![WestLB verspekuliert sich um 100 Mill.€ 3203773]()
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Die Düsseldorfer Zentrale der WestLB. Foto: dpa |
FRANKFURT. Die WestLB hat aus fehlgeschlagenen Spekulationen mit Vorzugs- und Stammaktien der Volkswagen AG einen Verlust von rund 100 Mill. Euro erlitten. Vorstandsmitglied Werner Taiber sagte am Donnerstag, es habe Regelverstöße im Eigenhandel der Bank gegeben. Darauf habe die Bank reagiert und Konsequenzen gezogen.
Taiber deutete aber an, dass die Schieflage beherrschbar ist. „Im vergangenen Jahr hat der Eigenhandel einen positiven Ergebnisbeitrag gebracht und wir gehen davon aus, dass das auch 2007 der Fall sein wird“, erklärte der seit Ende Februar für den Eigenhandel der Bank verantwortliche Vorstand. Es habe arbeitsrechtliche Konsequenzen gegeben, strafrechtliche Folgen seien nicht zu erwarten, ergänzte ein Sprecher.
Nach einem Berich der „Financial Times Deutschland“ wurden der Geschäftsbereichsleiter für Equity Markets, Friedhelm Breuers, und einer seiner Mitarbeiter entlassen. Der 45-jährige Breuers ist ein Urgestein im deutschen Derivate-Markt. Bereits Mitte der 90er-Jahre war er bei der WestLB für Aktienderviate verantwortlich, den Bereich Equity Markets leitete er seit dem Jahr 2003. Auch in der Außendarstellung der Branche gehört Breuers als Vorstandsmitglied im Branchenverband Derivate Forum zu den Aktivposten.
In Bankkreisen hieß es, der Verlust sei gemäß dem internationalen Bilanzierungsstandard IFRS zum Quartalsende abzubilden gewesen. Damit blieb offen, ob die Positionen mittlerweile geschlossen oder weiter offen sind. Sollte sich herausstellen, dass die Landesbank die Position noch auf den Büchern habe, dürfte der Spread zwischen beiden Aktiengattungen noch weiter auseinander laufen und den Verlust ausweiten, hieß es im Handel. Wesentlich wahrscheinlicher sei allerdings das Szenario, dass die WestLB in die Ausweitung des Spreads hinein ihre Position geschlossen habe. Dafür würde sprechen, dass das Volumen in den Vorzügen seit Montag deutlich zurückgekommen sei. Man habe aber das Nötige veranlasst, damit wieder die internen Regeln eingehalten und die Limite beachtet werden, sagte ein WestLB-Manager.
<!--nodist-->Lesen Sie weiter auf Seite 2: Verlust trifft WestLB zum ungünstigen Zeitpunkt
<!--/nodist-->Offenbar hat die WestLB darauf gesetzt, dass die Kursdifferenz zwischen den beiden Aktiengattungen sinke. Als der Autohersteller Porsche jedoch vor eineinhalb Wochen seinen Anteil an den VW-Stammaktien auf 30,9 Prozent aufstockte, sei die Wette nicht mehr aufgegangen. Innerhalb weniger Tage habe sich die Differenz um rund 7 Euro erhöht, was bei der WestLB zu den Verlusten geführt habe.
Nach Angaben von Händlern ist das Volumen bei den Vorzugsaktien bereits seit November vergangenen Jahres in die Höhe geschnellt und hatte dem Handel Rätsel aufgegeben. Um einen Verlust von 100 Mill. Euro bei einer Spreadveränderung von den genannten 7 Euro zu realisieren, muss die WestLB schon ein ziemliches Rad gedreht haben, so ein Händler. Es würde bedeuten, dass die Landesbank eine Position von rund 15 Mill. Vorzügen gegen 10 Mill. Stammaktien gefahren habe.
Im Vormittagshandel am heutigen Donnerstag stieg der Spread zwischen Vorzugs- und Stammaktien leicht angestiegen - von 34,58 auf 35,08 Euro. Das würde den Verlust erhöhen, falls die WestLB noch die Bestände hält. Die Vorzugsaktien notieren bei 74,95, die Stämme bei 74,95 Euro.
Der Spekulationsverlust trifft die WestLB zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Bank gehört laut Branchenbeobachtern zum Kreis der Interessenten für die Landesbank Berlin, ein indikatives Angebot wurde bereits abgegeben. Außerdem gibt es bei vielen Sparkassenvorständen Bedenken, die WestLB könnte am Kapitalmarkt ein zu großes Rad drehen, um ihr Konzernergebnis zu steigern. „Man sieht, auf welch dünnem Eis die Bank steht“, sagte ein Sparkassenmanager zu den jüngsten Vorfällen. Erinnerungen werden wach an den Fall Boxclever, der 2003 einen Verlust von 1,7 Mrd. Euro auslöste.
Damals liefen Investments bei dem TV-Vermieter unter der Beteiligungsmanagerin Robin Saunders aus dem Ruder. In der WestLB wird aber versichert, eine Wiederholung sei ausgeschlossen, der Schaden aus den Aktienspekulationen und anderen Limitüberschreitungen von Breuers seien mit den neuen Risikosystemen eingegrenzt.