Alle reden von der Weihnachts-Rallye und blicken verzückt auf "technische Ausbrüche". Die FTD hingegen sieht das nüchterner und ist für den US-Markt sehr pessimistisch. Und da der DAX nur eine "Marionette" der US-Börsen ist, wird auch er kaum gegen den US-Trend steigen können. Lest bitte auch meinen kursiven Kommentar unten, der sich auf das Sternchen (*) im Text bezieht.
Aus der FTD vom 10.12.2004
Das Kapital: Die US-Dividendenrendite sagt eben doch schon alles
Noch Zweifel, dass es dem amerikanischen Aktienmarkt weiter ähnlich ergehen wird wie dem japanischen seit 1990? (*) Nicht doch. Wie auch sonst im Leben geht es an der Börse immer schlimm aus, wenn man sich in die eigene Tasche lügt.
Einfachste Ökonomie und Mathematik reichen, um zu ahnen, dass die Gewinne sogar im Jahr 2015 noch niedriger sein könnten als die Prognosen für 2005. Selbst bei einem unterstellten mittleren Umsatzwachstum von fünf Prozent wäre das der Fall, wenn sich die derzeitigen Rekordmargen mit der Zeit wieder normalisieren. Genau darauf deuten alle ökonomischen Überlegungen hin.
Aber das wird ebenso verdrängt wie die lächerlich niedrige Dividendenrendite von 1,6 Prozent im S&P 500. Viele Firmen zahlen eben kaum oder keine Dividende und kaufen stattdessen eigene Aktien zurück, heißt es. Welch ein Selbstbetrug! Um eine Dividendenrendite von drei Prozent abzuwerfen, müssten die S&P-500-Firmen 150 Mrd. $ zusätzlich lockermachen. Das würde sie 52,5 Prozent der "operativen" und 73 Prozent der GAAP-Gewinne kosten. Und trotz der vielen Rückkäufe ist der Aktienumlauf im dritten Quartal - wieder - um 0,9 Prozent gestiegen.
Die berüchtigten und hoch kapitalisierten Dividendenverweigerer Cisco, Dell, Time Warner, Amgen, Ebay, Oracle, Comcast, Yahoo, EMC, Apple, Starbucks, Zimmer und Google müssten 90 Prozent des abgelaufenen Jahresumsatzes aufwenden, um Dividenden von 150 Mrd. $ zu zahlen. Die 13 Firmen kosten mehr als der Dax - und erzielen nicht mal den Umsatz von DaimlerChrysler.
------------------
(*) Erklärung (von mir): Der japanische Aktien-Index Nikkei-225 (erste Grafik) erholte sich nach dem 1990er Absturz zeitweilig ganz gut, um dann später umso schwerer abzustürzen. Der FTD-Kommentator hebt in seiner sarkastischen Bemerkung offenbar auf die zwischenzeitliche Nikkei-Erholung in den Jahren 1995-1996 ab (fünf Jahre nach dem Knall), die er mit dem jetzigen Stand in den USA vergleicht. Wenn man sich dazu den Dow-Langzeit-Chart ansieht (zweite Grafik) kann einem nur angst und bange werden. Der Zeitraum 1995-1996, in dem der Nikkei sich von 15.000 auf 22.000 technisch erholte, schien auch eine neue Börsen-Hausse einzuleiten - inklusive dem unverzichtbaren "technischen Ausbruch". Wer da gekauft hat und die nach dem abermaligen Rückgang erlittenen Verluste auszusitzen versuchte, war angeschmiert: Im Jahre 2003 fiel der Nikkei auf 8000 - fast eine Drittelung verglichen mit dem Wert von 1996 - und erreichte ein 20-Jahres-Tief. Dabei ist Japan nicht Argentinien - es ist nach den USA immer noch die Wirtschaftsmacht Nr. 2
Grafik: Nikkei-225 von 1989 bis heute
Aus der FTD vom 10.12.2004
Das Kapital: Die US-Dividendenrendite sagt eben doch schon alles
Noch Zweifel, dass es dem amerikanischen Aktienmarkt weiter ähnlich ergehen wird wie dem japanischen seit 1990? (*) Nicht doch. Wie auch sonst im Leben geht es an der Börse immer schlimm aus, wenn man sich in die eigene Tasche lügt.
Einfachste Ökonomie und Mathematik reichen, um zu ahnen, dass die Gewinne sogar im Jahr 2015 noch niedriger sein könnten als die Prognosen für 2005. Selbst bei einem unterstellten mittleren Umsatzwachstum von fünf Prozent wäre das der Fall, wenn sich die derzeitigen Rekordmargen mit der Zeit wieder normalisieren. Genau darauf deuten alle ökonomischen Überlegungen hin.
Aber das wird ebenso verdrängt wie die lächerlich niedrige Dividendenrendite von 1,6 Prozent im S&P 500. Viele Firmen zahlen eben kaum oder keine Dividende und kaufen stattdessen eigene Aktien zurück, heißt es. Welch ein Selbstbetrug! Um eine Dividendenrendite von drei Prozent abzuwerfen, müssten die S&P-500-Firmen 150 Mrd. $ zusätzlich lockermachen. Das würde sie 52,5 Prozent der "operativen" und 73 Prozent der GAAP-Gewinne kosten. Und trotz der vielen Rückkäufe ist der Aktienumlauf im dritten Quartal - wieder - um 0,9 Prozent gestiegen.
Die berüchtigten und hoch kapitalisierten Dividendenverweigerer Cisco, Dell, Time Warner, Amgen, Ebay, Oracle, Comcast, Yahoo, EMC, Apple, Starbucks, Zimmer und Google müssten 90 Prozent des abgelaufenen Jahresumsatzes aufwenden, um Dividenden von 150 Mrd. $ zu zahlen. Die 13 Firmen kosten mehr als der Dax - und erzielen nicht mal den Umsatz von DaimlerChrysler.
------------------
(*) Erklärung (von mir): Der japanische Aktien-Index Nikkei-225 (erste Grafik) erholte sich nach dem 1990er Absturz zeitweilig ganz gut, um dann später umso schwerer abzustürzen. Der FTD-Kommentator hebt in seiner sarkastischen Bemerkung offenbar auf die zwischenzeitliche Nikkei-Erholung in den Jahren 1995-1996 ab (fünf Jahre nach dem Knall), die er mit dem jetzigen Stand in den USA vergleicht. Wenn man sich dazu den Dow-Langzeit-Chart ansieht (zweite Grafik) kann einem nur angst und bange werden. Der Zeitraum 1995-1996, in dem der Nikkei sich von 15.000 auf 22.000 technisch erholte, schien auch eine neue Börsen-Hausse einzuleiten - inklusive dem unverzichtbaren "technischen Ausbruch". Wer da gekauft hat und die nach dem abermaligen Rückgang erlittenen Verluste auszusitzen versuchte, war angeschmiert: Im Jahre 2003 fiel der Nikkei auf 8000 - fast eine Drittelung verglichen mit dem Wert von 1996 - und erreichte ein 20-Jahres-Tief. Dabei ist Japan nicht Argentinien - es ist nach den USA immer noch die Wirtschaftsmacht Nr. 2
Grafik: Nikkei-225 von 1989 bis heute
