FTD: BNP Paribas kann Fortis nicht greifen
01.04.2009 - 18:02
Sicher scheint im Fall des Beneluxkonzerns nur die Unsicherheit: Skeptische Aktionäre errangen nun erneut einen Sieg vor Gericht - die Abstimmung über die geplante Veräußerung an die Franzosen wird damit wahrscheinlich verschoben.
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Der Verkauf der belgischen Fortis-Bank an das französische Institut BNP Paribas steht vor einer neuen Hürde: Nach einem Gerichtsurteil wird die für nächste Woche geplante Abstimmung der Aktionäre über die Veräußerung wahrscheinlich verschoben.
Eine Fortis-Sprecherin sagte, der Verwaltungsrat des Finanzkonzerns wolle noch am Mittwoch einen Beschluss dazu fassen. Das Unternehmen teilte auch mit, es habe gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt. Das Verfahren werde bereits am Donnerstag wieder eröffnet.
Die Aktionäre des belgisch-niederländischen Finanzkonzerns sollten ursprünglich kommende Woche auf zwei Hauptversammlungen in Utrecht und Brüssel über die Transaktion entscheiden. Sie hatten den Verkauf bereits im Februar mit einer hauchdünnen Mehrheit abgelehnt; BNP Paribas legte daraufhin ein neues Angebot vor. Am Dienstag entschied ein Berufungsgericht in Brüssel jedoch, den Kreis der stimmberechtigten Aktionäre einzugrenzen - was den Skeptikern erneut eine Mehrheit einbringen könnte.
Die Hängepartie um die Rettung von Fortis zieht sich damit weiter hin - nachdem die Aktion anfänglich als Musterbeispiel dafür gegolten hatte, wie ein grenzübergreifend agierender Finanzkonzern gestützt werden kann. Der Konzern hatte sich mit der Übernahme von Teilen der niederländischen Bank ABN Amro verhoben und musste im vergangenen Herbst von den beteiligten Staaten aufgefangen werden. Die Fortis-Holding will den Großteil des Versicherungsgeschäfts fortführen, die Bankgesellschaften wurden jeweils in den Niederlanden und Belgien verstaatlicht.
In Belgien hat die Zerschlagung zu schweren Turbulenzen geführt: Die Aktionäre stemmen sich gegen den Plan der belgischen Regierung, das dortige Bankgeschäft und einen Teil des Versicherungsarms an BNP Paribas zu verkaufen. Bereits im Dezember erzielten sie einen Erfolg, als ein Gericht in Brüssel ihnen das letzte Wort über die Veräußerung einräumte. Der damalige Regierungschef Yves Leterme stürzte über den Fall - ihm wurde angelastet, er habe versucht, die Justiz zu beeinflussen.
Nach dem Urteil von Dienstag dürfen im zweiten Anlauf nur Aktionäre mitstimmen, die zum Zeitpunkt der Zerschlagung im Oktober bereits Anteile gehalten hatten. Fortis wollte auch jene Investoren abstimmen lassen, die seitdem den niedrigen Preis der Fortis-Aktie zum Einstieg genutzt haben. Die neuen Aktionäre halten rund fünf Prozent und hätten wahrscheinlich für die Transaktion gestimmt, da sie davon profitieren: BNP Paribas bietet etwas mehr als 3 Euro je Aktie - am Dienstag ging das Papier mit 1,35 Euro aus dem Handel.
Der Richterspruch sei "ein Witz", sagte Karel De Boeck, Vorstandschef der Fortis-Holding. BNP Paribas teilte mit, man seit weiter "entschlossen und zuversichtlich". Mischael Modrikamen, ein Anwalt der kritischen Aktionäre, sagte der hingegen der Financial Times: "Das ist ein Sieg für den Rechtsstaat. BNP und die Regierung versuchen, dasselbe Gericht wieder zu servieren, das beim letzten Mal zurückgegangen ist." Die Investoren fordern, die belgischen Bankaktivitäten in einem eigenständigen Institut fortzuführen, was Analysten allerdings für unrealistisch halten.
Entscheidend dürfte nun sein, wie sich der Großaktionär Ping An verhält. Der chinesische Versicherer, mit einem Anteil von fünf Prozent größter Investor, hatte im Februar noch gegen den Verkauf gestimmt. Dem Vernehmen nach will sich Ping An in Kürze zu seinen Plänen äußern.
Autor/Autoren: Christine Mai (Frankfurt)
(c) FTD