Asiens Importhunger stützt Agrarprodukte
Von Klaus Martini, Global Chief Investment Officer Privatkunden bei der Deutschen Bank
Während Metall- und Energiepreise zuletzt historische Höchststände erreichten, sind die Preise von AgrarRohstoffen, den so genannten „Soft Commodities“, größtenteils stark zurückgeblieben. So fielen etwa die Preise für Weizen, Kaffee, Mais und Sojabohnen auf das Niveau vom Anfang der 90er Jahre zurück. Grund genug, einen Blick auf die Chancen und Risiken der landwirtschaftlichen Rohstoffe zu werfen.
HB DÜSSELDORF. Während in Europa und den USA das Angebot die Nachfrage bei diesen Gütern übersteigt, wird vor allem in Asien und Afrika nicht genug Nahrung produziert. Viele Staaten müssen importieren. Als Gründe gelten das Bevölkerungswachstum sowie die geringe Produktivität des wenig automatisierten Sektors. Bei der Bodenbearbeitung wird zudem weniger Düngemittel eingesetzt.
Gleichzeitig wird die Weltbevölkerung weiter wachsen, was zu einer stabilen Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten führt. In diesem Kontext ist der strukturelle und gesellschaftliche Wandel von Bedeutung – vor allem in Asien und hier besonders in China und Indien. Mit 3,7 Milliarden Einwohnern ist Asien der mit Abstand bevölkerungsreichste Kontinent der Erde; 60 Prozent der Menschheit leben dort. Die Wachstumsraten liegen weit über denen der westlichen Länder. Aus ökonomischen und ökologischen Gründen ist eine massive Ausweitung der Anbauflächen dort aber nur eingeschränkt möglich. Im Gegenteil: Der urbane Lebensraum wird sich weiter ausweiten und die zur Verfügung stehende landwirtschaftliche Nutzfläche reduzieren.
Mit wachsender Bevölkerung und größerem Wohlstand erhöht sich auch in Asien die Nachfrage nach hochwertigen landwirtschaftlichen Produkten. Der Anstieg etwa des Fleischverbrauchs führt zu bedeutenden Veränderungen auf dem Agrarsektor, denn für die Produktion von Fleisch sind große Weideflächen und weitere Ackerflächen für den Anbau von Viehfutter notwendig. Da ein Mangel an solchen Nutzböden schon jetzt besteht, kann der steigende Bedarf zu einem großen Teil nur durch erhöhte Nahrungsmittelimporte gedeckt werden. Steigende Preise könnten die Folge sein.
Schon jetzt führt China Soja und Baumwolle ein, und für 2005 werden Mais- und Weizenimporte erwartet. China wird dann schätzungsweise acht Millionen Tonnen Weizen importieren. Dies entspricht einem Anteil von acht Prozent des Welthandelsvolumens – Tendenz steigend. Die Nachfrage trifft dabei auf relativ niedrige Lagerbestände.
Insgesamt sind jedoch im Gegensatz zum volatilen Energie- und Metallsektor im Segment der „Soft Commodities“ auf kurze Sicht nur verhaltene Preisaufschläge zu erwarten. Insbesondere auf Grund steigender Produktivität in vielen Teilbereichen bleibt abzuwarten, ob sich in diesem Rohstoffsegment bereits eine Preiswende ankündigt. Die gesellschaftlichen und strukturellen Langfristtrends weisen aber darauf hin, dass der Bedarf an hochwertigen Produkten insbesondere in Asien steigen und damit zu einer weiteren Belebung des Marktes führen dürfte. Für Privatanleger sind auf Grund der stark unterschiedlichen Preisentwicklung einzelner Rohstoffe Anlagemöglichkeiten vorteilhaft, die die verschiedenen Agrarprodukte kombinieren und auch aktiv verwalten.
HANDELSBLATT, Dienstag, 07. Dezember 2004, 12:20 Uhr
Von Klaus Martini, Global Chief Investment Officer Privatkunden bei der Deutschen Bank
Während Metall- und Energiepreise zuletzt historische Höchststände erreichten, sind die Preise von AgrarRohstoffen, den so genannten „Soft Commodities“, größtenteils stark zurückgeblieben. So fielen etwa die Preise für Weizen, Kaffee, Mais und Sojabohnen auf das Niveau vom Anfang der 90er Jahre zurück. Grund genug, einen Blick auf die Chancen und Risiken der landwirtschaftlichen Rohstoffe zu werfen.
HB DÜSSELDORF. Während in Europa und den USA das Angebot die Nachfrage bei diesen Gütern übersteigt, wird vor allem in Asien und Afrika nicht genug Nahrung produziert. Viele Staaten müssen importieren. Als Gründe gelten das Bevölkerungswachstum sowie die geringe Produktivität des wenig automatisierten Sektors. Bei der Bodenbearbeitung wird zudem weniger Düngemittel eingesetzt.
Gleichzeitig wird die Weltbevölkerung weiter wachsen, was zu einer stabilen Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten führt. In diesem Kontext ist der strukturelle und gesellschaftliche Wandel von Bedeutung – vor allem in Asien und hier besonders in China und Indien. Mit 3,7 Milliarden Einwohnern ist Asien der mit Abstand bevölkerungsreichste Kontinent der Erde; 60 Prozent der Menschheit leben dort. Die Wachstumsraten liegen weit über denen der westlichen Länder. Aus ökonomischen und ökologischen Gründen ist eine massive Ausweitung der Anbauflächen dort aber nur eingeschränkt möglich. Im Gegenteil: Der urbane Lebensraum wird sich weiter ausweiten und die zur Verfügung stehende landwirtschaftliche Nutzfläche reduzieren.
Mit wachsender Bevölkerung und größerem Wohlstand erhöht sich auch in Asien die Nachfrage nach hochwertigen landwirtschaftlichen Produkten. Der Anstieg etwa des Fleischverbrauchs führt zu bedeutenden Veränderungen auf dem Agrarsektor, denn für die Produktion von Fleisch sind große Weideflächen und weitere Ackerflächen für den Anbau von Viehfutter notwendig. Da ein Mangel an solchen Nutzböden schon jetzt besteht, kann der steigende Bedarf zu einem großen Teil nur durch erhöhte Nahrungsmittelimporte gedeckt werden. Steigende Preise könnten die Folge sein.
Schon jetzt führt China Soja und Baumwolle ein, und für 2005 werden Mais- und Weizenimporte erwartet. China wird dann schätzungsweise acht Millionen Tonnen Weizen importieren. Dies entspricht einem Anteil von acht Prozent des Welthandelsvolumens – Tendenz steigend. Die Nachfrage trifft dabei auf relativ niedrige Lagerbestände.
Insgesamt sind jedoch im Gegensatz zum volatilen Energie- und Metallsektor im Segment der „Soft Commodities“ auf kurze Sicht nur verhaltene Preisaufschläge zu erwarten. Insbesondere auf Grund steigender Produktivität in vielen Teilbereichen bleibt abzuwarten, ob sich in diesem Rohstoffsegment bereits eine Preiswende ankündigt. Die gesellschaftlichen und strukturellen Langfristtrends weisen aber darauf hin, dass der Bedarf an hochwertigen Produkten insbesondere in Asien steigen und damit zu einer weiteren Belebung des Marktes führen dürfte. Für Privatanleger sind auf Grund der stark unterschiedlichen Preisentwicklung einzelner Rohstoffe Anlagemöglichkeiten vorteilhaft, die die verschiedenen Agrarprodukte kombinieren und auch aktiv verwalten.
HANDELSBLATT, Dienstag, 07. Dezember 2004, 12:20 Uhr