09.06.2009 17:59 Empfehlen Drucken Bookmarken
Piepenburg sieht Chance auf kompletten Erhalt von Arcandor
Essen (ddp). Der neue Generalbevollmächtigte des insolventen
Essener Reise- und Handelskonzerns Arcandor, Horst Piepenburg, sieht
gute Chancen für einen kompletten Erhalt des Unternehmens. Erklärtes
Ziel von «Deutschlands größtem Insolvenzverfahren» sei eine Sanierung
des gesamten Konzerns und nicht nur von Teilen, sagte Piepenburg nach
seiner Ernennung am Dienstag in Essen. Die Sanierung erfolge dabei im
Rahmen einer Planinsolvenz in Eigenverwaltung.
Es gebe eine «gute Chance», dieses Ziel zu erreichen. «Ich
übernehme keine aussichtslosen Mandate», fügte Piepenburg hinzu. Mit
der nach dem Insolvenzantrag anstehenden Zahlung von Insolvenzgeld in
Höhe von 250 Millionen Euro seien die Gehälter für die rund 56 000
Konzern-Beschäftigten bis August gesichert. Piepenburg ist Anwalt in
Düsseldorf und hat zuletzt unter anderem den insolventen Anlagenbauer
Babcock Borsig und den Briefdienstleister Pin Group wieder auf Kurs
gebracht.
Arcandor-Vorstandschef Karl-Gerhard Eick sagte, der
Insolvenzantrag sei eine «Chance für uns alle». Er fügte hinzu: «In
jedem Ende steckt ein Anfang.» Durch die Insolvenz könne der vom
Unternehmen bereits vorgelegte Sanierungsplan zügig vorangetrieben
werden. «Wir haben jetzt Mittel zur Verfügung, die wir vorher nicht
gehabt haben.» Erklärtes Ziel sei es, so viele Arbeitsplätze wie
möglich zu erhalten.
Der Karstadt-Mutterkonzern hatte zuvor beim Amtsgericht Essen den
Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens sowohl für den
Mutterkonzern wie die Tochterunternehmen Karstadt, Quelle und
Primondo eingereicht. Vom Insolvenzverfahren unberührt bleiben der
Touristikkonzern Thomas Cook, die Spezialversender der
Primondo-Gruppe sowie der Homeshopping-Sender HSE 24.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannte das Amtsgericht den
Kölner Rechtsanwalt Klaus Hubert Görg. «Ich bin gewiss, dass es uns
gelingen wird, für Arcandor und die Mitarbeiter auch in dieser
schwierigen Situation vielversprechende Perspektiven für eine
Sanierung zu eröffnen», sagte Görg. Eine Insolvenz sei heutzutage
nicht länger gleichbedeutend mit einer Pleite.
(ddp)