Der letzte Hurrah des deutschen Kapitalismus


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Der letzte Hurrah des deutschen Kapitalismus

 
14.11.03 10:01
[ interessante Fundsache ]

Der letzte Hurrah des deutschen Kapitalismus - das Kapital verschwindet...
Geschrieben von dottore am 13. November 2003 10:31:24:

Hi,

die Basis des kapitalistischen Systems sind die Investitionen. Denn sie schaffen neue Beleihungsmöglichkeiten bzw. werden zeitgleich mit neuen Beleihungen erstellt.

Ohne Kapital kein Kapitalismus und ohne verschuldetes Kapital kein Druck, der - wie oft genug erläutert - die Chose vorwärtstreibt.

Investition und Verschuldung bzw. Verschuldungsmöglichkeit sind also zwei Seiten derselben Sache.

Die Nettoinvestitionen (also Brutto minus Abschreibungen) sind in Deutschland in einem beklagenswerten Verfall. Die einzelnen Bereiche:

1. Private Haushalte: Hi 1994 mit 81, 2002 44 (vj. 55).

2. Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften: Hi 1992 und 2000 mit jeweil rd. 67, 02: 17 (Vj. 35).

3. Staat: Ununterbrochen rückläufig, beginnt 1992 mit 18, war 1995 schon mit 8 mehr als halbiert. 02 ein Rückgang von 0,7 (vj. noch + 1,86).

4. Monetäre Finanzinstitute (MFIs) spielen logischerweise kaum eine Rolle, pendelten bis 98 um die 3 Mrd. €, dann 2,55, 2,15, 2,02 und 2002 nur moch 0,7.

Inländische Sektoren insgesamt: Hi 1992 mit 153, ein erster Taucher 1996/7 auf je ca. 124, 2000 noch einmal 142, 2001 dann 95 und 2002 nur noch 62 Mrd.

Wir sehen also auch in D: Die meisten Nettoinvestitionen finden Statt im privaten Sektor, wobei die privaten Haushalte mit 44 die privaten Unternehmen mit nur noch 17 weit überholt haben!

Die privaten Haushalte sind also - ähnlich wie in den immer wieder zitierten Volkswirtschaft USA, GB usw. - der Leim, der die Kiste noch zusammenhält.

Dass der Staat inzwischen - per Abschreibungen > Bruttoinvestitionen - sich stracks in Richtung DDR aufmacht, sollte keinen verwundern. Er kann dies täglich bestaunen, wenn er sich die staatliche Infrastruktur betrachtet (Straßen, öff. Gebäude, Schulen, Universitäten usw.). Auch die "Privatisierung" hat nicht viel geholfen, da der private Firmen-Sektor im letzten Jahr nur noch ca. ein Viertel der Investitionen tätigt, die noch vor 10 Jahren getätigt wurden.

Dass dies überhaupt nichts Gutes verheißt, muss sich eigens ausgeführt werden. Auch der dollste Finanz-Ballon muss irgendwann mit etwas "Realem" bedient werden, bzw. lässt sich nur durch Nettoneuverschuldung auf "realer" Grundlage weiter halten.

Dadurch, dass man spätere monetäre Fälligkeiten diskontiert und so zusätzliches "Geld" schafft (M3 -> M2 -> M1), wie es derzeit dank der sog. ZB-"Politik" vollzogen wird (in der irrigen Meinung, damit den späteren Fälligkeiten auf Dauer zu entkommen) und entsprechendes Aufpumpen der Finanzsphäre durchdekliniert, entkommt man den Grundproblem niemals.

Was wir an den Finanzmärkten erleben, ist nichts als das letzte Hurrah. Die Kartätschen, die alles in Klump schießen werden, stehen längst in Stellung.

Ich bitte dies in sämtliche Überlegungen einzubeziehen.

Gruß!


(Quelle zu oben: Buba)






Grüße

NL
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Erläuterung dazu

 
14.11.03 10:12
...
>wenn ich Dich richtig verstehe, meint das auch, dass wir für lange Zeit vermutlich das letzte Mal gesehen haben, dass Geld im größeren Stil in die Börse gepumpt wird von Privatanlegern und die kommenden Dips einem Käufer den Hals brechen werden.... weil am Ende hat Börse ja doch etwas mit Wirtschaft zu tun, oder?
...

ich teile Deine Skepsis ganz und gar. Vielleicht sollte man es sich so erklären (extrem simples Beispiel):

Jemand gründet eine AG. Dazu braucht er Vermögen (aktiv) und Kapital (passiv). Sein Vermögen: Grundstück, Halle, Maschinen, PCs, also alles, was man (fälschlich gern) "Sachkapital" nennt, korrekt ist es "Sachvermögen". Summa: 10 Mio €. Diese 10 Mio beschafft er sich über einen IPO. Der Wert der Aktien kann zunächst nur bei 10 Mio liegen (Kurs = 100 %). [Üblicherweise liegt er höher, da auch bereits Erwartungen eingepreist werden, dass die AG gut läuft usw., aber das lassen wir mal weg].

Er muss im laufenden Geschäftsjahr auch 10 Mio Löhne bezahlen, die kann er sich aber nicht von der Börse als "Kapital" holen, sondern er muss sie (bis die ersten Umsätze laufen) über einen kurzfristigen Bankkredit beschaffen (Bank stimmt zu, weil sie ebenfalls vom Geschäftserfolg überzeugt ist, aber das lassen wird hier auch weg).

Der Kurs der Aktie, die mit - angenommenen 100 % gestartet war - beginnt sich zu heben. Sofern die AG die Erwartungen erfüllt, ist das alles auch in Ordnung. Normalerweise steigt also der Firmenwert. Nun muss das Sachvermögen, da es veraltet usw., abgeschrieben werden. Werden keine zusätzlichen Nettoinvestitionen getätigt (Brutto minus Abschreibungen), sondern wird nur immer das neu investiert, was abgeschrieben wurde (also alte durch neue Maschinen ersetzt, usw.) - unbeschadet etwaigem Geschäftserfolg, der in Ausschüttungen sich niederschlägt, wobei die Ausschüttungen nicht für weitere Investitionen zur Verfügung stehen, da ausgeschüttet -, kann sich die Bewertung des Kapitals des Unternehmens letztlich nicht erhöhen.

Die AG hat nun das Kapital erhalten (die Abschreibungen verdient), die Löhne bezahlt (die Bank hält die Linie aufrecht) und keinen Gewinn gemacht, also auch nichts ausgeschüttet. Steigt der Kurs der Anteile an dieser AG dennoch, kann dies nur mit einer Spekulation (selbstverständlich jedem unbenommen) erklärt werden und zwar mit einer Spekulation darauf, dass sich die AG erfolgreicher entwickelt als bisher, da sie eher ein Kapitalerhaltungs-Verein war.

Entwickelt sich eine Unternehmung besser, kann dies natürlich darauf zurückzuführen sein, dass mit dem gleichhohen Sumnmen, die investiert werden, "modernere" Maschinen gekauft werden, die dann doch "irgendwie" zu höheren Ergebnissen führen als nur zum summenmäßig gleichen Kapitalerhalt (und den auszuzahlenden Löhnen).

Treffen diese Ergebnisse ein, steht die AG vor der Frage: Wohin mit dem Gewinn, der das ja ausdrückt. Normalerweise wird die AG diesen zunächst nicht ausschütten, sondern versuchen, ihn im Unternehmen zu halten und (sofern nicht zusätzliche Lohnforderungen sie belasten), zu investieren, also wiederum in zusätzliches "Kapital" (Sachvermögen) zu verwandeln, also neue Halle, weitere Maschinen, kurzum zu "expandieren".

Reicht diese "Selbstfinanzierung" nicht aus, kann sie auch versuchen, zusätzliches Kapital (Ausgabe weiterer Aktien) zu beschaffen (Kapitalerhöhung) oder in anderer Form (Anleihen o.ä.) Mittel dafür aufzutreiben.

Letztlich läuft es aber immer darauf hinaus, dass die Investitionen in einem Zusammenhang mit dem Kapital und dessen Bewertung an der Börse stehen, d.h. - genau wie Du schreibst - die Wirtschaft letztlich doch etwas mit der Börse zu tun hat und vice versa - also alle Spekulation, Wellen usw. außen vor - am Schluss die Fundamentals entscheiden - auch wenn sie "zwischendurch", wie wir wissen, keine Rolle spielen.

Nehmen wir an, die AG, die immer nur summenmäßig das Kapital erhalten hat, würde liquidiert (alle Mitarbeiter kostenneutral entlassen, keine sonstigen Abwicklungskosten, die Banklinie auf Null gefahren, usw.), dann können die Aktionäre letztlich nur aus der Verwertung des Vermögens (Sachkapital) bedient werden, das, angenommen es lässt sich zu 100 % (Buchwert) verwerten, dann zu einer Rückgabe des Kapitals an die Aktionäre zu 100 % führen würde. Sonstige Vorgänge, wie Verwertung von inzwischen von der AG erstellten eigenen Patente, Markennamen usw. lassen wir der Einfachheit halber ebenfalls weg.

Will heißen: Auf Dauer kann sich die höhere Bewertung des Kapitals (an der Börse oder wo und wie auch immer) und zwar summenmäßig gesamtwirtschaftlich nicht von der zusätzlichen Bildung von Kapital (ebenfalls summenmäßig) nicht lösen.

Nehmen also die Nettoinvestitionen so dramatisch ab, wie bis inkl. 2002 zu beobachten, und steigen gleichzeitig die Bewertungen des gesamten Kapitals (das immer nur entlang der Kurve der Nettoinvestitionen wachsen kann) kann dies nur bedeuten, dass sich ein Schere öffnet, die sich - wann auch immer - wieder schließen wird.

Noch Zahlen dazu: 1992 lagen die Bruttoinvestitionen bei 373 Mrd € und 2002 bei 371 Mrd. Also nachher wie vorher (Preiseffekte nicht berücksichtigt).

Im Jahr 2000, also dem Hi des Hype an der Börse betrugen sie 433 Mrd. Die Abschreibungen sind von 1992 kontinuierlich gewachsen, von 225 auf 310 Mrd. (Differenz = Nettoinvestitionen). Da noch eine Menge Abschreibungen in der Pipeline stecken (die CoBank hat schon einen Befreiungsschlag versucht), ist nicht auszuschließen, dass auch in der Wirtschaft die Abschreibungen noch näher an die Bruttoinvestitionen wachsen als seit 2000 schon zu beobachten.

Dies "bereinigt" zwar, wie es so schön heißt, einzelne Bilanzen und ist auch zu begrüßen, aber auf Dauer kann es nur positiv weiter gehen, wenn die Nettoinvestitionen nicht ab-, sondern zunehmen, was (Selbstfinanzieurng oder zusätzliche Fremdfinanzierung als einzige "Quellen" vorstellbar) nur heißen kann: Die Erträge (Erlöse minus Kosten und Steuern) müssen nicht nur die Abschreibungen verdienen, sondern auch darüber hinaus genügend Mittel den Unternehmen an die Hand geben, um selbst- und/oder fremdfinanziertes zusätzliches Sachvermögen zu ermöglichen.

Nach meinem (völlig unmaßgeblichen) Gefühl sind die Gewinnerwartungen, die sich vice versa in Börsenbewertungen (oder anderen) ausdrücken, maßlos überrissen, zumal wenn man bedenkt, dass sich Gewinne nicht "von selbst" einstellen, sondern, da nicht in den verausgabten Kosten enthalten, sondern nur mit Hilfe zeitlich späterer (!) Nettoneuverschuldung (diese wiederum durch zusätzliches Kapital, also zusätzliche Nettoinvestitionen besichert) überhaupt realisiert werden können.

Wenn Deutschland (vom Export ganz abgesehen!) 2,5mal so hohe Nettoinvestitionen der privaten (!) Haushalte gegenüber den "eigentlich" als Investitions-Maschinen zuständigen "normalen" inländischen Firmen zu beobachten sind, hängt Gedeih und Verderb von der Verschuldungsbereitschaft (Vornahme von Bruttoinvestitionen) der privaten Haushalte ab, die ihrerseits zu kleinen "Unternehmen" mutiert sind, welche die großen stützen.

Die privaten Bruttoinvestitionen waren mit 137 Mrd. in 2002 nur etwa ein Drittel so hoch wie die der Unternehmen (371) und gegenüber 2001 und 2000 rückläufig (146 und 157).

Es hängt also viel mehr von sog. "Verbraucher" auch in Deutschland ab als wir ahnen. Ob dessen Stimmung und ergo Verschuldungsbereitschaft (---> Bruttoinvestitionen) steigt, ist ungewiss (Hausbau, Autokauf, langlebige Wirtschaftgüter usw.). Wird die Stimmung durch Steuersenkungen usw. "befügelt", mag dies mit zeitlicher Verzögerung vielleicht funktionieren. Andererseits bedeutet dies noch größere Haushaltsprobleme im Sektor Staat, der bereits "ent-investiert", was es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben hat.

Der Fuchs muss also aus dem Bau!

Meine (völlig unmaßgebliche) Einschätzung zur weiteren Entwicklung ist oft genug vorgetragen worde: Es kommt zu einer Neubewertung des Kapitalstocks (vulgo: Crash und/oder schwere Baisse) und einer deflationären Depression mit ungewissem Ausgang.

Ich würde gern etwas anderes mitteilen, kann es aber aufgrund meiner Analysen und der sie aus immer neuen Ecken kommenden und sie bestätigenden Zahlen leider nicht. (Vor einer Woche hatte ich von den, wie ich finde, verheerenden Zahlen der Bundesbank noch keine Ahnung).


So sorry for that!

>Mir ist das Risiko mitterweile eh zu hoch, mich in konventionellen Wertpapieren zu engagieren....

Mir auch.

Herzlichen Gruß!

-------------------


Grüße

NL
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NextLevel:

Up für die kleine denkende Minderheit bei ARIVA

 
14.11.03 19:44
sehr lang, aber wert es am Wochende mal zu lesen

Grüße

NL
Antworten
8x4udTgm:

was solls, das letzte Hemd hat keine Taschen o. T.

 
14.11.03 19:55
Antworten
daxbunny:

@NextLevel

 
14.11.03 20:02
ich kenne dich zwar nicht, aber ich muß dir in allen Punkten Recht geben.
Deine Analyse ist deckungsgleich mit meiner.

Es wird langsam Brand gefährlich !!!

Gruß DB, der immer wieder gerne bei Ariva vorbei schaut - besonders wenn es sich um solche Postings wie hier handelt.
Antworten
NextLevel:

Nicht von mir, aber eine brilliante Fundsache

 
14.11.03 20:11
Grüße

NL
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WALDY:

Tja,.. und was sagt uns das:

 
14.11.03 20:29
Eigentlich alles wie schon immer.
d.h.

       Die kleinen füttern die GROSSEN.
(& wenn)Die kleinen haben nix mehr zu fressen (Kapital)
   
             R E V O L U T I O N !

Rechte oder Linke...schaun wir mal!

MfG
Waldy


Ps.
ich glaube aber, an eine Fee, die alles wieder gut macht
und uns allen den Arsch und das PORTEMONNAIE rettet.
und die gute heisst :


      V.C.R

www.ahk-china.org

Ps.Ps.
Für alle anderen:
Rettet den Regenwald ...könnte bald ,euer neues zuhause sein...
www.regenwald.org
Antworten
NextLevel:

Benutze Deinen Kopf um für Deine Situation die

 
15.11.03 14:52
beste Lösung zu finden!

Ein Beispiel: Ich kann Dir zwar sagen "Dieses intensive Abendrot deutet auf ein saukalte Winternacht hin"
Aber es liegt an Dir was Du mit dieser Information machst.

Ich weiß ja nicht ob dein Wagen schon in der Garage steht. Oder ob Du es genießt morgens Scheiben zu kratzen :) Oder ob Deine Standheizung rechtzeitig anspringt. Oder, oder, oder ...


Grüße

NL
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