Nigeria treibt Ölpreis-ist die Wahlrallye gelaufen


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moya:

Nigeria treibt Ölpreis-ist die Wahlrallye gelaufen

 
28.09.04 18:51
Nigeria treibt die Ölpreise - ist die Wahlrallye gelaufen?

von Jochen Steffens

Und dann war da noch Nigeria. Es ist schon etwas abenteuerlich, was die Ölbullen alles für Argumente aus dem Nachrichtenallerlei saugen, um den Ölpreis noch höher zu treiben. Nach Angaben der Nachrichtenagenturen haben in Nigeria, immerhin der fünftgrößte Exporteur von Öl in die USA, Rebellen der amtierenden Regierung mit Anschlägen auf die Ölinfrastruktur gedroht. Daraufhin hat die britischen Mineralölgesellschaft Royal Dutch/Shell bereits 235 Mitarbeiter aus dem ölreichen Niger-Delta abgezogen. Klar, der Ölpreis steigt weiter.

Wenige scheint es zu interessieren, dass der Konflikt in Nigeria schon die ganze Zeit still vor sich hinschwelt. Aber so ist das, in einer Rallye werden die Rallye unterstützenden Nachrichten gefeiert und die schwächenden Nachrichten ignoriert. Zumindest in der dritten Phase einer Rallye.

Es gibt auch Nachrichten, die den Ölpreis belasten sollten, zum Beispiel die Nachricht, dass Yukos nicht verstaatlicht und nicht zerschlagen werden soll. Doch solche Nachrichten werden geflissentlich ignoriert. Gut, das ist beides ein deutliches Indiz dafür, dass wir uns im letzten Drittel des Aufwärtstrend des Ölpreises befinden - in der Übertreibungsphase. Nun fragen Sie mich nicht, wie weit diese Übertreibungsphase gehen wird. Denn eins ist klar, in dieser Phase befindet sich der Markt in Euphorie. Und Euphorie ist bekanntlich eine extreme Emotion - demnach nicht einschätzbar.

Eins muss ich jedoch nun zugeben: Die Prognose zum Öl, die ich noch Anfang/Mitte des Jahres gemacht habe, ist gründlich daneben gegangen.

Ich hatte prognostiziert, dass der Ölpreis in den Monaten vor der Wahl deutlich unter die Räder kommen wird. Begründet hatte ich diese Prognose damit, dass die US-Ölindustrie alles tun wird, um Bush zu unterstützen, demnach also die Käufe im September einstellt, um den Ölpreis zu drücken. Zumindest hier scheine ich Recht behalten zu haben, nicht umsonst sind die US-Lagerbestände auf ein 26 Jahrestief gefallen. Das Problem ist jedoch, der gewünschte Effekt, nämlich ein sinkender Ölpreis vor der Wahl, ist nicht eingetreten.

Das ist wieder einmal ein Beispiel für meine Lieblingsweisheit: An den Börsen kann alles passieren, auch das Gegenteil. Natürlich konnte keiner mir vier Wirbelstürmen rechnen, keiner konnte die Auswirkung der Yukoskrise auf das chinesische Kaufverhalten absehen, etc. Aber das ist der Weg der Börsen, immer muss mit dem Unerwarteten gerechnet werden.

Sie werden mich nun fragen, ob ich denn trotz hoher Ölpreise an meine Wahlrallye-These festhalten will. Die Rallye hat zum richtigen Zeitpunkt, vielleicht durch den hohen Ölpreis ein bis zwei Wochen später als prognostiziert begonnen. Nun verzögert der Ölpreis wieder.
Die Wahlrallye "verkommt" zunehmend zu einer Rallye bis zum Jahresende.

Der hohe Ölpreis wird aber die grundsätzliche Einschätzung zum Markt, nämlich dass er noch etwas steigen wird, nicht vollkommen eindampfen.
Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass er diese Entwicklung nur nach hinten verschiebt. Das könnte dazu führen, dass wir einen für Wahljahre untypischen und für normale Jahre typischen Verlauf sehen:
Der September ist noch schwach und Anfang bis Mitte Oktober startet der Markt bis zum Jahresende durch.

Natürlich hängt die weitere Entwicklung jetzt wieder am Ölpreis, wie so oft in diesem Jahr. Gerade hat Saudi Arabien verkündet, dass es die Ölproduktion nun von 9,5 Mio. auf 11 Mio. Barrel pro Tag erhöhen will
- natürlich wird diese Nachricht erst einmal "ignoriert". Doch sollte der Ölpreis wirklich nur durch Hedge-Fonds und Spekulanten getrieben sein, dann besteht die große Gefahr, dass es zu einer Ölschwemme kommt. Die Folgen davon wären stark einbrechende Kurse!

Dazu noch ein letzter Hinweis: Der hohe Ölpreis ist natürlich jetzt vollkommen eingepreist. Das führt dazu, das jeder Dollar, den der Ölpreis wieder abgibt, durch Kursgewinne in den Markt eingepreist werden muss. Mit anderen Worten: Allein der hohe Ölpreis birgt ein großes Potential für steigende Märkte. Sollte er z.B. auf 35 Dollar
(Crude) sinken, dann wird der Markt die 15 Dollar Differenz mit einer ausgewachsene Rallye einpreisen und das völlig unabhängig von der weiteren wirtschaftlichen Situation. Das sollten Sie, sofern Sie bearish eingestellt sind, bedenken!

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moya:

Up`s o. T.

 
29.09.04 07:36
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