist.
Denn das durch die überaus lockere amerikanische Geldpolitik in Amerika und über die Wechselkursbindung und -manipulation auch in Asien ausgelöste oder zusätzlich stimulierte Wachstum hat die Preise für Rohstoffe und den Transport von Waren dramatisch nach oben getrieben. Vor allem für jene Wirtschaftsteilnehmer, die in Dollar rechnen müssen. Gleichzeitig wird in Amerika der Arbeitsmarkt immer enger, so daß die bisher immer hoch gelobte und vielfach statistisch überschätzte Produktivitätsentwicklung abgebremst wird. Auf diese Weise könnte sich sowohl im Inland als auch über die Importe ein gewisser Preisdruck aufbauen, der zunehmend auch an die Kunden weitergegeben werden muß.
Sollte sich diese Befürchtung tatsächlich materialisieren, müßte die amerikanische Notenbank die Zinsen unter Umständen deutlicher erhöhen, als erwartet. Das wäre nicht gut für die amerikanischen Rentenmärkte. Gleichzeitig wäre es nicht gut für die amerikanische Wirtschaft generell, da sie auf Grund der starken Verschuldung der Konsumenten ziemlich zinssensitiv sein dürfte.
Wende am Rentenmarkt würde vieles verändern
Hustet aber der amerikanische Rentenmarkt, dürften die Effekte weltweit zu spüren sein. Denn auch in Europa und in den Schwellenländern sind im „Rentenboom” die Kurse unheimlich weit gestiegen und die Renditen tief gefallen. Sollte es auch hier zu einer Korrektur kommen - was im Falle eines Falles wahrscheinlich ist - dürfte es entsprechend dämpfende Effekte auf die Weltwirtschaft haben.
Der Rentenmarkt und die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft - und damit indirekt der Börse - sind aber auch für den Dollar entscheidend. Denn sollten sie nicht genügend Kapital aus dem Ausland anziehen, um das gigantische Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten zu finanzieren, könnte er wieder unter Druck geraten. Auf diese Weise würde die Preisspirale in Amerika weiter angeheizt werden. Und das Spiel würde von vorne beginnen.
Aus diesem Grund ist es nun wichtig, die weitere Entwicklung an den Rentenmärkten zu beobachten. Denn sollte es tatsächlich zu der schon oft prognostizierten, aber bisher nicht eingetretenen Korrektur kommen - möglicherweise kommt sie gerade dann, wenn niemand mehr daran glaubt -, dürfte es für Anleger ratsam sein, ihre Risiken zu reduzieren. Auf Grund der - noch - tiefen Volatilitäten sind im Moment Absicherungsstrategien noch günstig zu haben.
Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg



